Flaschenwasser-Kampagne der Stadtwerke Duisburg wurde der Hahn abgedreht

Das ist schon mysteriös. Die Flaschenwasser-Kampagne der Stadtwerke Duisburg war in den Sozialen Medien ein Knüller. Nach nur vier Tagen wurde ihr der Hahn abgedreht. Im Internet war plötzlich nichts mehr zu finden. Als hätte es das Video mit dem Flaschenwasser-Truck, der nach Evian-les-Bains fuhr, nie gegeben. Der nachfolgende Beitrag versucht eine Erklärung.

Der „Stein“ des Anstoßes?

Umweltschützer und Wassertrinker feierten den Coup

Nur vier Tage nach dem Start der Guerilla-Marketing-Kampagne war das Video abgeschaltet. Ein Truck mit Flaschen mit der Aufschrift „Dieser Geschmack ist jeden Kilometer wert“ gefüllt mit Duisburger Leitungswasser war nach Evian-les-Bains gefahren. Der Ort war nicht zufällig gewählt worden, gibt es doch eine Mineralwasser-Marke gleichen Namens. Womöglich war das auch der Grund dafür, dass die Duisburger die Bürger mit der Qualität des angebotenen Wassers aus der Ruhrmetropole überraschen konnten. Das Video erschien auf YouTube und unter dem Hashtag #waternotwaste. Es sollte am Tag der Umwelt am 5.6. auf die Plastikflut und CO2-Emissionen beim Flaschenwassertransport hingewiesen werden. Das Ziel wurde ganz sicher erreicht, aber vielleicht auch Ungewolltes.

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Die Community der Umweltschützer und Wasserfreunde jubilierte. Die Kreativität und Spontanität der Stadtwerke sorgte für virales Schulterklopfen. Aber während die Links zum Youtube-Video noch fleißig geteilt wurden, war schon Schluss. Aus, abgestellt. Gerüchte kamen auf. War die Kampagne zum Gegenstand eines Rechtsstreits geworden?

Abschalten war Teil des Plans

Die Stadtwerke verneinen Mutmaßungen in Richtung Intervention durch Dritte. Auf meine Nachfrage zum Grund der Abschaltung erklären deren Pressesprecher, es sei von Anfang an geplant gewesen, „das Video nur wenige Tage rund um den Weltumwelttag am 5. Juni zu spielen. Dieses entspricht auch der Schnelllebigkeit der sozialen Medien. Wir freuen uns, dass das Video mit knapp einer halben Million Klicks wie geplant in kürzester Zeit eine hohe Aufmerksamkeit und eine für uns enorme Reichweite erzielt hat. Damit sehen wir unser Ziel erreicht und die Botschaft bei vielen Menschen angekommen: Trink Wasser, das als eines der bestkontrollierten Lebensmittel immer frisch aus dem Hahn kommt!“ Soweit die offizielle Verlautbarung der Initiatoren.

Das war’s

Ich habe bei den Experten für Wasser-Kampagnen und Initiatoren der Wasserwende, a tip: tap, nachgefragt. „Wir halten das Abschalten und abrupte Ende der Kampagne #waternotwaste für sehr seltsam. Aus unserer Erfahrung würde sich der Aufwand für die einmalige Aktion nicht lohnen, wenn man diese nicht weiter verwerten würde (Medienbeiträge, Vorträge usw.). Es scheint, als ob da jemand Druck gemacht hat von Seiten der Mineralwasser-Industrie oder Politik“, bekomme ich aus Berlin als Rückmeldung. Das klingt nicht unrealistisch, denn ganz sicher hat die Kampagne nicht nur Freunde gewonnen. Wir erinnern uns: wenige Wochen vorher hatte das Oberlandesgericht München in einem Streit um die Bezeichnung „gesund“ beim Leitungswasser zugunsten eines Wasserversorgers entschieden.

Es geht um das Bewusstsein für #waternotwaste

Die Kampagne der Duisburger und die Spekulationen darum mögen abgeschlossen sein, die Bewegung #waternotwaste ist es ganz sicher nicht. Zu stark schlagen die Umweltfolgen für das aus entfernten Regionen herangeschaffte Mineralwasser oder gar Tafelwasser zu Buche. Natürlich ist auch das Wasser in der Flasche ein Produkt, das seine Nachfrager oder gar Liebhaber findet. Jeder der es kauft, sollte sich nur bewusst sein, dass mit Abfüllung, Transport der Flaschen sowie späteren Rücktransport des Leerguts und deren Reinigung viel Energie verbraucht oder sogar Abfall erzeugt wird. Wenn das eine bewusste Entscheidung ist, mag der Flaschenwasser-Trinker den ökologischen Fußabdruck bewusst in Kauf nehmen. Auch wer dem Leitungswasser nicht traut, hat aus seiner Sicht gute Gründe, die nicht anzuzweifeln sind. Aber nicht immer ist das der Fall. Viele Konsumenten sind sich der Qualität des Leitungswassers nicht bewusst oder kaufen aus Routine das Wasser aus der Flasche. Eben jene wollten die Stadtwerke Duisburg mit ihrer Kampagne erreichen. Egal wie lange sie lief, sie hat viel davon erreicht. Andere werden ihr folgen, weil #waternotwaste das bessere und überzeugendere Argument ist.

Ach so: Cool wäre es, wenn die Duisburger die Internet-Domain waternotwaste.de zur Nutzung freigeben oder anbieten würden. Wäre doch schade …. Sie könnten ja waternotwaste.online als Ersatz nehmen, die habe ich mir gekauft.

1 Kommentar

  1. Lieber Siegfried
    Bei uns gibt es immer wieder Diskussionen wegen Hahnenwasser in Sitzungszimmern, Verwaltungen usw.
    Am 6.3.19 Kanton Bern: „Der bernische Grosse Rat hat es am Mittwoch abgelehnt, der Kantonsregierung einen Auftrag in Sachen Mineralwasserverbot erteilen. Mit 77 zu 66 Stimmen bei 3 Enthaltungen lehnte das Kantonsparlament einen Vorstoss von drei grünen Grossratsmitgliedern ab, welche einen kantonalen Erlass forderten. Die Ratsmehrheit war der Auffassung, ein solches Mineralwasserverbot wäre unverhältnismässig und würde den Mineralwasser-Abfüllern schaden.“
    https://www.derbund.ch/bern/kanton/das-mineralwasser-bleibt-in-den-amtsstuben/story/25867820
    Am 4.10.18 Stadt Bern: „Evian-Verbot für Berner Beamte – Die Stadt Bern will das Wasser besser schützen. Und wirft als erste Massnahme das Mineral aus den Sitzungszimmern.
    https://www.blick.ch/news/schweiz/bern/leitungswasser-zwang-evian-verbot-fuer-berner-beamte-id2446111.html
    Der Widerstand der Mineralwasserbranche ist gross. Aber wir können einfach Hahnenwasser trinken! Das fördert auch das Bewusstsein, dass wir dem Wasser sorge tragen müssen.
    Grüsse aus der Schweiz
    Heidi

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