Ist Europas Abwasserpolitik auf Konsenskurs – oder steuert sie auf einen Konflikt zu?
Sauberes Wasser ist eine Selbstverständlichkeit – aber diese kann nicht kostenlos sein. Die Zeiten sind vorbei, in denen ein Fluss oder selbst ein Brunnen gesundes Wasser spendet. Vom natürlichen Wasser zum Trinkwasser ist nicht nur ein langer, es ist auch zumeist ein teurer Weg. Wer also trägt die Kosten? Für einen Blick nach Brüssel empfehle ich das Online-Streitgespräch zwischen den EU-Parlamentariern Jutta Paulus (B90/GRÜNE) und dem CDU-Umweltpolitiker Oliver Schenk (EVP). Termin: Montag, den 27.4.2026, 18.00 Uhr. Anmeldung läuft!
Sauberes Wasser kostet uns viel Geld
Um die gerechte Kostenverteilung bei der Reinigung der Abwässer dreht sich aktuell die Debatte um die europäische Kommunalabwasserrichtlinie. Sie soll verschärft werden, um Spurenstoffe wie Arzneimittelrückstände oder Chemikalien besser aus dem Wasser zu entfernen. Technisch ist das machbar – etwa durch eine vierte Reinigungsstufe. Aber billig ist es nicht. Die Umsetzung der neuen EU-Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) wird in Deutschland auf Mehrkosten von insgesamt etwa 9 Milliarden Euro über die nächsten 10 Jahre geschätzt. Die Kosten für die erforderliche vierte Reinigungsstufe liegen laut Schätzungen zwischen 0,40 bis 2,60 Euro pro Kubikmeter Abwasser. Das dürften viele Haushalte schmerzhaft spüren.
Verursacherprinzip: gerecht – aber umstritten
Die wirtschaftliche Lösung ist das Verursacherprinzip oder auch polluter-pays-principle – wer die Verunreinigung des Wassers verursacht, muss auch dafür bezahlen – und das sind nicht nur die Haushalte, sondern ist auch die Industrie, die die wasserschädlichen Produkte herstellt.
Somit sollen Hersteller von Pharmazeutika oder Kosmetika stärker zur Kasse gebeten werden. Die Mehrkosten würden nicht nur auf mehrere Schultern verteilt werden, es würden auch wirtschaftliche Anreize entstehen, Produkte umweltfreundlicher zu gestalten. Aber das erzeugt in der Wirtschaft reflexartigen Widerstand. Denn einzelne Branchen, die im internationalen Wettbewerb stehen, könnten wirtschaftlich so unter Druck geraten, dass der Standort Deutschland in Gefahr stünden. Da gerade die pharmazeutische Industrie im hohen Maße zur Gewässerverunreinigung beiträgt, steht sie bei der Kostenverteilung auch ganz oben. Da die Mehrkosten die Wirtschaftlichkeit der hiesigen Produktion gefährde, so die Branche, könnte dies Folgen für die Versorgungssicherheit mit Medikamenten in Deutschland haben. Zudem könnten Investitionen und Innovationen in Deutschland ausgebremst werden
Damit prallen zwei Logiken aufeinander: Umweltschutz und Kostengerechtigkeit auf der einen Seite, Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit auf der anderen.

Streitgespräch zur EU-Kommunalabwasserrichtlinie
Wie schwierig dieser Ausgleich ist, zeigt sich aktuell auf europäischer Ebene. Die geplante Reform der Richtlinie ist längst mehr als ein technisches Regelwerk – sie ist ein politisches Ringen um Verantwortung und Verteilung.
Einen Einblick in das Bemühen um einen Konsens in der EU-Abwasserpolitik bietet ein Streitgespräch zwischen der GRÜNEN-EU-Umweltpolitikerin Jutta Paulus und dem CDU-Umweltpolitiker Oliver Schenk am kommenden Montag, den 27.4.2026, ab 18:00 Uhr – online!
Hier geht es zur Anmeldung zum ZOOM-Event
Moderiert wird die Diskussion von Katrin Pribyl, die die Positionen einordnet und zusammenführt.
Quellen und Weiterführendes
- Belastetes Trinkwasser! Meine „Redezeit in Neugier genügt“ im WDR 5, LebensraumWasser, 12.1.2026
- FAQ zur Kommunalabwasserrichtlinie (KARL), UMWELTBUNDESAMT
- Wer soll für sauberes Wasser zahlen – die Pharmaindustrie oder die privaten Verbraucher?, SPIEGEL, 26.3.2026



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