BUND will, dass Landwirte für Wasserentnahmen zahlen

Feldbewässerung in Buchholz (Aller), 25.4.2019 (Foto: Gendries)

Landwirte können in NRW für die Bewässerung ihrer Felder das Grund- oder Oberflächenwasser kostenlos entnehmen. Das will der BUND-NRW ändern. „Um die Felder zu bewässern, werden immer wieder Pumpen in die Bäche und Flüsse gehängt, denen das bei anhaltender Trockenheit den Rest gibt“, erklärt der Umweltverband in seinem aktuellen Positionspapier „Wasserwirtschaft in Zeiten der Dürre“. Er fordert, dass Landwirte an den Kosten der Gewwässerreinhaltung beteiligt werden und wie alle anderen Nutzer, 5 Cent pro Kubikmeter Wasser zahlen. Damit sollen die Bauern an den Kosten für die Gewässermaßnahmen beteiligt werden und zugleich einen Anreiz erhalten, weniger wasserintensive Kulturen anzubauen oder effizientere Bewässerungsmethoden einzusetzen.

An den Klimawandel sollen sich alle Wassernutzer anpassen

Noch haben nur wenige Wasserversorger in NRW Engpässe zu verzeichnen und müssen ihre Kunden deshalb zum Sparen aufrufen. Aber in Ostwestfalen und Teilen des Münsterlandes wurde es in den letzten Wochen schon eng. Es ist bei den Experten unbestritten, dass das Wassermanagement im bevölkerungsreichsten Bundesland noch stärker auf Nachhaltigkeit ausgerichtet werden muss. Nur so ist NRW in Zukunft gegen längere und zukünftig häufiger auftretende Trockenperioden gewappnet. Das ist auch eine Schlussfolgerung des BUND: „Die Trinkwasserversorgung ist ohne nachhaltige Bewirtschaftung auf Dauer nicht in gewohntem Umfang zu gewährleisten. Bereits in den Sommern 2003 und 2018 fiel in einigen Gemeinden die Eigenwasserversorgung aus Quellen oder oberflächennahen Grundwasserleitern aus.“ Zwar ist die Landwirtschaft für die sinkenden Pegel nicht allein verantwortlich, sie ist aber ein Teil des Problems, erklärt der BUND Geschäftsführer.

Wasserentnahmenentgelt oder einfach „Wassercent“ lautet das Stichwort. Wer Grund- oder Oberflächenwasser entnimmt, muss dafür bezahlen. Bis auf in Bayern, in Thüringen und in Hessen wird diese Abgabe in allen Bundesländern fällig. Berlin erhebt 31 Cent je 1.000 Liter Entnahme. Die Haushalte zahlen, der Wassercent ist im Trinkwasserentgelt, das der Versorger erhebt, bereits enthalten. Anders als Wasserversorger, Kraftwerksbetreiber oder Kiesabbaubetriebe ist die Landwirtschaft in NRW vom Wasserentnahmeentgeltin Höhe von fünf Cent je Kubikmeter bisher ausgenommen. So auch in drei anderen Bundesländern.

Nur eine nachhaltige Wasserwirtschaft kann auf Dauer klimasicher sein

Beim Wasserentnahmeentgelt besteht Handlungsbedarf“, erklärte BUND-NRW-Geschäftsleiter Dirk Jansen auf meine Anfrage nach der Motivation, das Thema jetzt anzugehen. „Angesichts des Klimawandels ist es an der Zeit, das bisher vernachlässigte Thema der Wasserentnahmeentgelte in NRW neu aufleben zu lassen. Wegen der Hitze merken die Menschen, dass wir Handlungsbedarf auch bei landwirtschaftlichen Wassernutzern haben.“ Daher wollen die Umweltschützer das Thema auf die Agenda bringen.

Ausnahmen bei der Wasserentnahme für Industrie und Wirtschaft
Quelle: BUND/Ellen Stockmar

Lenkungswirkung geht an der Landwirtschaft bisher vorbei

Wer wie ich auf dem Land lebt, dem sind die Sorgen und Nöte der Landwirte bestens vertraut. Ein benachbarter Obst-und Gemüsebauer in der Nähe von Soest erklärte mir, dass er in Folge des 2018er Sommers für die Bewässerung seiner Anbauflächen den Gegenwert eines Mittelklassewagens bezahlt habe. Er muss Trinkwasser aus der Leitung einsetzen. Das Grundwasser könne er in seiner Tröpchenbewässerungsanlagen nicht nutzen. Dieser Bauer setzt aber genau aus diesem Grund alles daran, möglichst wenig Wasser zu verbrauchen und steuert den Wassereinsatz nach dem Bedarf der Pflanzen und Böden. Das Beispiel zeigt die Lenkungswirkung der Wasserkosten. Wer Lenkungswirkung der Wasserkosten für seinen Wassereinsatz in der Landwirtschaft nicht verspürt, der wird sich nicht anpassen.

Dabei ist es aus Sicht vieler Verbraucher gewollt, dass heimisches Gemüse und Obst möglichst regional angeboten wird. Die Bedingungen beispielsweise im spanischen Andalusien sind bekanntlich katastrophal. Dort werden Brunnen leer gepumpt. Die Bewässerung sollte aber auch hierzulande effizienter sein. Die Kritik des BUND, dass „weiterhin auf wasserintensive Kulturen wie Mais oder Gemüse – so zum Beispiel auch am Niederrhein“ gesetzt werde, muss aus dem Blickwinkel des regionalen Anbaus und der regionalen Vermarktung als Meinung nicht zwingend geteilt werden, aber die Anbaumethoden sollten widerstandsfähig gegen Klimaveränderungen werden und die Früchte auf die neuen Bedingungen eingestellt, so fordern es Agrarexperten mittlerweile. Zu diesem Ergebnis kam auch ein Klimadialog Landwirtschaft, den das Umweltbundesamt in 2017 gemeinsam mit dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) veranstaltete. „Schon jetzt“, so die Analyse, „setzen einige Betriebe etwa auf wassereffiziente, schonende Bodenbearbeitung. Bei den meisten Betrieben gibt es aber noch großes Potenzial, sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen.“

Im Sinne einer nachhaltigen Wasserwirtschaft sollte verhindert werden, dass „in Gemüseanbaugebieten (auch in privaten Gärten) während der Trockenperioden teilweise rund um die Uhr mit großen Drehsprengern beregnet werde, und damit auch während der größten Hitze. Ein großer Teil verdunste bereits, bevor es die Pflanzen überhaupt erreicht habe.“ Landwirte werden umdenken, wenn sie für die Wasserentnahme zur Kasse gebeten werden, hofft der BUND.

Weiterführendes / Quellen

Auffindbar ist dieser Beitrag auch hier, im Magazin „Der Wassermeister“ aus dem Vulkan Verlag

Beitragsphoto: Gendries (R)

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