Wie Kinder mit Augmented Reality spielerisch den Umgang mit Wasser lernen können

Kinder sind nicht nur die Wasserkunden von morgen. Zugleich sind sie wichtige Multiplikatoren, wenn es um Wasser geht. Die Kids von heute sind die Generation „Digital Natives“, sie haben einen intuitiven Zugang zu Digitalem. Also dürfte ein Spielplatz, der reales Klettern und Schaukeln mit digital unterstütztem Wasser-Lernen verbindet, eine gute Idee sein.

Wen die Antwort interessiert, dem sei ein Ausflug nach Menden empfohlen. Die dortigen Stadtwerke haben am 4.8.2020 ein besonders innovatives Angebot für Kinder geschaffen: einen interaktiven Erlebnis-Spielplatz, der auf Augmented Reality (AR) einbezieht, um Wasser-Lerninhalte spielerisch zu vermitteln. So werden mit Blick auf den Spielplatz reale von digital dargestellten Gegenständen auf dem mitgeführten Smartphone überlagert, ohne dass der Nutzer in eine gänzlich virtuelle Welt abtauchen muss. Das heißt der Zaun, der der Spielplatz einfriedet, und die Eisdiele auf der anderen Seite bleiben weiterhin sichtbar. Im Mittelpunkt des Lernens steht der Umgang mit Wasser. Ein tolle Geschichte, deren Start ich mir vor Ort angeschaut habe.

Von einer Bachelor-Arbeit zum Projekt

Die Stadtwerke-Werkstudentin Julia Bach hatte 2019 die Idee, Lerninhalte spielerisch mit Augmented Reality zu vermitteln und übernahm das Thema für ihre Bachelorarbeit. Da sich insbesondere das Wasserthema für spielerisches Lernen anbot, wie sie mir erklärte, war der städtische Versorger sofort „Feuer und Flamme“. Für die Umsetzung wurden Experten ins Boot geholt.

Herausgekommen ist ein Kinderspielplatz an der malerischen Mühle am Ufer des Flüsschens Hönne, das durch die sauerländische Stadt fließt. Eine Infotafel am Zugang der etwa 100 Quadratmeter großen Fläche erklärt, was die Kids über den virtuellen Spielraum mit Wasser wissen müssen. Als „Türöffner“ benötigt man eine App, die ARvin. Sie kann vor Ort im kostenlosen öffentlichen WLAN aus den AppStores von iOS und Android schnell heruntergeladen werden. Einmal geöffnet, müssen Kinder -mindestens schulpflichtig werden sie schon sein müssen – mit der Smartphone-Kamera auf einen Marker, so etwas wie ein QRCode (siehe vorletztes Foto unten Mitte), zielen und schon öffnet sich die virtuelle Welt der Augmented Reality. So wird plötzlich aus dem Klettergerüst ein Wasserwerk mit Behältern und Rohrleitungen (siehe letztes Foto unten rechts). Eine Stimme aus dem Smartphone erklärt dann, was in einem Wasserwerk alles so geschieht, bis aus dem Wasserhahn das Trinkwasser kommt. Damit es spannend bleibt, bereiten die Stadtwerke schon neue Geschichten vor.

Lernen für den täglichen Umgang mit Wasser

Sicher werden in Menden viele Eltern den kleinen erhobenen Zeigefinger sehen oder den Spruch „Papi das darfst du nicht machen, da sterben die Fische“ ihrer kleinen Zöglinge hören, wenn sie Arzneimittel in die Toilette kippen.

Wer nicht zum Spielplatz kann, sich aber für Wasser interessiert, kann sich mit der App auch Videos anschauen. Für zuhause wird auch ein doppelseitiges Booklet an 3.000 Schüler verteilt.

Ich habe bei meinen Versuchen, mir die digitale Welt zu erschließen noch ein wenig mit der App gehadert. Aber ganz sicher bin ich auch kein Maßstab, denn die Kids gehen mit einer ganz anderen Selbstverständlichkeit mit digitalem Spielen um. Da werden mir viele Väter und Mütter beipflichten, die nicht verstehen (wie ich), wie man den Pokémons durch die Stadt oder in einem Wald hinterher rennen kann.

Nachahmer sind herzlich willkommen

Stolz erklärte mir Teamleiterin Unternehmenskommunikation, Maria Geers, mit wie vielen tatkräftigen Unterstützern das Projekt umgesetzt wurde. Mit dabei waren der dänische Spielplatzhersteller KOMPAN, die Soester Landschaftsarchitekten B.S.L. und die Dortmunder Agentur für 3D- und Bewegtbildproduktion PUPPETEERS.

Heute waren anläßlich der Eröffnung natürlich mehr Erwachsene als Kinder auf dem Spielplatz. Wenn die Kids aber erst einmal ihr Revier übernommen haben werden und das Konzept aufgeht, dürfte es viele Interessierte aus der Wasserwirtschaft geben, die von den gemachten Erfahrungen profitieren könnten. Grundidee und Konzeption sollen sich auf andere Orte und Kommunalversorger übertragen lassen. „Interessierte können sich jederzeit gerne bei mir melden“, ließ sich mich Maria Geers zum Schluss wissen.

Maria Geers, Teamleiterin Unternehmenskommunikation, Stadtwerke Menden, m.geers@stadtwerke-menden.de

Der Spielplatz an der Hönne-Mühle in Menden (Foto: Gendries)
Aus dem Klettergerüst wird ein Wasserwerk (Foto: Gendries)
Der ARvin-Marker für den Zugang in die Augmented Reality (Foto: Gendries)

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