Wasser im Fokus der Wissenschaft

Ein Schwerpunkt meines Blogs sind wissenschaftliche Studien und Forschungsergebnisse, die Probleme offenbaren, aber auch Lösungen für die Bewältigung aufzeigen. Nicht alle Publikationen kann ich in Beiträgen nutzen. Womöglich sind die Ergebnisse für Leser des Blogs von Interesse. Daher finden sie sich künftig als Teaser mit Verlinkungen zu den Originalquellen in der Rubrik „Wasser im Fokus der Wissenschaft“ wieder.

Tipps und Hinweise zu wissenschaftlichen Publikationen im Themenkomplex Wasser nehme ich wie immer gerne auf.


Wie Bäume Wasser und Stickstoff aus der Tiefe nutzen

Wasser und Stickstoff sind für Bäume lebenswichtig. Der Klimawandel verändert für sie jedoch die Verfügbarkeit von Wasser und damit die Aufnahme der darin gelösten Nährstoffe. Das gilt insbesondere für die oberen Bodenschichten, da sie schnell austrocknen. Wie greifen Bäume unter diesen Bedingungen auf Wasser und Stickstoff aus tieferen Bodenschichten zu? Forschende der Universität Göttingen haben erstmals in ausgewachsenen Bäumen verfolgt, wie sie beide Stoffe aufnehmen und von der Wurzel bis in die Baumkronen leiten.

Die Studie der Universität Göttingen zeigt: Wasser erreicht die Baumkrone deutlich schneller. Stickstoff schwimmt nicht einfach im Wasserstrom mit, sondern wird im Boden und in der Wurzel durch biologische Prozesse, Mikroben und Pilze aufgehalten. Douglasien nutzen zudem mehr Ressourcen aus tieferen Bodenschichten als Buchen, insbesondere auf durchlässigen, sandigen Böden. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Plant, Cell & Environment veröffentlicht.

Originalpublikation:

  • Mrak K, Hackmann CA et al. De-Coupled Water and Nitrogen Translocation From Subsoil to Canopy of Temperate Forest Trees. Plant, Cell & Environment (2026). https://doi.org/10.1111/pce.70327

Dazu passt auch ein früherer Blogbeitrag mit dem Titel: „Wie Bäume im Wald sich beim Wassermanagement gegenseitig helfen und was wir davon adaptieren könnten“ aus dem Jahr 2021. Darin habe ich eine wissenschaftliche Untersuchung von Prof. Dr. Christiane Werner, Professur für Ökosystemphysiologie, Institut für Forstwissenschaften, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, aufgegriffen.


Unterschätztes Kielwasser: Schiffsverkehr sorgt für mehr Wirbel in der Ostsee als gedacht

Kommerzieller Schiffsverkehr beeinflusst die Ostsee nicht nur an der Oberfläche, sondern greift auch erheblich in das System von Wassersäule und Meeresboden ein.

Eine Studie des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) zeigt jetzt erstmals, dass Kielwasser-Verwirbelungen großer Schiffe in stark befahrenen Gebieten der westlichen Ostsee sowohl die Wasserschichtung deutlich verändern als auch zu markanten Erosionen am Meeresgrund führen. Das Forschungsteam dokumentiert damit einen bislang unterschätzten menschlichen Einfluss auf flache Meeresräume.

Die beobachteten Prozesse haben potenziell weitreichende Folgen für marine Ökosysteme. Die Durchmischung der Wassersäule beeinflusst den Austausch von Sauerstoff, Nährstoffen sowie gelösten Spurenelementen zwischen Oberflächen- und Bodenwasser. Gleichzeitig führt die Erosion des Meeresbodens zur Mobilisierung von Sedimenten, die organisches Material sowie gebundene Schad- und Nährstoffe enthalten können. Auch ist davon auszugehen, dass Meereslebewesen stark betroffen sind. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Communications publiziert.

Originalpublikation:

  • Jacob Geersen, Peter Feldens, Luisa Rollwage, Lenya Baumann, Knut Krämer, Patrick Westfeld, Sebastian Krastel, Soeren Ahmerkamp, Franz Tauber, Jens Schneider von Deimling (2026): Ship wake induced water column mixing and meter-scale seabed erosion in the Baltic Sea. Nature Communications. doi.org/10.1038/s41467-026-68875-6


Wasser – vom chemischen Störfaktor zum Strukturbaustein

In der Entwicklung wasserbasierter Materialien steht die Wissenschaft oft vor einer Herausforderung: Das Wasser stört die Bindungen zwischen den Molekülen. Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Alex J. Plajer von der Universität Bayreuth hat nun jedoch ein Material entwickelt, das Wasser als aktiven und strukturellen Baustein enthält. Dieses Material ordnet sich in Wasser selbstständig zu Nanofasern und bildet Hydrogele, die in ihren Eigenschaften gesteuert werden können. Damit zeigt die Studie, dass Wasser kein reiner Störfaktor sein muss, sondern als gezieltes chemisches Designelement genutzt werden kann.

Originalpublikation:

  • Merlin R. Stühler, Hesam Makki, Tarek Hilal, Debsena Chakraboty, Mathias Dimde, Kai Ludwig, Rainer Haag, Sabine Rosenfeldt, Dorothee Silbernagl, Andreas Schäfer, Alex J. Plajer. „Hydrogelation via Supramolecular Copolymerisation of Structural Water within Adaptive Metal–Organic Fibers“. Advanced Materials (2026) DOI: https://doi.org/10.1002/adma.202519933

BlueMat: Auftakt des ersten Exzellenzclusters der TU Hamburg

Materialforschung mit Wasser ebnet Weg für Innovationen: Der Exzellenzcluster „BlueMat – Water-Driven Materials“ an der TU Hamburg hat offiziell seine Arbeit begonnen. Das Ziel: nachhaltige, wasserbasierte Materialien zu erforschen, die neue Funktionen wie beispielsweise verbesserte Dämmung und Energiespeicherung bieten. BlueMat ist der erste Exzellenzcluster der TUHH und bündelt die Expertise mehrerer Partnerinstitutionen. Die Forschungsergebnisse von BlueMat sollen weitreichende Anwendungsperspektiven für die Industrie eröffnen. Für den Exzellenzcluster wurden insgesamt rund 60 Millionen Euro bewilligt.

Quelle BlueMat Homepage

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