Nutzungskonflikte: Schweizer Trinkwasser ist vielerorts ungenügend geschützt

In der Schweiz ist die Trinkwasserversorgung gesichert, aber nicht so, wie sich dies das Gesetz vorschreibt. Nutzungskonflikte gefährden die Absicherung der Fassungsgebiete. Das Problem schildert ein Bericht des Bafu, den Ende Januar der Schweizerische Rundfunk (SRF) aufgegriffen hatte.

In den meisten Schweizer Haushalten kommt das Wasser, das aus dem Hahn sprudelt, aus dem Grundwasser: Rund 80 Prozent der Bevölkerung werden mit Grundwasser versorgt. Nur wird dieses Grundwasser an manchen Orten nicht so geschützt, wie es das Gesetz verlangt. Von derartige ungenügenden Schutzzonen betroffen seien zwölf Prozent der Schweizer Bevölkerung – etwa eine Million Menschen, schreibt das Schweizer Bundesamt für Umwelt (Bafu) in einem Bericht, den es vor einigen Wochen im Internet publiziert hat, der bislang aber kaum beachtet worden sei.

Herkunft des Trinkwassers der Schweizer Bevölkerung (Bafu)

Gefährdung der Fassungen

In dem Bericht des Bafu ist die Rede von «schweren Nutzungskonflikten», die «eine grosse Gefährdung der Trinkwassernutzung» darstellten. Damit gemeint sind Situationen, bei denen sich verschiedene Nutzungen und der Grundwasserschutz in die Quere kommen. So wird etwa in Schutzzonen Landwirtschaft betrieben, oder es befinden sich dort Gebäude, Schienen oder Strassen. Trotz solcher Konflikte könne die Wasserqualität an solchen Orten «tadellos» sein, stellt das Bafu fest.

Von solchen Nutzungskonflikten gehe allerdings eine mögliche Gefahr fürs Grundwasser aus, sagt Michael Schärer vom Bafu: «Es gibt immer mehr Schutzzonen, in denen bereits Bauten und Anlagen stehen, etwa Gebäude mit Abwasserleitungen, oder Strassen oder Eisenbahnen. Und das bedeutet eine Gefährdung dieser Fassungen.»

Dichte Besiedelung als Problem. Wasserversorgungsplanung als Lösung

Nutzungskonflikte stellen die grosse Herausforderung im Vollzug des Grundwasserschutzes dar und müssen künftig noch stärker berücksichtigt werden. Bei schwerwiegenden Nutzungskonflikten muss mit geeigneten Massnahmen sichergestellt werden, dass eine sichere Trinkwasserversorgung auch in Zukunft gewährleistet werden kann. Ein wichtiges Instrument hierfür ist die regionale Wasserversorgungsplanung. Sie hilft dabei, die Wichtigkeit einer einzelnen Fassung zu beurteilen und dies bei der Interessenabwägung zwischen verschiedenen Nutzungen zu berücksichtigen. Basierend auf einer regionalen Wasserversorgungsplanung und Erhebungen zu nicht lösbaren Nutzungskonflikten liesse sich der Bedarf an Grundwasserschutzarealen für zukünftige Nutzungen ermitteln.

In planerischen Prozessen wird der Grundwasserschutz häufig erst spät berücksichtigt. Dies führt dazu, dass Projekte teilweise erheblich verzögert werden und der Grundwasserschutz als Behinderung in der Projektumsetzung wahrgenommen wird.

Ähnlich wie in manchen deutschen Regionen wie München, Rhein-Main-Region u.a. führen auch in der Schweiz die Nutzungskonkurrenzen oder gar Nutzungskonflikte zu Schwierigkeiten in der Wasserversorgung.

Weitere Quellen

1 Kommentar

  1. Es wird (nicht nur) in der Schweiz viel gebaut: Wohnhäuser, Industriebauten oft immer noch “auf der grünen Wiese”, Strassen, Bike-Wege usw. Wachstum – mit der entsprechenden Verschmutzungsgefahr – ist überall sichtbar. Wasser wird knapper. Und die Landwirtschaft darf in Grundwasserschutzzonen Acker- und Gemüsebau betreiben; nur ein kleiner Teil der Pestizide ist dort verboten.

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