Russische Truppen erobern „Nord-Krim-Kanal“

Nach der Annexion der Krim im Jahr 2014 hatte die Ukraine die Wasserversorgung der Halbinsel, die zu 86% über den ukrainischen „Nord-Krim-Kanal“ erfolgte, einer Kanalverbindung vom Dnjpr-Fluss, eingestellt. Über die Zusammenhänge und die Folgen hatte ich in einem Blogbeitrag im Februar 2021 berichtet (siehe: Wasserkrise auf der Krim – Droht ein neuer Konflikt zwischen Russland und der Ukraine?). Wie nun die als unabhängig geltende Moscow Times berichtet, haben russische Truppen den „Nord-Krim-Kanal“ erobert und den in der Kherson Region von der Ukraine aus Beton errichteten Blockadedamm in dem Kanal gesprengt. Dies erklärte laut Nachrichtenagentur Reuters auch der Gouverneur der Krim, Sergei Aksyonov, am vergangenen Samstag.

Schon zu Sowjet-Zeiten konnte sich die Krim auf Wasserlieferungen vom ukrainischen Festland verlassen. So wurden seit den 60er Jahren mehr als eine Milliarde Kubikmeter Wasser jährlich durch den offenen „Nord-Krim-Kanal“ gepumpt. Dieser Kanal führte das Wasser aus dem Dnepr, einem 2.200 Kilometer langem Strom der von Russland über Belarus in die Ukraine fließt, in den Norden der Krim. Wie berichtet wurde, war es in den vergangenen Jahren zu extremer Wasserknappheit auf der Krim gekommen. Dies war nicht nur der Einstellung der Versorgung über den Kanal, sondern auch einem gravierenden Wasser-Missmanagment auf der Insel sowie einem starken Zuwachs an Menschen geschuldet. Schließlich gab es geraden in den Sommermonaten einen starken Zustrom an Touristen auf der Krim und Russland stationierte seine Marine am Schwarzmeerhafen Sewastopol, die Berichten zufolge große Wassermengen beanspruchten.

Die ukrainische Regierung rechtfertigte damals den Stopp der Belieferung durch den „Nord-Krim-Kanal“ ukrainischen Presseberichten zufolge mit finanziellen und völkerrechtlichen Gründen. Eine Fortsetzung der Belieferung durch die Ukraine käme einer Anerkennung des Status Quo auf der Krim gleich, zitieren die Medien die Haltung der Regierung. Zudem soll die Krim-Regierung die fälligen Rechnungen für geliefertes Wasser nicht beglichen haben.

Nachdem russische Truppen den Kanal annektiert und den Damm gesprengt haben, dürfte die Versorgung der Krim wieder mit Wasser aus dem Dnjpr-Fluss erfolgen. Alle zwischenzeitlich – wenn auch ehedem nur halbherzig – eingeleiteten Wassermanagement-Projekte auf der Krim dürften damit wieder eingestellt werden. Von all den Folgen, die dieser barbarische Angriffskrieg zur Folge haben wird, dürfte dies sicher eine vernachlässigbare Konsequenz sein.

Am 11. Februar 2021 hatte das Europäische Parlament sich in seiner Entschließung zur Umsetzung des Assoziierungsabkommens zwischen der EU und der Ukraine zu dem Wasser-Notstand auf der Krim geäußert. Die Parlamentarier in Brüssel schlossen sich der Sichtweise der Ukraine an und forderten Russland zum Handeln auf. Demnach „weist (das Europäische Parlament) darauf hin, dass gemäß dem humanitären Völkerrecht inzwischen die Russische Föderation – als Besatzungsmacht – umfassend dafür verantwortlich ist, den Bedürfnissen der Bevölkerung der vorübergehend besetzten Halbinsel Krim, einschließlich ihrer Wasserversorgung, gerecht zu werden; (…)“. – Russland hat gehandelt….

Stand der Ereignisse am 4.3.2022 (Q: Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg) 
mit Ergänzung Gendries

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