Mandeln oder Lachs? – Verteilungskämpfe um Wasser in Kalifornien

80 Prozent aller weltweit verkauften Mandeln stammen aus Kalifornien. Die Nachfrage nach Mandeln steigt ungebrannt und könnte den Lachsen in den Flüssen Kaliforniens das Überleben kosten. Die zunehmende Trockenheit und die wachsenden Nachfrage nach Lebensmitteln gefährden den natürlichen Lebensraum in dem trotz Silicon Valley landwirtschaftlich geprägten Staat.

Der Durst der Mandeln bedroht den Lebensraum der Lachse

Mandeln sind extrem durstige Pflanzen. Bis zu 15.000 Liter Wasser braucht ein Kilo Mandeln. Bei Regen kein Problem, um die Pflanzen aber bei anhaltender Trockenheit zu bewässern, wird der Natur das Wasser entnommen. Wasser, das tausende erwachsener Königslachse (Chinook) für ihren Lebensraum im nordkalifornischen Klamath River benötigen. Sie konkurrieren mit den Mandelfarmern. Diese brauchen das Wasser für die Bewässerung ihrer hochpreisigen und so begehrten Früchte. Dank der ihnen zugeteilten Wasserrechte erhalten sie es auch. Die Landwirte pumpen das Wasser aus dem Fluss ab. Damit sinkt dessen Wasserpegel kontinuierlich ab. So entziehen die Mandeln den im Fluss heimischen Königslachsen ihren Lebensraum. Eine weitere Bedrohung verschärft sich, denn in dem Maße wie der Wasserspiegel sinkt, steigt Wassertemperatur. Die Lachse fallen bei Temperaturen von mehr als 21 Grad Celsius Krankheiten zum Opfer, die zumeist tödlich enden. Über 1.000 tote Fische haben die Naturschützer von The Salt nach eigenen Angaben innerhalb weniger Wochen gezählt. 2002 waren zehntausende Fische der Wasserknappheit zum Opfer gefallen.

Wasserbedarf der Landwirtschaft steigt, ebenso deren Exporte

Die Statistiker streiten sich über den Wasserbedarf der kalifornischen Landwirtschaft: zwischen 50 und 80 Prozent sollen es sein. Dabei zählen Mandeln mittlerweile zu den bedeutendsten Agrarprodukten und somit Wasserverbraucher. Da sich innerhalb von weniger als zehn Jahren die Mandel-Produktion auf mittlerweile nahezu eine Million Tonnen verdoppelt hat, wirkt deren Anbau angesichts des Wasserbedarfs wie ein “trockener Schwamm”. Fast 70 Prozent der Mandelernte werden exportiert. Größter Abnehmer ist China. Naturschützer beklagen, dass die Unversehrtheit der Umwelt und die Gerechtigkeit bei der Verteilung des knappen Wassers wegen kommerzieller Interessen der Agrarlobby und letztendlich zugunsten chinesischer Verbraucher auf der Strecke bleibt.

Das Beispiel in Kalifornien zeigt eine Entwicklung auf, die auch in anderen Regionen der Welt befürchtet werden muss. Wegen des Klimawandels wird das Risiko regionaler Wasserknappheit steigen. Dabei werden es nicht immer wehrlose Lachse sich mit der Unterlegenheit abfinden müssen. Dort wo mächtige Interessengruppen aufeinander stoßen, werden auch Konflikte nicht auszuschließen sein. Institutionen, die Wasserrechte qualifiziert und gerecht verteilen, sind in Zukunft wichtiger denn je. Ob diese Voraussetzung in Kalifornien vorhanden ist, darf Dank dieses Beispiels bezweifelt werden.

Weiterführendes / Quellen

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  1. Wie die Kalifornier lernen müssen, mit dem Wassermangel umzugehen | LebensraumWasser
  2. Der Jahresrückblick 2015 | LebensraumWasser

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