Die Mandel: eine Erfolgsstory – mit Folgen für die Konkurrenz um Wasser

Mandeln sind aus Weihnachtsküchen nicht wegzudenken. Auch als „Superfoods“ werden sie immer beliebter. Die Nachfrage steigt von Jahr zu Jahr. Angebaut werden sie in Kalifornien, wo die Anbauflächen ein rasantes Wachstum hinlegen. Ihrem klimatisch hohen Bewässerungsbedarf stehen aber schrumpfende Wasservorräte gegenüber. Der Beitrag zeigt die Zusammenhänge und skizziert Hintergründiges.

Die Mandel ist ein „Wasserschlucker“

Mandeln sind eine wichtige Backzutat, lecker und „Superfoods“. Letzteres verdanken sie u.a. ihrem hohen Nährstoffgehalt. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) erklärt, dass die in Mandeln enthaltenen Polyphenole, Ballaststoffe sowie die günstige Fettsäuren-Zusammensetzung gegen koronare Herzkrankheiten schützen. Im Sinne einer vorbeugenden Ernährung empfiehlt sie daher täglich eine Handvoll Mandeln zu essen. Das lassen sich manche Mandelfreunde nicht zweimal sagen.

Es gibt auch eine andere Seite: Die Mandel ist aber ein „Wasserschlucker“. Ihr durchschnittlicher Wasserfußabdruck beträgt rund 13.000 Liter je Kilo; das sind 60 Badewannen. Kein Problem, wäre genug Regen da, um die wassersüchtigen Mandelbäume zu bewässern. Da sie aber ein mediterranes Klima benötigen und es dort nicht im erforderlichen Maße regnet, muss mit Bewässerung unterstützt werden. Das gilt insbesondere für ihre Haupt-Anbauregion Kalifornien. Mehr als 80 Prozent der weltweiten Nachfrage wird aus dem Südwesten der USA bedient.

Genau da liegt das Problem. Kalifornien kämpft gegen Wasserknappheit und dem steigenden Durst der Farmer, der Bevölkerung und der Industrie. Die Trockenheit trifft auch die Mandelbäume. Nur 10 Prozent des benötigten Wassers stammen aus Regenfällen, den Rest müssen die Plantagenbetreiber aus Flüssen oder Grundwasser („Blauwasser“) und aus gebrauchtem Wasser („Grauwasser“) ziehen. Das „Grünwasser“, also der Regen ist ein sehr unbeständiger Lieferant und setzt die Farmer auch wirtschaftlich unter Druck, denn bleibt dieser im Zuge des Klimawandels aus, dann muss Wasser hinzugekauft werden oder die Brunnen werden tiefer gebohrt. Letzteres hat zu Konflikten geführt, die auch hierzulande immer häufiger zu hören sind. Während die Großverbraucher immer mehr Wasser ziehen und wenn der Aquifer nicht mehr so reichlich sprudelt, einfach tiefer bohren, wird es bei den anderen Nutzern kritisch. Zwar werden die Mandel-Plantagenbetreiber gedrängt, ihre Bewässerungsmethoden zu verändern, aber obwohl schon 85 % der Mandelplantagen Mikrobewässerungssysteme einsetzen, die den Wasserbedarf je Mandel von 1990 bis 2010 um ein Drittel gesenkt haben, wird es bei der Bewässerung immer enger.

Während die Welt beeindruckt auf das Wachstum im kalifornischen Silikon Valley schaut, schreibt der kalifornische Agrarsektor ökonomisch eine beachtliche Erfolgsgeschichte. In den vergangenen zehn Jahren verdoppelten sich die Erträge durch Modernisierung der technischen Anlagen und Anbaumethoden, der Vergrößerung der Flächen und eine verstärkte Bewässerung. Zwischen 2008 und 2015 haben sich die bewässerten Agrar-Flächen von 16 % auf 33 % mehr als verdoppelt. Zum Vergleich: In Deutschland werden weniger als 3 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche künstlich beregnet.Dennoch verbraucht der kalifornische Agrarsektor 40 Prozent der Wasserressourcen, nur 10 Prozent gehen in die Versorgung der Städte.

Daher hat der Gouverneur von Kalifornien beschlossen, beim Wassereinsatz die Daumenschrauben anzuziehen. So wurde 2014 der Sustainable Groundwater Management Act als Gesetz erlassen, über den das Grundwasser und seine Nutzung im Sinne der Nachhaltigkeit gemanagt werden soll. Dazu wurden 260 Groundwater Sustainability Agencies (GSAs) geschaffen, die als zentrale Wasserbehörden für die insgesamt 127 prioritären Grundwasser-Reservoirs in Kalifornien zuständig sein werden. Daraus werden sich neue Formen der Wasserverteilung und Wassernutzung ergeben. Der öffentliche Prozess der Daten-Erhebung ist aktuell im vollen Gange. Auch wenn die vielversprechend klingt, so wird es doch noch lange dauern, bis die Beschränkungen tatsächlich greifen werden.

