Plastikinseln im Fluss sind ein sichtbares Warnsignal. Doch was an der Oberfläche treibt, ist nur die Spitze des Eisberges. Flüsse sind Lebensräume, aber zugleich auch Transportwege. Nicht nur für Schiffe, auch für Plastik. Die Hinterlassenschaften unseres schnelllebigen Konsums lagern sich über Jahre und Jahrzehnte in den Fließgewässern ab oder erreichen irgendwann einen Ozean. Am Sonntag ist der „Tag der Flüsse“. Deshalb dachte ich mir, das wäre ein guter Zeitpunkt für einen lösungsorientierten Artikel zu dem Thema. In 8 Rubriken habe ich eine Vielzahl von Lösungen dargestellt. Einige sind technischer Natur, andere stützen sich auf zivilgesellschaftliches Engagement und die wichtigste Gruppe stellt das Verhalten von Konsumenten und Industrie in den Mittelpunkt.
Als Paddler kann ich auf den Flüssen nicht nur die Natur genießen. Häufig begegne ich auf dem Wasser treibende Flaschen oder Becher, zumeist Überreste feuchtfröhlicher Partys. Im Frühjahr sind es die Ansammlungen von Plastikabfällen, die sich bei Hochwasser in überhängenden Ästen verfangen haben. Die Abfälle könnte ich den Jahreszeiten zuordnen: im Frühjahr die Plastikinseln, im Sommer die Flaschen. Es ist wie ein Kreislauf. Aber nur weniges ist sichtbar. Unsichtbares Plastik verschwindet nicht, es ändern nur seine Größe. Vom Gebrauchsgegenstand zum Mikroplastik, vom Mikroplastik zu Nanoplastikpartikel.
Flaschen, Verpackungen, Folien und andere Kunststoffteile treiben mit der Strömung davon. Man kann das Problem sehen. Genau darin liegt aber auch eine Gefahr: Wir könnten glauben, dass das Problem vor allem darin besteht, diesen Müll wieder herauszufischen. Das wird nicht gelingen. Zu schwierig, zu teuer und häufig zu spät. Die Lösung heißt daher Vermeidung.

Wie groß ist das Problem?
Die OECD kommt in der Studie „Policy Scenarios for Eliminating Plastic Pollution by 2040“ auf 152 Mio. Tonnen Makroplastik die im Jahr 2020 in die Flüsse und Ozeane gelangt sind. In einem Szenario schätzt sie für das Jahr 2040 einen Anstieg auf 226 Mio. Tonnen. Die globale Dimension erscheint unvorstellbar groß.
Plastik gelangt auf vielen Wegen in die Gewässer. Zumeist sind es Produkte des täglichen Lebens. Das Earth Watch Institute deren ihre Anteile erhoben. Statista hat daraus eine unrühmliche „TOP 10“-Liste erstellt. An der „Spitze“ liegen die zumeist achtlos weggeworfenen Plastikflaschen mit 14 Prozent. Gefolgt von Lebensmittelverpackungen mit 12 Prozent. Die Zigarettenkippen (9 Prozent) sind nicht nur ein Plastikproblem, sie enthalten auch Schwermetalle. Solange das achtlose Wegschnippen von Kippen auf die Straße gesellschaftlich akzeptiert ist – und das in einem Maße, wie es bei anderen Abfällen undenkbar wäre -, dürfte sich an ihrem Aufkommen nichts ändern. Anders die Einwegverpackungen. Nachdem die EU für einige von ihnen Verbote ausgesprochen hat, dürften beispielsweise die Trinkstohhalme oder demnächst auch Plastiktüten der Vergangenheit angehören.

Vom sichtbaren Müll zum Mikroplastik
Die Plastikabfälle gelangen aber nicht nur direkt in die Gewässer, DSD-Plastik wird durch den Wind in die Gewässer geweht, wenn Sammeltüten zerrissen werden und ihre Inhalte sich verteilen. Regen schwemmt kleinere Kunststoffpartikel wie die Überreste aus Reifenabrieb über Straßengräben in die Flüsse finden. An eine Rückholung aus dem Wasser ist dabei nicht mehr zu denken.
