Müssen wir uns an Niedrigwasser in deutschen Flüssen gewöhnen?

Fast ein halbes Jahr führten Oder, Elbe, Saale und Spree im vergangenen Jahr 2019 Niedrigwasser. Das ergab die Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Anfrage der parlamentarischen Geschäftsführerin und naturschutzpolitischen Sprecherin der Grünen im Bundestag, Steffi Lemke, zu den Niedrigwassertagen der 14 größten deutschen Flüssen.

Vor allem die Flüsse im Osten Deutschlands waren vom Niedrigwasser betroffen. So war es auch im Vorjahr. Schon 2018 hatte Lemke nachgefragt. Da herrschte laut Antwort des Bundesumweltministeriums noch in neun der abgefragten 15 größten deutschen Flüsse an mehr als 100 Tagen extremes Niedrigwasser. Ein Jahr später waren es mit 5 von 14 zwar weniger, die Situation nun deshalb als entspannt zu bezeichnen, verbietet sich angesichts der Dimensionen und sich abzeichnenden Entwicklungen in 2020.

Natürliche Regulierung zwischen Seen, Flüssen und Grundwasser gerät ins Stocken

Ihr Wasser erhalten die Flüsse von korrespondierenden Seen oder auch Talsperren. Bei letzteren wird das Niedrigwasser künstlich reguliert. Bei Seen erfolgt der Ausgleich natürlich. Bleiben die Regenfälle oder Schneeschmelzen aus, fehlt der Zufluss. Je nachdem wie hoch die Grundwasserspiegel sind, können diese die Flüsse anreichern. Diese sinken aber wegen der mehrjährigen Trockenheit selber kontinuierlich ab, so dass ihre Ausgleichsfunktion ausbleibt. Dort wo die Flüsse Niedrigwasser führen, fallen sie in als Grundwasser-Lieferant aus. So sinken die Wasserreservoire im Untergrund und die Wasserknappheit bahnt sich ihren Weg. Niedrigwasser kann sich auf die Wassernutzung auswirken. Es kann massive Auswirkungen auf Betriebe, die Wasser zum Beispiel zur Kühlung entnehmen, oder die Schifffahrt haben. Weiterhin wirkt sich die erhebliche Erwärmung des Wassers negativ auf den Sauerstoffhaushalt des Flusses aus. Das beeinträchtigt die Fauna und Flora. Die Artenvielfalt ist so bedroht. Aufgrund geringerer Verdünnung kann es auch zu erhöhten Schadstoffkonzentrationen kommen, auch das hat Folgen für die Natur. Bei den Wasserwerken steigt der Aufbereitungsaufwand und für die Verbraucher die Wasserpreise. Wir sind letztendlich an mehreren Stellen betroffen.

Niedrigwasser am Möhnesee 2018 (Foto Gendries)

Wasser muss als Allgemeingut geschützt werden

Zur Antwort „Niedrigwasser in Deutschlands größten Flüssen“ erklärt Steffi Lemke:„Wasser ist Allgemeingut – möglicherweise das Wichtigste. Doch steht das dritte Dürrejahr in Folge an – mit massiven Folgen für Landwirtschaft und Natur, Lebensmittelversorgung und Waldbrandgefahr. Auch die Neubildung von Grundwasser und wichtige Trinkwasserspeicher sind durch die Dürre betroffen. Wir müssen dieses Allgemeingut sichern und bewahren, dafür hat das Halten des Wassers in der Landschaft Priorität. 2019 führten viele Flüsse Deutschlands aufgrund der lang anhaltenden Dürre monatelang extremes Niedrigwasser, das zeigt meine Anfrage. Die Klimakrise wird diese Extreme weiter verstärken. Die Bundesregierung muss im Kampf gegen die Klimakrise endlich liefern. Es braucht mehr Raum für Flüsse und Bäche, besseren Schutz von Auen und Mooren, die Überprüfung von Infrastruktur zur Entwässerung und Investitionen in sauberes Wasser mit Gewässerrandstreifen und weniger Pestizid- und Düngereinsatz.“

Niedrigwassermanagement wird immer wichtiger

Die Entwicklung nimmt an Brisanz zu. Ich habe in den vergangenen Wochen einige Flüsse bereist. Ende Mai konnte ich feststellen, dass die Spree fast zu einem stehenden Gewässer geworden ist, ein „See im Format eines Flusses“. Die niederrheinische Niers ist für ihre geringe Fließgeschwindigkeit bekannt. Auch hier kaum Bewegung. Die ausgebliebene Regenfälle im Frühjahr haben viele Regionen und Flüsse betroffen. Das Niedrigwassermanagement wird eine der zentralen Aufgaben des Wassermanagements werden. Ebenso wie „Nutzungskonflikte“ und „Wasserkrise“ ein Begriff, der allenfalls Experten geläufig war. Das dürfte sich jetzt ändern.

Beitragsfoto: Spree 2020 (Foto: Gendries)

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