Verunreinigtes Wasser stellt weltweit ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar – insbesondere in Gebieten, in denen Laboratorien knapp sind und Schnelltests lebensrettend sein können. Angesichts von Überschwemmungen, überlaufenden Kläranlagen, kontaminierten Brunnen und Leckagen in Trinkwasserleitungen häufen sich in vielen Weltregionen die gesundheitlichen Risiken. Mobile Schnelltests für mikrobiologische Verunreinigungen könnten mehr Sicherheit bieten. Einen ganz besonders schnellen stelle ich in diesem Beitrag vor.
Mobile Schnellanalytik der Wasserqualität
Forscher der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) haben jetzt einen tragbaren Schnelltest entwickelt. Dieser kann das Molekül Urobilin in extrem niedrigen Konzentrationen erkennen. Urobilin wird im Körper während des Abbaus von Hämoglobin produziert und dient bei Ausscheidung als natürlicher Indikator für Spuren von menschlichen oder tierischen Exkrementen im Wasser.
Der Test liefert ein zuverlässiges Ergebnis in weniger als einer Minute und vereinfacht die schnelle Bewertung der Wasserqualität vor Ort erheblich.
Verunreinigtes Wasser als Ursache vermeidbarer Todesfälle
Verunreinigtes Wasser, unzureichende sanitäre Einrichtungen und Hygiene (WASH) verursachen immer noch mindestens 1,4 Millionen vermeidbare Todesfälle pro Jahr. Weltweit müssen sich Milliarden von Menschen auf Wasserquellen verlassen, deren hygienische Qualität unklar oder schwer zu überwachen ist. Viel zu oft siegt der Durst – mit fatalen Folgen für die Gesundheit. Eine Beprobung des Wassers bleibt für viele Menschen unerreichbar.
Bei meinen Recherchen für diesen Beitrag bin ich auf zahlreiche aktuelle Berichte über Trinkwasserverunreinigungen gestoßen. In Indien berichtete die Hindustan Times Anfang März über eine mehrtägige Aktion, bei der mehr als 40 Prozent der Proben mikrobiologische Kontaminationen aufwiesen. Noch dramatischer erwiesen sich die Ergebnisse einer Citizen Science Kampagne in Südafrika. Im September testeten die ehrenamtlichen Teilnehmer an der WaterCAN mit mehr als 500 Test Kits die Trinkwasserqualität. In den meisten Provinzen waren 66 % der getesteten Wasserquellen für den menschlichen Verzehr ungeeignet, berichtete der südafrikanische Mail&Guardian im Dezember 2025.
Aber es gibt noch andere Anwendungsfälle bei denen es auf schnelle Ergebnisse ankommt. In Krisen ausgelöst durch Überschwemmungen, in Flüchtlingslager oder in Kriegsgebieten kommt es auf kurzfristige Ergebnisse an. Die natürlichen Wasservorräte sind dann meistens durch Schlamm und Abwässer kontaminiert. Nur selten steht eine adäquate Laborinfrastruktur zur Verfügung. Aber auch ist Zeit der kritische Faktor.
Schnelltest für mobile Anwendungen
Für diesen vielschichtigen Probleme bietet der vom BAM entwickelte Schnelltest eine Lösung. Ein spezieller Teststreifen leuchtet bei Kontakt mit mikrobiologisch kontaminiertem Wasser auf.

(GF) (Mitte) und ein optisches System, in dem alle Komponenten
für die fluorometrische Detektion mit einer Smartphone-Kamera in einem
3D-gedruckten Gerät (rechts) integriert sind. Grafik: BAM
Der Test ist mobil und schnell, weil er direkt mit einem Smartphone verwendet werden kann. Die Smartphone-Kamera kann die Lumineszenz des Teststreifens messen. Daher sind keine zusätzlichen Laborgeräte oder Chemikalien erforderlich. Dies ermöglicht ein außergewöhnlich einfaches „Drop-and-Detect“-Prinzip: Ein einziger Wassertropfen reicht aus, um in weniger als einer Minute ein lebenswichtiges Ergebnis zu liefern: trinkbares Wasser oder nicht!
Praxistest bestanden
„Das System schnitt auch bei praktischen Tests gut ab: Der Schnelltest wurde erfolgreich mit echten Wasserproben aus Flüssen sowie am Zu- und Abfluss einer Berliner Kläranlage validiert“, erklärt Swayam Prakash, der den Schnelltest als Marie Curie Fellow am BAM zusammen mit Knut Rurack, einem Experten für chemische und optische Erfassung, entwickelt hat.
Jetzt ist die Privatwirtschaft gefragt
Die Kits sind aber noch nicht so weit, dass sie kurzfristig zum Einsatz kommen können. Zunächst handelt es sich erst um Prototypen. Die Forscher:innen des BAM hoffen daher, dass die Innovation für Unternehmen in den Bereichen Umweltanalysen, mobile Diagnostik und intelligente Überwachungssysteme von Interesse sein werden, damit diese sie marktfähig weiterentwickeln und später vertreiben.
Übrigens ist das nicht die erste Innovation des BAM im Bereich Sensorik über die ich hier berichte. Erst im Dezember vergangenen Jahres griff ich den Bericht über PFAS-Schnelltests des BAM auf (siehe unten „PFAS-Labor im Taschenformat“)
Ich bin gespannt, wie es weitergehen wird.
Quelle und Weiterführendes
- Rapid Onsite Detection of Fecal Contamination in Water Using a Portable Fluorometric Assay, Swayam Prakash, Jérémy Bell, and Knut Rurack, Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), 2026
- Unsafe water found in taps, water storage tanks across South Africa, citizen tests reveal, Mail&Guardian, Dezember 2025
- Delhi water crisis: Troubled waters in city’s taps; 44% samples fail safety test, Hindustan Times, 9.3.2026
- PFAS-Labor im Taschenformat hilft bei der Schnellerkennung, LebensraumWasser, 19.12.2025
- „Abkochgebot für Trinkwasser!“ Ein Rat- und Tatgeber für Verbraucher, LebensraumWasser, 2021
Beitragsfoto: ChatGPT  Idee: Siegfried Gendries



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