Aber auch großvolumige Abfälle bleiben nicht in ihrer ursprünglichen Form erhalten. Sonneneinstrahlung, Sauerstoff und die Bewegung des Wassers zerkleinern den Kunststoff über lange Zeit. Am Ende sind es die Mikroorganismen, die aus Mikroplastik die nächste Dimension, das Nanoplastik machen. Für das menschliche Auge nicht zu erkennen, aber immer noch vorhanden. Die nachfolgende Abbildung des WWF zeigt anschaulich wie diese Prozesse vom Makro- über Mikro- zum Nanoplastik ablaufen. Aus dem sichtbaren Müll werden immer kleinere Partikel: die Mikropartikel begleiten uns Jahrhunderte.
Damit verändert sich auch das Problem: Eine Plastikflasche kann man mit einem Greifer oder einer Sammelaktion entfernen. Mikroplastik, das sich bereits im Sediment verteilt hat, lässt sich dagegen kaum noch zurückholen.

Nicht nur die großen Flüsse sind wichtig
Lange konzentrierte sich die Diskussion auf einige wenige große Flüsse die besonders viel Plastik ins Meer transportieren. Die Elbe, hat The Ocean Cleanup berechnet, soll mit 42.000 Kilogramm im Jahr die meisten Kunststoffmengen in die Nordsee spülen. Auch die kleinen Flüsse spielen eine wichtige Rolle – insbesondere solche, die durch dicht besiedelte Städte führen. Denn die kleinen Fließgewässer und Nebenflüsse sind die Vorlieferanten von Elbe & Co..
Mit den kleineren Fließgewässern sind lokale Lösungen für zivilgesellschaftliche Gruppen in Reichweite. Es eröffnet bei der Vermeidung und der Beseitigung der Kunststoffabfälle einen Raum für zivilgesellschaftliche Gruppen und für Einzelne, sich für die Flüsse einzusetzen. Einen Bach vom Plastik zu befreien oder einen langsam fließenden Fluss, ist einfacher und ungefährlicher als den Rhein oder die Weser.
Was können wir die Gewässer vor Plastikeinträgen schützen?
Die gute Nachricht: Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, den Plastikeintrag aus den Flüssen zu mindern. Die entscheidende Frage lautet allerdings: Wo sollen wir ansetzen?
1. Plastik gar nicht erst entstehen lassen
Die wirksamste Maßnahme liegt am Anfang der Kette. Weniger unnötige Einwegprodukte, langlebigere Produkte, Mehrwegsysteme und weniger Verpackung können verhindern, dass Plastik überhaupt zum Abfall wird. Das kennen wir alle, einige beherzigen es mehr, andere weniger. Weil es nicht zu helfen scheint, brauchen wir Verbote.
Bereits seit 2021 sind Wattestäbchen, Besteck, Teller und Rührstäbchen aus Plastik verboten. Ab 2030 greifen weitere Verbote für Kunststoffabfälle der EU wie das Verbot von Plastiknetzen für Obst und Gemüse u.a.
Reifenabrieb von Straßen sind eine besondere Spezies der Mikropartikel. Mit jährlich bis zu 20.000 Tonnen Eintrag in Oberflächengewässer sind sie eine der größten Quellen. 120 Gramm Reifenabrieb „verliert“ ein durchschnittlicher PKW auf 1.000 Kilometer Fahrtstrecke. Je schwerer das Fahrzeug, umso höher der Verlust. Die schweren Batterien in E-Fahrzeugen verstärken das Problem. Entscheidend aber sind die Reifen.
Um den Reifenabrieb und dessen Eintrag in die Umwelt und damit die Gewässer zu reduzieren, wird verstärkt an regulatorischen und technischen Maßnahmen gearbeitet. Neue Regeln wird die EU-Norm Euro 7 für Kraftfahrzeuge bringen, diese wird auch Reifen einbeziehen. Beim nächsten Neuwagen gelten dann auch neue Vorgaben für den Reifenabrieb. Allerdings werden wir auf konkrete Grenzwerte noch etwas warten müssen, denn in der Euro-7-Verordnung steht zwar eine Tabelle mit der Überschrift „Euro-7-Grenzwerte für den Reifenabrieb“, die Werte aber fehlen noch. Das Prüfverfahren, schreibt der ADAC, soll in einer neuen UN-Regelung festgelegt werden. Die Grenzwerte sind dann noch festzuschreiben. Es könnte also noch etwas dauern.
Wer sich für Details zu dem Thema „Euro-7 und Reifenabrieb“ interessiert, wird hier fündig.

