Im israelischen Kfer Saba reinigt Biofilter das Regenwasser aus urbanem Raum 

Warum nicht das Regenwasser nutzen, bevor es als Ressource verloren geht. Israel hat mit zwei Naturgewalten zu kämpfen: der Trockenheit und dem Starkregen. Wenn im Herbst die heftigen Regenfälle einsetzen, hindern Asphalt und Beton das eigentlich dringend benötigte Wasser in den Boden einzudringen und die Aquifere zu füllen. Mehr als 95 Prozent der Wassermassen strömen daher ins Meer und das Süßwasser geht somit verloren. Um gereinigtes Regenwasser nutzen zu können, hat die israelische Umweltorganisation JNF-KKL „Jüdischer Nationalfonds“ eine Regenwasserrückhaltung und -Reinigung mit einem Biofilter in einem Wohngebiet der nördlich von Tel Aviv gelegenen 90.000 Einwohnerstadt Kfar Saba errichtet. Auf meiner Israel-Reise anläßlich des WATEC-Kongresses in Tel Aviv konnte ich gemeinsam mit einer tschechischen Delegation das Projekt besichtigen.

Biofilter-Anlage des JNF-KKL in Ufer Saba mit Wohngebäuden im Hintergrund

Das Regenwasser stammt von den Straßenoberflächen des aus zahlreichen Hochhäusern bestehenden Wohngebietes. Bis zu 600 Millimeter Regen fallen jährlich pro Quadratmeter, das meiste davon in kürzester Zeit im Winter. Starkregenereignisse, wie wir sie wegen des Klimawandels wohl auch zunehmend in Deutschland erleben werden, überfordern die Kanäle und schwemmen damit Schmutzwasser in die Umwelt. Das gesammelte Regenwasser ist mit Rückständen wie Motorenöle oder Reifenabrieb verunreinigt. Daher wird es aufgefangen und zur Reinigung in den naturnah gestalteten Biofilter gepumpt. In weniger als zwei Stunden durchfließt es den mit Wurzeln der Filterpflanzen durchwachsenen Boden des kleinen Areals. Das so gereinigte Wasser wird anschließend für das Befüllen des unterirdischen Aquifers (unterirdischer Wasserspeicher) genutzt, für die Toilettenspülung oder für die Bewässerung von Pflanzen eingesetzt. In das Pilotprojekt in Kfar Saba hat die Organisation rund 300.000 Sheckel (ca. 75.000 Euro) investiert.

v.l. Judith Perl-Strasser (JNF-KKL), Jindrich Duras (Department of Water Management Planning at the Povodi Vltavy State Water Company), Siegfried Gendries

Die Idee stammt von der Monash Universität in Australien und wurde von der dortigen JNF-KKL Organisation nach Israel gebracht. In weniger als fünf Jahren hat sich das Projekt ökonomisch ausgezahlt, ökologisch macht das Projekt schon viel eher Sinn, wird doch damit der Einsatz von entsalzenem Meerwasser vermieden. Das Besondere ist weniger der Pflanzenfilter, als vielmehr die Einbettung einer Wasseraufbereitungsanlage in ein urbanes Umfeld. Die Anlage ist wie ein Amphitheater aufgebaut. Von den Balkonen der benachbarten Hochhäuser können die Menschen auf ihre Wasseraufbereitungsanlage blicken. Sie bekommen dadurch einen ganz anderen Bezug zu „ihrem“ Wasser. Das war auch die Meinung der tschechischen Delegation, deren Heimat ähnlich wie Deutschland nicht unter Wasserknappheit leidet. Jakub Hrbek, aus dem Prager Umweltministerium, fügte in dem Gespräch mit mir noch einen weiteren Aspekt hinzu: „Auch in Tschechien sind die Regenwässer in den Städten häufig stark verunreinigt. Dezentrale Biofilter könnten Abhilfe im urbanen Raum schaffen, in dem sie das Wasser für eine spätere Nutzung vorreinigen.“ Ähnlich die Aussage von Jindrich Duras  (Department of Water Management Planning at the Povodi Vltavy State Water Company): „Wir haben Probleme mit zunehmenden Schadstoffen, die über Oberflächen in die Flüsse gelangen. Das ist ein Risiko für die Wasserqualität. Diese Biofilteranlage ist ein interessanter Ansatz, den wir für Tschechien prüfen werden”

JNF-KKL-Wasserexperte Yehiel Cohen erläutert der tschechischen Delegation den Aufbau des Biofilters

Die Finanzierung durch den Staat Israel steht noch aus  

JNF-KKL hat bereits in zwei weiteren Städten Israels ähnliche Projekte realisiert. Um die Finanzierung zu sichern, wünscht man sich nun vom Staat Zuschüsse. Deren Höhe möchte man an den eingesparten Wasserkosten ausrichten. Einsparungen ergeben sich zudem bei der Dimensionierung der Regenwasserkanäle. Leider war man mit diesem Vorstoß bisher nicht nicht erfolgreich. Dass mit derartigen lokalen Projekten die „Wahrnehmung von Wasserthemen“ (Awareness) in der Bevölkerung steigert, soll die Regierung zudem von der Förderfähigkeit dieser dezentralen Lösung für eine umweltfreundliche Wassernutzung überzeugen.

Der Jüdische Nationalfonds setzt sich seit 115 Jahren dafür ein, das Land und die Umwelt für die Menschen in Israel nutzbar zu machen. Mittlerweile betreibt die Organisation über 230 Wasserprojekte im ganzen Land und hat damit nach gegen Angaben über 260 Millionen Kubikmeter der wertvollsten Ressource eingespart. Der JNF-KKL hat weltweit Dependancen, so auch in Deutschland und in der Schweiz. Judith Perl-Strasser, aus dem Europa Department der Zentrale in Jerusalem, überraschte mich auf der Fahrt nach Kfer Saba mit ihrem Werben für das Trinkwasser aus ihrer Heimatstadt Wien. Es schmecke um vieles besser, als das gechlorte Leitungswasser aus den israelischen Meerwasserentsalzungsanlagen.

Danken möchte ich auf diesem Wege neben Judith, auch Kathrin Ritthgasser und Tal Kaizman vom Jüdischen Nationalfonds in Düsseldorf, die meine Reisepläne mit wertvollen Hinweisen unterstützt haben. Im vergangenen Jahr hatten sie unter dem Titel „Archäologie und Wasser“, eine spannende Themenreise nach Israel organisiert. Leider hatte ich aus terminlichen Gründen nicht daran teilnehmen können. Ich freue mich auf die nächste Gelegenheit , denn was in Israel mit dem Wasser gemacht wird, um effizient damit umzugehen, ist beispielhaft für viele Regionen mit ähnlichen Herausforderungen.

  • Hier geht es zur Website vom JNF-KKL

Bildnachweis:

  1. Siegfried Gendries
  2. JNF-KKL
  3. Siegfried Gendries
  4. Mabel Amber (Beitragsphoto)

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