Denkt an das Wasser! Verbraucher sollten mit Arzneimitteln sorgsam umgehen

Das Bundesumweltministerium hatte Experten zu einem fachlichen Austausch eingeladen, um Maßnahmen gegen Spurenstoffe im Wasserkreislauf zu erarbeiten. Der „Spurenstoff-Dialog“ soll im Ergebnis zu beitragen, dass Medikamentenreste, Biozide, Pflanzenschutzmittel und andere Chemikalien nicht mehr in die Gewässer gelangen. Die Folgen treffen Natur und Verbraucher. Der Aufbereitungsbedarf zur Sicherung der Trinkwasserqualität wird drastisch steigen. Wasserkunden werden steigende Abwassergebühren und Trinkwasserentgelte zu tragen haben. Die Verbraucher sind nicht unbeteiligt. Sie können etwas gegen den Eintrag tun. Die Zusammenhänge erklärt Frederike Lauruschkus, Gründerin und Partnerin des Berliner Beratungsunternehmens citivity, in einem Gastbeitrag.

Der Spurenstoffdialog geht, die Umsetzung kommt

Auch nach Abschluss des „Spurenstoff-Dialog“ bleibt das Thema Arzneimittelrückstände in Gewässern ein wichtiges Thema. Immer noch gelangen zu viele Stoffe in die Gewässer. Der Verbraucher spielt eine wichtige Rolle. Aufklärung betreibt die Kampagne „Gib der Natur nicht den Rest“. Wie sich angesichts der Veränderungen der Gesellschaft der Arzneimitteleinsatz und die Bedrohung der Gewässer entwickeln könnte, hat im Auftrag des BDEW das Berliner Beratungsunternehmen civity untersucht. Ergebnis ist eine Studie zur Entwicklung des Arzneimittelverbrauchs und die Auswirkungen auf die aquatische Umwelt : “Arzneimittelverbrauch im Spannungsfeld des demografischen Wandels – Die Bedeutung des wachsenden Medikamentenkonsums in Deutschland für die Rohwasserressourcen”. Ihre Ergebnisse sind u. a. in das OECD-Manuskript “Pharmaceutical residues in freshwater: Hazards and policy responses” eingeflossen. Die citivity-Studie prognostiziert einen Anstieg des rezeptpflichtigen Arzneimittelverbrauchs bis 2045 um bis zu 70 Prozent. Elementarer Faktor für diese Entwicklung ist der demografische Wandel: 80- bis 84-Jährige verbrauchen jährlich in etwa die 20-fache Menge Medikamente wie 20- bis 24-Jährige. Ihre Rückstände gelangen fehlgeleitet in die Gewässer und bedrohen Natur und Trinkwasser-Ressourcen.

Bei der Vorsorge müssen alle mitmachen

Die Wasserwirtschaft allein kann diesem Problem nur begrenzt begegnen, wie der BDEW in einem Dossier erklärt. Investitionen in kommunale Abwasseranlagen können nicht alle Spurenstoffe signifikant reduzieren. Eine Beschränkung auf „End-of-Pipe-Maßnahmen“ der Wasserwirtschaft greifen daher zu kurz. Zur Vermeidung der Arzneimitteleinträge ist ein ganzheitlicher Ansatz aller beteiligten Akteure entlang der Verbrauchskette von Medikamenten notwendig. Hierzu zählen Hersteller, Arztpraxen, sowie Politik und nicht zuletzt die Verbraucher selbst.

Während Verbraucher häufig keinen Einfluss auf die Art und Menge der verschriebenen Medikamente haben, so können sie doch einen Beitrag zur Reinhaltung der Ressource Wasser leisten indem sie abgelaufene oder nicht mehr benötigte Medikamente ordnungsgerecht entsorgen.

Eine Zusammenfassung der Studie steht hier zum Download zur Verfügung.

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