VERORDNUNG (EU) 2024/1257 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES
2. Abfall an Land sammeln
Wo Plastik verwendet wird, muss verhindert werden, dass es in die Umwelt gelangt. Die Gelben Säcke oder Tonnen mit den Plastikabfällen aus den Haushalten prägen alle ein oder zwei Wochen das Bild in den Wohngebieten. Bei uns auf dem Lande freuen sich die Krähen und andere Tiere über die Inhalte DSD-Säcke. Aber das Problem sind die achtlos weggeworfenen Zigarettenkippen, das Döner-Papier, das nach dem Verzehr den unwiderstehlichen Kräften der Schwerkraft folgt.
Aber auch Mineralwasserflaschen oder Dosen landen trotz Pfand in den Graben und werden beim nächsten Starkregen weggespült. Vermutlich mangelt es an dem nötigen Bewusstsein, welche Folgen dies haben kann. In rund 100 Städten soll es Pfandsammelringe an Abfallbehältern geben, so geht wenigstens das Pfandgeld nicht verloren.

3. Eintrag durch Regenwasser verringern
Ein Teil des Plastikproblems beginnt nicht am Flussufer, sondern auf Straßen. Reifenabrieb, Kunststofffasern und weggeworfene Verpackungen können von den Straßen, Wegen, Wiesen und Feldern in die Gewässer gelangen.
Damit wird auch die Siedlungswasserwirtschaft Teil der Lösung: Regenwasser muss stärker als möglicher Transportweg für Kunststoff betrachtet werden. Eine wichtige Rolle haben dabei Regenklärbecken. Bisher waren diese ausschließlich für die Rückhaltung und Klärung des Regens, nicht aber von Abfällen konzipiert worden.
Aber weil sich Vorschriften für die Regenwasserbehandlung geändert haben, müssen bestehende Regenklärbecken überprüft und nachgerüstet werden. Forschungsvorhaben wie „NaReFil – Nachrüstung von Regenklärbecken mit Filtereinheiten zur Optimierung des Stoffrückhalts“ der FH Münster beschäftigen sich mit der Frage, wie Regenklärbecken mit Filtern optimiert werden können, um noch mehr Stoffe zurückzuhalten und somit den Gewässerschutz zu verbessern.
4. Abwasserbehandlung verbessern
Die Kläranlagen müssen in den nächsten Jahren modernisiert und mit der 4. Reinigungsstufe nachgerüstet werden, so will es die Kommunalabwasserrichtlinie der EU. Damit sollen neben Arzneimittelrückständen und Kosmetika auch Mikroplastikpartikel aus dem Abwasser entfernt werden. Allerdings sind zunächst nur großstädtische Kläranlagen oder mittelgroße in Risikogebieten von der Pflicht zur Nachrüstung betroffen. Dies wäre ein erster Schritte, den Zustrom von Mikroplastik aus Haushalten und Gewerbebetriebe deutlich reduzieren.
Kläranlagen sind keine vollständige Lösung. Denn selbst wenn sie sehr effektiv arbeiten, bleibt die Frage: Was passiert mit dem Kunststoff, der bereits vorher in die Umwelt gelangt ist? Die Vermeidung an der Quelle muss Vorrang haben.
Das Team vom StartUp Wasser 3.0, einer gemeinnützigen GmbH aus Karlsruhe, sind die Mikroplastikspezialisten. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, Mikroplastik aus Wasser und Abwasser entfernen. Dabei geht es auch ohne Filter. Statt Partikel durch immer feinere Membranen zu pressen, werden sie zu abtrennbaren Verbünden verklumpt und mechanisch abgeschöpft. Das Verfahren eignet sich für eine Vielzahl von Anwendungsfällen und setzt nicht erst in die Gewässern oder Kläranlagen, sondern kann schon in den Industrieanlagen eingesetzt werden. Damit werden die Wege und die Lebensdauer der Mirkoplastikströme verkürzt und ihre Diffusion in den Lebensraum Wasser deutlich reduziert. Das zeigen auch die Ergebnisse: „In vier publizierten Pilotanlagen lag die Entfernung zwischen 86 % und 99,1 %, je nach Wassermatrix“, erklärt Wasser 3.0.
5. Plastik mit aus den Gewässern entfernen
Glücklicherweise aus Sicht der Flüsse und Seen gibt es freiwillige Sammler. Naturliebhaber oder Wassersportler, die bei ihren Ausflügen auf oder an dem Wasser die Hinterlassenschaften sammeln. Auf manchen Flüssen sind „Gewässerretter“ unterwegs, die das Plastik sammeln. Die Aktion Gewässerretter ist eine Kooperation des NABU mit dem Deutschen Kanu-Verband (DKV), Deutschen Segler-Verband (DSV), Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) sowie Deutschen Ruderverband (DRV).