Die Balance zwischen Wasserfussabdruck und Nährstoffgehalt der Mandel

Während also die positiven gesundheitlichen Effekte den Verzehr an Mandeln auch ausserhalb der Weihnachtszeit beflügeln, rücken im Hinblick auf den nachhaltigen Konsum angesichts des damit verbundenen Wasserverbrauchs auch die ökologischen Folgen immer mehr in den Vordergrund.

Vermutlich werden die Verbraucher ihre Nachfrage nach Mandeln nicht vom Wasserbedarf und -stress in Kalifornien abhängig machen. Dortige Wasserkonflikte werden hier zwar interessiert, aber folgenlos registriert. Trotzdem ist eine Betrachtung interessant, die US-Forscher angestellt haben, in dem sie sich angesichts des Klimawandels untersucht haben, welche Präferenzen Verbraucher für die Früchte aus Kalifornien aus dem Blickwinkel des Nährstoffgehalts im Vergleich zum Wasserfussabdruck entwickeln könnten. Daher wurde in der Studie „Water-indexed benefits and impacts of California almonds“ der Nährstoffgehalt zum Wasserfußabdruck der kalifornischen Mandel in Relation gesetzt und mit anderen Früchten aus dem US-Bundesstaat verglichen. Von den ausgewählten 43 Früchten verzeichnet die Mandel den größten Wasserfußabdruck, das heißt sie rangiert an Position 43 und benötigt für das Wachstum die höchste Wassermenge je Kilogramm. Anderseits zeichnet sich die Mandel durch einen hohen Nährstoffgehalt aus und rangiert hier im Vergleich auf einem guten 3. Rang. Betrachtet man die Ergebnisse und Rangfolgen, empfiehlt sich aus der Sicht diese Studie der Griff zum Spinat. Demzufolge sollten zu Weihnachen statt Mandelplätzchen eher Spinatplätzchen gebacken werden.

Relationen von Wasserfußabdruck und Nährstoffen 43 verschiedener Früchte aus Kalifornien (Fulton e.a.)

Der Mandelkonsum ist weltweit im Steigflug

Dass die Mandel immer begehrter wird, läßt sich an den weltweiten Absatzmengen ablesen. So wird ausgehend von 1,5 Millionen Tonnen im Jahr 2019/20 ein Anstieg in einem Jahr um 15 % auf weltweit über 1,7 Millionen Tonnen geschätzt. Dabei hat die US-Mandel einen Weltmarktanteil von 80 %, so das US-Agrarministerium. In Folge der günstigen Witterungsbedingungen in 2020 sind die Exporte aus den USA um 18 % gestiegen. Trotz der positiven Absatzmengenentwicklungen schlugen sinkende Weltmarktpreise für Mandeln zu Buche. So sanken die Preise je Pfund vom Höchststand, der im Mai 2015 bei 5 US-$ je Kilogramm lag, auf mittlerweile 2,35 US-$ im November 2020 um mehr als die Hälfte. Auch das dürfte ein Grund für den wachsenden Mandelhunger insbesondere der chinesischen Kunden gewesen sein.

Globale Mandelproduktion (US Dpt. of Agriculture)

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, wurden in den ersten drei Quartalen 2020 rund 83 300 Tonnen Mandeln nach Deutschland importiert. Das waren 7 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Egal ob mit Schale oder ohne, ob mit Bitteraroma oder süß – die Nachfrage nach Mandeln ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Im Jahr 2019 wurden insgesamt 102 500 Tonnen nach Deutschland importiert, 37 % mehr als noch vor zehn Jahren.

Zahl der Woche vom Statistischen Bundesamt

Fazit und Ausblick

Es ist eher unwahrscheinlich, dass die Erfolgsstory der Mandel ein schnelles Ende finden wird. Daran werden auch die zunehmend kritischer werdenden klimatischen Bedingungen in Kalifornien nichts ändern. Einzig der Wasserverbrauch könnte eine Achillesverse sein. Aber solange der Wasserrechte im ausreichenden Maße zur Verfügung stehen und sich die Preise für die Bewässerung noch in Größenordnungen bewegen, die in der Bilanz kaum auffallen, werden die US-Amerikaner ihre Weltmarktstellung im globalen Handel mit der Frucht weiter ausbauen. So wird es vermutlich noch viele Vorweihnachtszeiten geben, in denen über den Wasserverbrauch der Mandeln berichtet wird. Bei den Recherchen zu diesem Beitrag bin ich auf so viele spannende Wasser-Fakten in Kalifornien gestossen, dass es dazu in Kürze noch einiges zu lesen geben wird.

Weiterführendes

Beitragsfoto: justmess20, Canstockphoto

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