Der Klimawandel und seine Bedeutung für Investitionsentscheidungen deutscher Wasserversorger

Experten diskutieren über mögliche Strategien und Maßnahmen zur Anpassung der Wasserversorgungsanlagen in Deutschland an die Bedingungen des auch hierzulande erwarteten Klimawandels.

Viel wird über Klimawandel und Wasserversorgung gesprochen. Meistens geht es dabei um die Regionen in Asien und Afrika. Dort ist uns die Bedrohung bewusst. Aber wie ist es hierzulande? Auch die deutsche Wasserversorgung ist von Temperaturänderungen, Veränderungen im Wasserhaushalt und beim Trinkwasserbedarf betroffen. Wir werden in den Hitzeperioden, die angekündigt werden, mehr Wasser verbrauchen. Das erscheint nachvollziehbar. Aber auch in Deutschland herrscht Unsicherheit, wenn es um das Ausmaß der Betroffenheit geht.

Das regionale Klimaprojekt für die Ruhr-Lippe-Region dynaklim sieht eine Zunahme der heißen Tage in Form vermehrter heißer Sommer mit längeren und intensiveren Hitzeperioden. In diesen heißen Phasen könnten die Temperaturen nicht nur über 30 °C ansteigen, sondern auch 40 °C erreichen. Das bedeutet besondere Herausforderungen für die auf Langfristigkeit ausgerichtete öffentliche Trinkwasserversorgung, ohne dass es Gewissheit über den exakten Anpassungsbedarf, ohne dass es Kenntnisse der zukünftigen Anforderungen gibt.

Die Ausgangslage ist unzureichend. Aussagen der Klimaforschung sind nach wie vor unsicher. Aber wie soll geplant werden? Brauchen wir mehr oder weniger, größere oder kleinere Versorgungsanlagen, sollten sie kleinräumig sein oder zentral? Alles Fragen, auf die die Versorger Antworten finden müssen, wenn Investitionsentscheidungen zu treffen sind. Vor dreißig Jahren hat man für die heutige Zeit Wasserverbräuche von 250 Liter täglich je Person prognostiziert. So wurde geplant und gebaut. Heute wissen wir, dass es nur 122 Liter geworden sind. Wassersparen und demografischer Wandel wurden unterschätzt oder schlicht übersehen. Sie waren die Ursachen für die diese Abweichungen. Jetzt droht uns ein ähnliches Dilemma. Auslöser diesmal: der Klimawandel. Dagegen erscheint der demografische Wandel ein Kinderspiel.

Wie aber soll entschieden werden, wenn historische Planungswerte nicht mehr gelten und die Prognosen für den Klimawandel nur Wahrscheinlichkeiten nennen können ? Wie verlässlich sind die Planungsgrundlagen für 2030 oder 2100? Werden es zwei oder vier Grad Celsius mehr sein oder bleibt alles wie es ist? Wie wirken sich Starkregen-Ereignisse aus? Verändern sich dadurch Wasserdargebot und Wassernachfrage? Ist eine vorsorgende Anpassungsstrategie zukunftssicher, oder wäre vorsichtiges Abwarten auf belastbare Planungsgrundlagen die effizientere Vorgehensweise? Was, wenn die Investitionen nicht mehr aufgeschoben werden können, weil Anpassungen an den Nachfragerückgang aus hygienischen Gründen notwendig sind oder schlicht der Zustand der Netze ein Abwarten unmöglich macht? Wird vielleicht irgendwann gefragt werden, ob es richtig war, wie der Versorger gehandelt hat und ob die Kosten – und damit die höheren Preise – gerechtfertigt waren?

Brennende Fragen für die das DVGW-Forum „Sichere Wasserversorgung im Klimawandel“ den aktuellen Stand des Wissens zur Anpassung an den Klimawandel vorstellt: Klimaforscher, Wasserwirtschaftler, Wasserversorger und Forschungsinstitute berichten am 26.2.2014 in Mülheim an der Ruhr vom Stand des Wissens und ihren Erfahrungen in der praktischen Umsetzung. Es werden Instrumente und Methoden vorgestellt, die Wasserversorgern helfen, eine klimarobuste Wasserversorgung langfristig sicherzustellen. Die Veranstaltung sucht den Dialog, die Experten stellen sich der Diskussion: Vorsorgendes Handeln oder aktives Abwarten als richtige Anpassungsstrategie? Was lässt sich nach heutigem Stand des Wissens bereits konkret tun?

Zum Programm: http://www.dvgw.de/fileadmin/dvgw/angebote/berufsbildung/pdf/wasserversorgung_klimawandel.pdf

Dynaklim: http://www.dynaklim.de

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