Als Plastic Pirates erforschen Schulklassen und Jugendgruppen seit 2016 europaweit die Plastikverschmutzung an unseren Flüssen. Müll schon an den Ufern von Flüssen und in Gewässernähe zu „kapern“ ist seit dem Jahr 2020 die europaweite Aufgabe der von der EU geförderten Initiative. Durch die Erfassung von Plastikmüll und den Upload von Daten zum untersuchten Müllvorkommen sollen Schulen und Jugendgruppen helfen, die gewässernahe Umweltverschmutzung zu erforschen. Seit dem 1. September bis zum 30. November 2026 findet ein bundesweiter Aktionszeitraum für Probennahmen an allen Flüssen, Bächen, Küsten und Inseln statt. Gruppen aus allen Regionen Deutschlands können sich beteiligen. Eine gute Idee mit wichtigem didaktischen Inhalt. Bedauerlicherweise zeigt die interaktive Karte der Projektes, dass die Anfangseuphorie nachgelassen zu haben scheint.

6. Technische Unterstützung bei der Entfernung der Plastikabfälle aus den Gewässern
Wo Plastik bereits im Fluss schwimmt, können Barrieren oder Auffangsysteme eingesetzt werden. Solche Systeme können sinnvoll sein, um besonders belastete Bereiche zu schützen und zu verhindern, dass Müll weiter flussabwärts oder in das Meer gelangt. Allerdings sind sie eine letzte Verteidigungslinie – keine Lösung des Problems. Denn viele Plastikabfälle werden an der Mündung des Flusses schon auf Größe von Mikropartikeln reduziert worden sein. Diese werden sich wegen ihrer Größe den Fangrechen entziehen.
So will beispielsweise The Ocean Cleanup die Hälfte des Plastikmülls aus dem Müllstrudel der Ozeane und Flüsse herausfischen. Interceptor 005 ist ein autonomes, solarbetriebenes Müllsammelschiff, das auf dem Fluss Klang in Malaysia eingesetzt wird, um Plastikmüll aus dem Fluss zu entfernen, bevor dieser den Ozean erreicht.

7. Aufklärungsarbeit in der Gesellschaft intensivieren und Handlungsbereitschaft anstoßen
„Die Bereitschaft zum Handeln steigt mit dem Maß der Betroffenheit“. Mit diesem Leitspruch umweltpolitischer Akteure konnte schon vieles bewegt werden. In diese Richtung weist eine Studie zur öffentlichen Betroffenheit und Handlungsbereitschaft bei Mikroplastik im Auftrag des Bundesinstituts für Risikoforschung (BfR) der European Food Safety Authority (EFSA). Die Befragung von EU-Bürgern legt offen, wie besorgt die europäische Öffentlichkeit über die Auswirkungen von Mikroplastik auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit ist, wenn sie Anstöße beispielsweise in den Medien bekommt. Die meisten Befragten räumten ein, erst nach äußeren Anstößen oder nur gelegentlich an Mikroplastik zu denken. Sorgen um die eigene Gesundheit und Betroffenheit stärken jedoch ihre Bereitschaft, Maßnahmen zur Verringerung der eigenen Betroffenheit zu ergreifen.
Zwar hatten in Deutschland über 90 Prozent der Befragten schon einmal von Mikroplastik gehört, bei den Fragen zu den Risiken wurden aber gravierende Wissenslücken sichtbar, die sich zudem je nach Bildungsstand und Alter stark unterschieden. Daher empfiehlt die lesenswerte Studie, mit der Kommunikation zu Mikroplastik das Bewusstsein zu stärken und gleichzeitig auch die Besorgnis zu wecken, um das Verhalten der Bevölkerung zielgerichtet zu lenken.
Auch hier ist die oben erwähnte Wasser 3.0 aktiv. Mit dem WASoMI-Bildungsprogramm (Wasser ohne Mikroplastik) werden Schüler:innen zu aktiven Umweltforscher:innen. Sie sammeln Wasserproben aus lokalen Gewässern, analysieren diese mit wissenschaftlichen Methoden und speisen ihre Ergebnisse in die Global Map of Microplastics ein – eine Datenbank, die offizieller Bestandteil der EU-Missionscharta zur Wiederherstellung unserer Ozeane und Gewässer bis 2030 ist.
