Wasserzähler-Wechsel können wegen Corona aufgeschoben werden

Alle sechs Jahre müssen die Wasserzähler gewechselt werden. So will es das deutsche Eichrecht. Corona wird auch hier Bremsspuren hinterlassen. Denn um Zählerwechslern und Wasserkunden einen persönlichen Kontakt zu ersparen, haben die Eichbehörden die Pflichten gelockert. Regulär müssen alle sechs Jahre die deutschen Wasserzähler gewechselt werden, wegen des Coronavirus müssen sie womöglich länger arbeiten.

Eichbehörden haben Pflicht zum Zählerwechsel bis Mitte 2021 ausgesetzt

In der Arbeitsgemeinschaft Mess- und Eichwesen haben sich die deutschen Eichbehörden, so etwas wie die „Wächter der korrekten Messung“, auf bundesweit einheitliche Regelungen zur Anpassung der turnusmäßigen Zählerwechseln in der Corona-Krise verständigt.

„Um den Versorgungs- und Abrechnungsunternehmen genügend Planungs- und Rechtssicherheit beim Austausch der Zähler mit Eichfristende 2020 bzw. für die Verwendung hiermit ermittelter Messwerte zu verschaffen, wird der Vollzug des Eichrechts (bußgeldrechtliche und ordnungsrechtliche Maßnahmen) bezüglich einer Überschreitung der Eichfrist bis zum 30. Juni 2021 ausgesetzt.“ Danach kann es aber dann trubelig werden, denn nachgeholt werden müssen die Austauschmaßnahmen grundsätzlich schon. Gesetzlich gilt, dass Zähler bis zum Ablauf des Jahres, in dem ihre Eichfrist abläuft, entweder gewechselt oder per „Stichprobenverfahren“ verlängert werden müssen. Betroffen davon ist also auch das Stichprobenverfahren zur Verlängerung der Eichfrist von Versorgungsmessgeräten.

Dieser neue Zähler hat noch fünf Jahre Laufzeit vor sich… (Foto: Gendries)
Dieser neue Zähler hat noch fünf Jahre Laufzeit vor sich. (Foto: Gendries)

Zuverlässige Stichproben ermöglichen auch zu Nicht-Krisenzeiten Verschiebungen der Zählerwechsel

Wer sich nun als Wasserzähler-Eichunkundiger – das dürfte die Mehrheit der Leser sein – fragt, was es mit dem „Stichprobenverfahren“ auf sich hat, dem erspart folgende Erklärung das Suchen: Bei Kaltwasser-Zählern kann laut Eichordnung die Gültigkeitsdauer der Eichung um jeweils drei Jahre verlängert werden, wenn die Messrichtigkeit der Zähler vor Ablauf der Gültigkeitsdauer durch eine Stichprobenprüfung nachgewiesen worden ist (siehe Weiterführendes). Dazu werden Zähler aus den Lieferchargen stichprobenartig auf die Messgenauigkeit hin untersucht. Halten sich die Abweichungen in engen Grenzen, dann kann der Zählerwechsel aufgeschoben werden. Somit wäre auch das geklärt.

Personal wird dringend gebraucht

Egal ob turnusmäßiger Wechsel oder Stichprobenverfahren, von den Wasserversorgern vernimmt man Aufatmen, schließlich werden die Fachkräfte für die Aufrechterhaltung der Wasserversorgung dringend benötigt – und zwar gesund und munter. Deshalb ist es eine kluge Entscheidung, die Prozesse anzupassen und die Wechsel auszusetzen.

Aus der Praxis ist zu erfahren, dass die Messgenauigkeit bei den modernen Zählertypen wie den Ultraschallzählern höher ist, als bei den früher üblichen mechanischen Wasserzählern der Fall war. Insoweit werden erfolgreiche Stichprobenverfahren und Verlängerungen der Wechselturni auch in Zukunft vermehrt stattfinden.

Quellen/Weiterführendes

2 Kommentare

  1. Guten Tag Herr Gendries, zunächst vielen Dank für Ihre informativen Ausführungen zum Thema „Wasserzähler-Wechsel können wegen Corona aufgeschoben werden“.
    Ich habe diesen Artikel, obwohl mir nicht ganz unbekannt, mit Interesse gelesen. Eine kleine Anmerkung hätte ich dazu: Der Link zu „Verfahren zur Stichprobenprüfung von Kaltwasserzählern“ verweist auf eine veraltete Version. Die neue Verwaltungsvorschrift gesetzliches Messwesen ist vom 20.03.2018 Verfahrensanweisung für Stichprobenverfahren zur Verlängerung der Eichfrist.

    Ich freue mich bereits auf neue interessante Themen rund ums Wasser.

    Mit freundlichen Grüßen
    J. Piepkorn
    (stellv. Prüfstellenleiter)

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