Bienen, sauberes Grundwasser und eine nachhaltige Landwirtschaft sind enger miteinander verbunden, als viele Menschen vermuten. Zum heutigen 20. Mai, dem Weltbienentag, lohnt ein Blick darauf, warum der Schutz dieser putzigen Gartenfreunde als Bestäuber nicht nur für die Artenvielfalt und das morgendliche Frühstück mit Honig, sondern auch für die Qualität unserer Wasserressourcen von großer Bedeutung ist. Wer sie aktiv schützen will, kann dies noch mit der europaweiten Petition „Für Gesundheit, Bienen und Bauern“
Ohne Bienen keine intakten Ökosysteme
Rund 80 Prozent der heimischen Wild- und Kulturpflanzen sind zumindest teilweise auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Honigbienen, Wildbienen, Hummeln und andere Bestäuber sichern Erträge in der Landwirtschaft und tragen dazu bei, dass artenreiche Lebensräume erhalten bleiben. Ohne ihre Bestäubung geraten ganze Ökosysteme unter Druck. Die Folgen reichen von geringeren Ernteerträgen bis hin zu einem Verlust an biologischer Vielfalt.
Was hat das mit unserem Trinkwasser zu tun?
Auf den ersten Blick scheinen Bienen und Grundwasser wenig miteinander zu tun zu haben. Tatsächlich bestehen jedoch enge Zusammenhänge. Da wo vielfältige Landschaften mit Blühflächen, Hecken und extensiv bewirtschafteten Flächen erhalten werden, profitieren nicht nur Insekten. Auch die Böden können dann das Wasser besser speichern und damit das Grundwasser anreichern. Auch wird die Erosion reduziert und Schadstoffe gelangen weniger leicht in das Grundwasser.
Anderseits stehen insbesondere chemische Pflanzenschutzmittel seit Jahren im Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen und Kritik. Einige Wirkstoffe werden mit negativen Auswirkungen auf Bestäuberpopulationen in Verbindung gebracht. stören das Orientierungsvermögen und Gedächtnis der Bienen und schwächen ihr Immunsystem. So finden die Tiere nicht mehr zu ihrem Stock zurück und werden anfälliger für Krankheiten, was zum Kollaps des ganzen Bienenvolkes führen können. Zudem können Rückstände über Böden und Gewässer in den Wasserkreislauf gelangen und den Aufwand für die Trinkwasseraufbereitung erhöhen.
Landwirtschaft als Teil der Lösung
Viele Landwirtinnen und Landwirte setzen bereits auf Maßnahmen, die sowohl der Artenvielfalt als auch dem Gewässerschutz zugutekommen. Bei uns in der Soester Börde finde ich immer häufiger Blühstreifen mittlerweile sogar von der Gemeinde auf öffentlichen Flächen angelegt. Auch die Landwirte erhalten die Ackerrandflächen, manche über das gesetzliche Mindestmaß hinaus. Das bezieht auch die Gewässerrandstreifen mit ein. Ökologisch orientierte Landwirte reduzieren den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und kombinieren sie mit vielfältigere Fruchtfolgen. Auch bodenschonende Bewirtschaftungsverfahren erhalten einen höheren Stellenwert. Alles Maßnahmen, die die Widerstandsfähigkeit von Agrarlandschaften gegenüber Trockenheit und Extremwetterereignissen – gegen Herausforderungen stärken, die mit dem Klimawandel weiter zunehmen. Viele davon erhalten auch den Lebensraum der Bienen und schützen die Wasserressourcen.
Europäische Petition fordert mehr Schutz für Bienen und Umwelt
Vor diesem Hintergrund unterstützen zahlreiche Organisationen und Unternehmen die europaweite Petition „Für Gesundheit, Bienen und Bauern“. Die Initiative fordert unter anderem
- einen besseren Schutz vor besonders schädlichen Pestiziden,
- wissenschaftsbasierte Genehmigungsverfahren,
- die Förderung nachhaltiger Anbaumethoden,
- sowie Unterstützung für landwirtschaftliche Betriebe bei der Umstellung auf umweltverträglichere Verfahren.
Bereits die Vorgängerinitiative „Bienen und Bauern retten!“ erreichte europaweit mehr als 1,1 Millionen Unterschriften und zeigte, wie groß das öffentliche Interesse an einem besseren Schutz von Bestäubern und Umweltressourcen ist.

Stadtwerke Karlsruhe rufen zur Teilnahme an Petition auf
Für Wasserversorger ist der Schutz des Grundwassers die nachhaltigste Form der Trinkwassersicherung. Jede Verunreinigung, die gar nicht erst in den Wasserkreislauf gelangt, muss später nicht aufwendig entfernt werden. Deshalb engagieren sich viele Wasserversorger seit Jahren gemeinsam mit Landwirtschaft, Kommunen und Naturschutzorganisationen für den vorbeugenden Grundwasserschutz. Der Erhalt von Bienen und anderen Bestäubern ist dabei weit mehr als ein Naturschutzthema – er ist Teil eines umfassenden Schutzes unserer natürlichen Lebensgrundlagen.
Die Stadtwerke Karlsruhe unterstützen ebenfalls die europaweite Petition „Für Gesundheit, Bienen und Bauern“ und rufen alle dazu auf, mitzumachen. Seit vielen Jahren engagieren sich die Stadtwerke Karlsruhe für den Umweltschutz sowie im Gewässer- und Grundwasserschutz. In ihrem Aufruf, die Petition „Für Gesundheit, Bienen und Bauern“ zu unterstützen, verweisen sie auf den untrennbaren Zusammenhang von Grundwasserschutz, Lebensmittelsicherheit und den Erhalt von Bestäubern. Deshalb setzen sie sich auch dafür ein, dass neue wissenschaftliche Erkenntnisse auch künftig in die Bewertung und Genehmigung chemischer Pestizide einfließen.

Fazit
Der Weltbienentag erinnert daran, dass Artenvielfalt, Landwirtschaft und Wasserqualität keine voneinander getrennten Themen sind. Gesunde Böden, vielfältige Landschaften und der Schutz von Bestäubern tragen dazu bei, dass unsere Ökosysteme überleben und künftige Generationen auch auf sauberes Trinkwasser zurückgreifen können.
Wäre das nicht eine tolle Sache, wenn auch andere Wasserversorger zum Schutz der Bienen aufrufen? Schließlich ersparen ihnen die kleinen summenden Freunde aufwändige Gewässerschutzmaßnahmen und Kosten für die Wasseraufbereitung.
- Trinkwasserschutz mit Europäischer Bürgerinitiative „Bienen und Bauern retten!“, weil GAP in die Sackgasse führt, LebensraumWasser, 20/09/2021
- Anhörung zur Rettung von „Bienen und Bauern“ im Europäischen Parlament. Ist das der Wendepunkt für den Natur- und Gewässerschutz? LebensraumWasser, 21/01/2023



Lieber Siegfried
Du hast den Zusammenhang von Bienen und Trinkwasser wunderbar aufgearbeitet. Herzlichen Dank
Heidi