Geschirrspülmittel reinigt das Besteck, schadet aber der Umwelt

In fast allen deutschen Haushalten steht eine Geschirrspülmaschine. Für die Reinigung greifen Verbraucher zu Spültabs oder -pulver. In den meisten dieser kleinen Helfer steckt ein Wirkstoff, der die Gewässer vergiften kann: Benzotriazol (BTA). Die Chemikalie wird in Geschirr-Reinigern als Korrosionsschutzmittel eingesetzt. Es soll Silberbesteck vor Lochfraß schützen und unschöne Flecken verhindern.

Das Unwissen der VerbraucherInnen

Verbraucheraufklärung ist Fehlanzeige. Auf der Packung eines Geschirrspülmittels müssen die meisten Inhaltsstoffe nur sehr grob in Gruppen angegeben werden. Die Hersteller sind nach der Detergenzien-Verordnung allerdings verpflichtet, alle Inhaltsstoffe online der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Viele Hersteller stellen diese Informationen auf ihren Internetseiten unter der Überschrift „Inhaltsstoffe nach Detergenzienverordnung“ zur Verfügung. Der Link zu dieser Produktinformation ist auf der Verpackung zu finden.

Mit der Liste der Inhaltsstoffe auf der Verpackung können Verbraucher meist wenig anfangen – Polycarboxylate, nichtionische Tenside, Phosphate, Polycarbonate, Enzyme und Duftstoffe. