London baut Trinkbrunnen, um Plastik zu vermeiden

In vielen Metropolen gibt es öffentliche Trinkbrunnen. Seitdem Wasserflaschen als Ursache der Plastikflut ausgemacht sind, sollen Passanten sich an Trinkbrunnen erfrischen. Auch in London arbeiten Wasserversorger und Lokalpolitik am Ausbau des Brunnennetzes und teilen sich die Kosten.

Aus dem Hahn statt aus Plastikflaschen

Wer auf Reisen oder einfach nur unterwegs ist, kann sich an frei zugänglichen Trinkbrunnen erfrischen und den Durst stillen. Angesichts der zunehmenden Anzahl an Wasserflaschen und der Hitze des letztjährigen Sommers errichten viele Städte öffentliche Trinkbrunnen. Der Versorger von London, Thames Water, hat jetzt die Auftragsvergabe für die Installation von 100 Trinkwasserbrunnen in London bekanntgegeben. Ein erstes Netz von 50 Trinkwasserbrunnen wird in Kürze in den bei Touristen und Konsumenten beliebten Stadtteilen Londons verfügbar sein. Ab dieser Woche werden die Spender hauptsächlich in U-Bahn- und Fernbahnhöfen, Einkaufszentren, Märkten und Erholungsgebieten installiert.

Londons Bürgermeister setzt sich ein und finanziert mit

Auf Initiative des Londoner Bürgermeisters Sadiq Khan wurde bereits ein Netzwerk von 28 Springbrunnen in der City installiert. Zwei der Brunnen im Bahnhof Liverpool Street Station, gaben in weniger als einem Monat 8.000 Liter Trinkwasser ab – das entspricht 16.000 Wasserflaschen. Wie ich in einem früheren Beitrag berichtet hatte, zeigte sich die Deutsche Bahn auf Anfrage zurückhaltend, wenn es um den Bau und Betrieb von Trinkbrunnen in deutschen Bahnhöfen geht. Diese weigert sich (noch), Trinkbrunnen auf ihren Bahnhöfen zu errichten.

Londons Bürgermeister Sadiq Khan twittert persönlich über Trinkbrunnen

In Großbritannien würden täglich 38,5 Millionen Plastikflaschen verwendet. Etwas mehr als die Hälfte davon werden demzufolge recycelt, mehr als 16 Millionen werden deponiert, verbrannt oder gelangen in die Umwelt und in die Ozeane. Dies Umweltbelastung wollen die Engländer vermeiden.

Schon heute findet man an vielen öffentlichen Plätzen, in Bahnhöfen und Flughäfen in England Wasserspender oder Trinkbrunnen. Auch in der Gastronomie auf der Insel ist das Trinken von Leitungswasser kostenlos, wenn der Gastwirt auch Alkohol ausschenkt. zudem stammt die Refill-Idee, die in deutschen Städten für Furore sorgt aus dem englischen Bristol. Die Engländer mögen nicht die besten Versorgungssysteme haben, an guten Ideen für das Leitungswasser mangelt es ihnen offensichtlich nicht. Jetzt bekommen die Trinkbrunnen Rückenwind und den läßt sich Metropole kosten. Ingesamt werden 5 Mio. £ für die Realisierung des Wasser-Projektes investiert und für den späteren Betrieb bereitgestellt. Thames Water und das Büro des Bürgermeisters teilen sich das Budget. Der Anteil des Bürgermeisters stammt aus Finanzmitteln, die für den Kampf gegen Einwegkunststoffe vorgesehen sind.

Ganzjähriger Betrieb und Schutz vor Vandalismus

Während von deutschen Wasserversorgern Vorbehalte wegen Vandalismus zu hören ist und die Geräte über den Winter abgestellt werden, sind die Londoner vandalismusgeschützt und verfügen über einen eingebauten Frostschutz, sodass sie auch in den Wintermonaten einsatzbereit sind.

Steve Spencer, Chief Operating Officer von Thames Water, macht Werbung für den Flaschenwasserersatz: „Leitungswasser ist ein unglaubliches Preis-Leistungs-Verhältnis und genauso gut wie Wasser in Flaschen, aber ohne die Plastikverpackung. Wir möchten, dass die Menschen es mit den Trinkbrunnen genießen. Zusammen können wir alle Plastikmüll aus Einweg-Wasserflaschen runterfahren und so dazu beitragen, dass unsere Flüsse und Ozeane jetzt und für kommende Generationen erhalten bleiben.“

Trinkbrunnen in London (Q. City of London)

Der frühere Londoner Bürgermeister Boris Johnson kündigte während seiner Amtszeit im Jahr 2008 eine „neue Ära der öffentlichen Brunnen“ an und versprach eine Initiativ, um neue Trinkbrunnen zu errichten. Leider folgten den Ankündigungen keine Taten. Voraussichtlich wird er in der kommenden Woche zum Premierminister gewählt…

Weiterführendes / Quellen

  • Locations of 50 new London drinking water fountains revealed“, Guardian
  • Mayor reveals locations of 50 new water fountains“, Greater City of London
  • “Drinking Fountains for London“ mit Karte, City of London
  • Warum will Deutsche Bahn keine Trinkwasserbrunnen auf Bahnhöfen?“, Lebensraumwasser
  • “Trinkbrunnen an Flughäfen schonen die Reisekassen der Fluggäste und die Umwelt”, Lebensraumwasser
  • “Wie öffentliche Trinkwasserbrunnen sinnvoll finanziert werden können“, Lebensraumwasser
  • Refill England
  • Refill Deutschland

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  1. Ernst Bromeis: „Schafft Plastikwasserflaschen-freie Zonen!“ | Heidis Mist

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