Wer an der Toilettenspülung spart, wird für den Abflussreiniger zahlen müssen

Von Billiger.de zu Netzsieger.de. Immer skurriler werden die Wasserpreis- und Verbrauchsrankings, die so genannte Vergleichsportale auf Konsumenten und Medienwelt los lassen. Einzig erkennbares Ziel: Aufmerksamkeit. Der neuste Clou: Toilettenspülung. Unter dem Titel “WIE VIEL GELD SPÜLEN WIR EIGENTLICH PRO JAHR DIE TOILETTE HINUNTER?“ reihte sich jetzt das bis jetzt eher unbekannte Netzsieger.de in die mehr oder wenig sinnenhaften Vergleiche ein.

Das Portal vergleicht die Kosten für eine Toilettenspülung und die entsprechenden Jahreskosten in verschiedenen deutschen Großstädten, um mögliche Einsparpotenziale beim Spülen aufzuzeigen: „Auf dem stillen Örtchen muss es aber sein, darum spülen wir nach der Benutzung selbstverständlich ausgiebig. Teilweise sogar zwei- bis dreimal – man möchte ja keine Spuren hinterlassen. Doch Wasser ist kostbar. Wie kostbar es tatsächlich ist, wird uns erst bewusst, wenn wir sehen, wie viel Geld wir eigentlich täglich die Toilette hinunterspülen. In manchen Städten können das schon mal 30 Cent pro Tag sein. Das ergibt pro Jahr dreistellige Beträge, die wir allein für das Spülen zahlen. Wie viel wir tatsächlich in verschiedenen deutschen Städten bezahlen und wie wir mit dem Betätigen des Spülstopps bis zu 90 Euro sparen können, verrät die folgende Übersicht. …“ 

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In Hamburg dürfte man demnächst viele Notdürftige bei der Suche nach einem stillen Örtchen bei Freunden und Nachbarn antreffen, denn Netzsieger empfiehlt: „In Hamburg sollten die Menschen lieber außerhalb der eigenen vier Wände die Klospülung drücken.“ Noch mehr Wasser liesse sich übrigens sparen, wenn gar keine Toilette aufgesucht würde… Vielleicht wandern die Hamburger auch einfach aus, denn Netzsieger.de rechnet vor: „Noch mehr Geld ließe sich allerdings bei einem Umzug von Hamburg nach Köln oder München sparen. Hier verblieben jährlich beim Spülen sogar 36,50 Euro im Geldbeutel.“ Die Rheinenergie als Wasserversorger der Stadt Köln würde sich vermutlich freuen, beklagt sie doch rückläufige Wasserabsätze. Hamburg ist aber nichts gegen Potsdam. „Kein anderer Spülgang kann Berlins Nachbar in puncto Kosten das Wasser reichen. Bis zu 113,15 Euro pro Jahr kostet das Geschäft mitunter. Im Vergleich zahlen die Mainzer bei der gleichen Anzahl knapp die Hälfte und spülen am günstigsten.“ Also liebe Mainzer Stadtwerke, baut schon einmal eure Wasserwerkskapazitäten aus, die Potsdamer kommen!

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Q.: Netzsieger

Aber sollte man sich nicht fragen, wozu das Wasser eigentlich da ist. Wasser bedeutet Hygiene. Wer will schon daran sparen? Versicherer beklagen zudem zunehmende Leckagen, weil das Wasser zu lange in den Leitungen steht. Auch die städtischen Abwasserbetriebe müssen immer häufiger mit Trinkwasser die Kanäle spülen, weil Wassersparen die Ressourcen schonen soll. Zahlen muss dann die Allgemeinheit.

Dem vermeintlichen Wasserpreis- und Ersparnisvergleich könnte man einen anderen entgegen setzen: Die Kosten für Abflussreinigung. Was die Netzsieger nicht berücksichtigen, mit jedem gesparten Liter Wasser bei der Beseitigung der Toiletteninhalte steigt auch das Risiko von Verstopfungen der Abwasserleitungen. Zwischen 50 und 200 Euro zahlt der häusliche Toilettennutzer, wenn die Spülvorgänge stocken oder der Abfluss verstopft ist. Natürlich können die Beträge auch deutlich höher werden, wenn der Schaden – wie üblich – am Wochenende auftritt.

Leser, die den Warnungen vor verstopften Toilettenleitungen trotzdem keinen Glauben schenken wollen, finden nachfolgend für einige Städte Links zu Rohrreinigungsdiensten (ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

Übrigens werden sich die europäischen Nachbarn über diese Diskussion vermutlich lustig machen. Einen kleinen Vorgeschmack liefert der Beitrag über The German Tollet Crisis.

Wer den Vergleich von Netzsieger trotzdem lesen will, findet ihn hier

Beitragsfoto: EWKAA CC

 

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