Trinkwasserbrunnen auf öffentlichen Plätzen und an Wegen sollen eine kostenlose und umweltfreundliche Alternative zu Flaschenwasser bieten. Immer mehr Kommunen errichten diese an die öffentliche Trinkwasserleitung angeschlossenen Erfrischungsquellen. Gerade an den Hitzetagen werden sie immer wichtiger. Umso überraschender ist das Ergebnis einer Akzeptanz-Untersuchung von Forschenden der Universität Bamberg. Anlässlich des Hitzeaktionstages am 11.6.2026 veröffentlichen sie die Ergebnisse. In ihren Empfehlungen zeigen sie, wie sich die Nutzung öffentlicher Trinkwasserangebote steigern lässt.

Deutschland hat in der vergangenen Woche die ersten Hitzetage des Jahres erlebt: In vielen Städten kletterten die Temperaturen zuletzt auf 30 Grad und mehr. Wer unterwegs ist, sucht Schatten, Abkühlung – und Trinkwasser. Öffentliche Trinkbrunnen können dabei helfen, Menschen mit Wasser zu versorgen. Doch viele bleiben ungenutzt. Ob Trinkbrunnen tatsächlich genutzt werden, hängt nämlich nicht allein von ihrer Verfügbarkeit ab. Die Forschenden haben untersucht, welche psychologischen Faktoren mit der Nutzung zusammenhängen, und ob sich diese erhöhen lässt. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Nature Water erschienen.
Die Psychologie schlägt den Durst
Die Studie setzt an einem psychologischen Schutzmechanismus an, der potenzielle Krankheitserreger früh erkennen und meiden soll. „Unser Schutzsystem ist darauf ausgelegt, Erkrankungsrisiken in wechselnden Umgebungen schnell einzustufen. Es ist im Alltag überlebenswichtig und schützt vor unbekannten Risiken, weil es uneindeutige Situationen als mögliche Gefahr einstuft. Der Preis dafür ist, dass es manchmal auch sichere Quellen meidet, wenn sie nicht eindeutig als sicher erkennbar sind“, erklärt Robert Bruckmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Juniorprofessur für Gesundheitspsychologie. In einer repräsentativen Befragung mit 1.095 Personen gaben rund 60 Prozent der Teilnehmenden an, in Deutschland noch nie einen öffentlichen Trinkbrunnen genutzt zu haben. Dabei zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang mit Bedenken wegen möglicher Verunreinigungen.
Feldexperiment in Bamberg: Hinweisschilder erhöhen die Nutzung
Die Studie untersuchte auch, ob Hinweisschilder Uneindeutigkeit auflösen können, indem sie die Sicherheit des Brunnens explizit kommunizieren. Für ein Feldexperiment beobachteten die Forschenden vier Trinkbrunnen in Bamberg unter Realbedingungen in insgesamt 14.128 Nutzungssituationen. Jeder Brunnen wurde dabei mit und ohne Schild beobachtet und diente so als eigene Vergleichsgrundlage, während Wetter und Umgebungstemperatur konstant gehalten wurden. War ein Schild angebracht, das über die Sauberkeit informierte und den Brunnen klar erkennbar als sicher auszeichnete, war die Chance auf deren Inanspruchnahme zum Trinken um 82 Prozent höher.

Die Forschenden haben herausgefunden, dass Hinweisschilder eine unabhängigere und intuitive Nutzung fördern. Menschen schauen dann nicht auf andere, um Vertrauen in die Trinkwasserquelle gewinnen. „Trinkbrunnen können technisch einwandfrei sein und trotzdem ungenutzt bleiben, wenn man ihnen die Sicherheit nicht ansieht. Städte und Kommunen investieren Zeit und Geld in die öffentliche Trinkwasserinfrastruktur – wichtig ist jedoch nicht nur, mehr Brunnen zu bauen, sondern auch die Nutzung der vorhandenen Infrastruktur sicherzustellen“, sagt Prof. Dr. Philipp Sprengholz, Mitautor der Studie und Inhaber der Juniorprofessur für Gesundheitspsychologie.
Trinkbrunnen sind wichtig für Gesundheitsschutz
Ein einfacher Zugang zu öffentlichem Trinkwasser gilt als wichtige Vorsorge gegen die Hitzebelastung. Daher hat die EU dies Trinkwasserrichtlinie (2020/2184) vorgegeben. Die Untersuchung legt jedoch nahe, dass das Vorhandensein der Brunnen allein nicht genügt: Menschen müssen sichere und kontrollierte Wasserquellen ohne große Umstände als solche erkennen können.
Die Forschenden empfehlen daher, psychologische Faktoren bereits in der Planung zu berücksichtigen; etwa durch kontaktlose Nutzungsmodi, Hinweise auf Wartung und Hygiene sowie eine klar erkennbare Kennzeichnung als Trinkwasserquelle.
Leider stelle ich bei meinen Beobachtungen fest, dass die Trinkbrunnen nicht die Beachtung und Nutzung finden, die sie eigentlich verdient hätten. Die psychologischen Gründe bieten eine plausible Erklärung. Hinweisschilder zur Ausserbetriebnahme wegen einer Wartung findet man ja insbesondere zum Beginn des Sommers, wenn die Brunnen aus dem Winterschlaf geholt werden.
Manchmal ist es auch das äußere Erscheinungsbild, das die Vertrauenswürdigkeit beeinträchtigt. Daher schließe ich mich der Anregung an, Hinweisschilder zur Trinkwasserqualität anzubringen. Das lässt sich auch im Nachhinein machen. Vielleicht sollte auch ein QR-Code ergänzt werden, mit dem Beschädigungen und Verschmutzungen dem Betreiber mitgeteilt werden können.
Denn die Brunnen sind zu wichtig – und teuer – um nicht genutzt zu werden.
Quelle und Weiterführendes
- Publikation: Bruckmann, R.W., Sprengholz, P. Understanding and addressing contamination aversion in the use of drinking fountains. Nat Water 4, 36–43 (2026). https://doi.org/10.1038/s44221-025-00540-6
- Meine Beiträge auf LebensraumWasser zum Thema Trinkbrunnen und Wasserspendern
Beitragsfoto: Siegfried Gendries



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