Haus & Grund vergleicht Abwassergebühren und fordert niedrigere Wohnkosten 

Abwasserkosten im Städtevergleich: bis zu 650 Euro pro Jahr Unterschied. Die Kosten für die Abwasserentsorgung variieren je nach Stadt um mehrere hundert Euro pro Jahr. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie, die das Institut der deutschen Wirtschaft Köln im Auftrag von Haus & Grund Deutschland erstellt hat. „Wir wollen Transparenz schaffen und zeigen, dass hohe Abwassergebühren kein Naturgesetz sind“, betonte Haus & Grund-Präsident Kai Warnecke bei der Präsentation der Studie in Berlin. Verbraucher, aber auch die kommunalen Verwaltungen und die politisch Verantwortlichen können anhand der vorliegenden Ergebnisse ihre aktuelle Positionierung im Wettbewerb der Städte um attraktive Standortbedingungen besser einschätzen. 

Von den 20 günstigsten Abwasserentsorgern kommen zwölf aus Bayern oder Baden-Württemberg. Mit Ludwigsburg, Heidelberg und Freiburg liegen die drei günstigsten Städte im Abwasserranking alle in Baden- Württemberg. Mit den Ausnahmen Bremerhaven und Saarbrücken liegen die 20 teuersten Abwassersysteme dagegen ausschließlich in ostdeutschen und nordrhein-westfälischen Städten.


Ludwigsburg erhält „Sieger“-Urkunde 

Das Ergebnis ist für Ludwigsburg derart erfreulich, dass der Oberbürgermeister Werner Spec laut Stuttgarter Zeitung eigens zu einer Pressekonferenz mit dem Haus-und-Grund-Präsidenten Kai Warnecke einlud. Dafür gab es nicht nur eine „Sieger“-Urkunde, sondern auch jede Menge warmer Worte: „Ludwigsburg ist damit die Benchmark für alle Städte mit vergleichbarer Größe in Deutschland“, sagte Warnecke. Positiv hervorgehoben wurde auch, dass die Gebührensatzung in Ludwigsburg besonders transparent sei, und das sei keine Selbstverständlichkeit. Die Gebührenordnungen der Kommunen seien uneinheitlich, kaum vergleichbar und mit zahlreichen Ausnahmeregelungen versehen, erklärt Haus & Grund. Das gehe soweit, dass in Potsdam etwa die Kosten für das jährliche Stadtfest über die Abwassergebühr subventioniert würden.

Nicht nur die Quersubventionierungen wie in Potsdam, sind ausschlaggebend für das Ranking, sondern auch die unterstellten Verbrauchsfälle und Wohngegebenheiten. Wie auch bei Wasserpreisvergleichen, müssen auch hier Haushalte simuliert werden, um auf halbwegs vergleichbare Werte zu kommen. Daher sind die Ergebnisse ein wenig verzerrt. Aber das ändert natürlich nichts an der Erklärungsbedürftigkeit einer derartigen Spreizung. Natürlich stecken gerade in Ostdeutschland noch die hohen Investitionen nach der Wiedervereinigung in den Gebühren, hinzu kommt der geringer werdende Trinkwasser-Verbrauch, der sich bei Gebühren, die sich überwiegend an der genutzten Trinkwassermenge orientieren, natürlich in der letztendlichen Belastung der Haushalte niederschlagen muss. Hier wird ebenfalls ein Umdenken notwendig werden. Infrastrukturkosten dürfen nicht ausschließlich mit einer variablen Gebühr weiterberechnet werden. Es gibt also nicht nur viel zu diskutieren, sondern auch viel zu tun – nicht nur bei den 100 Kommunen im Haus&Grund-Vergleich. 

  • Hier geht es zur Abwassergebühren-Studie 
  • Hier die „Sieger“-Satzung aus Ludwigsburg 

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