8. Gesetzliche Maßnahmen
Wenn nichts hilft oder zu wenig erreicht wird, müssen die Gesetzgeber ran. Ziel der EU bei Mikroplastik ist, die Freisetzung in die Umwelt bis 2030 um 30 Prozent zu reduzieren – allerdings zeigen die bisherigen Daten, dass die EU bei diesem Ziel noch nicht auf Kurs ist. Die EU verfolgt vor allem einen Quellen- und Vermeidungsansatz: Seit 2023 beschränkt sie absichtlich zugesetztes Mikroplastik in Produkten, und seit 2025 gelten strenge Vorgaben, um den Verlust von Kunststoffgranulat bereits bei Produktion und Transport zu verhindern.
Wie oben beschrieben, sollen mit der neuen Kommunalabwasserrichtlinie zudem Abwasser und Mischwasserüberläufe stärker überwacht und die Abwasserbehandlung weiter ausgebaut werden, sodass auch Mikroplastik weniger in Flüsse gelangen soll.
Die EU setzt außerdem auf Maßnahmen gegen diffuse Quellen wie Reifenabrieb, Kunststoffabfälle und Einträge über Niederschlagswasser sowie auf bessere Abfall- und Regenwasserbewirtschaftung.
Die Nationale Wasserstrategie hat mit der „Aktion 63 – Grundlagen für eine stärkere Reduktion von landseitigen Einträgen in die Meeresgewässer schaffen“ eine kurzfristig umzusetzende Maßnahme beschlossen, die auch auf die Reduzierung des Mikroplastikeintrags zum Schutz der Oberflächengewässer abzielt. Allerdings ist mein aktueller Kenntnisstand der, dass auch das Bundesumweltministerium noch beim Sammeln ist. So sollen zunächst Daten erhoben werden, mit denen Orientierungswerte festgelegt werden können. Die Erkenntnisse sollen später in eine Novellierung der Oberflächengewässerverordnung einfließen.
Vom Plastikfang zur Plastikprävention
Der Artikel ist jetzt doch etwas länger geworden. Aber das Thema ist ja auch vielschichtig. Ich habe dabei viel gelernt, und dennoch viele Bereich nur kurz beleuchten können.
Mein Fazit: Das Ziel sollte nicht sein, immer bessere Maschinen zum Herausfischen von Plastik aus Flüssen zu entwickeln. Damit würden wir der aquatischen Umwelt keinen Gefallen tun. Viel zu große Mengen Mikropartikel landen nicht in den Nachreinigungsprozessen und reichern sich vorher schon in Tieren und Pflanzen an.
Unser Ziel sollte es sein, die Produktionsprozesse und den Konsum nachhaltig zu gestalten. Dafür braucht es eine Kombination aus Vermeidung, Mehrweg, besserem Produktdesign, funktionierender Abfallwirtschaft, Kontrolle der Eintragspfade, Regenwassermanagement, Abwasserbehandlung und – wo nötig – höchsteffiziente Reinigung der Gewässer.
Wir Konsumenten sollten uns der Verantwortung für die Flüsse, aber auch unserer eigenen Bedrohung bewusst sein. Denn die gesundheitlichen Folgen sind unabwendbar. Jeder Kunststoffgegenstand, der gar nicht erst in den Bach gelangt, muss später nicht aus dem Fluss gefischt werden.
Quellen und Weiterführendes
- Policy Scenarios for Eliminating Plastic Pollution by 2040, OECD, 2024
- Die Top 10 Plastikmüll-Arten in Binnengewässern, Statista
- Mikroplastik in der Umwelt – Hintergrundpapier, WWF
- Einwegkunststoffrichtlinie – Richtlinie (EU) 2019/904 des Europäischen Parlaments über die Verringerung der Auswirkungen bestimmter Kunststoffprodukte auf die Umwelt
- Is the public really concerned about microplastics? The importance of measuring everyday relevance and behavioral intentions as well as stated concern, Journal of Environmental Psychology, 2026
- Beiträge auf LebensraumWasser
- Plastik-Belastungen in Flüssen deutlich unterschätzt. Sinken sie, wenn Hersteller künftig zahlen müssen?, 2022
- Mikroplastik auf deutschen Straßen. Was die Kanalisation beim Reifenabrieb leisten muss. 2021
- „Mikroplastik“ im StartUp-Wettbewerb – Online-Abstimmung läuft: jetzt mitmachen!, 2020
- Was in Hamburg gegen Mikroplastik auf der Straße getan wird, 2019
Titelfoto: Strandgut mit Plastik an der Algarve (c) Siegfried Gendries



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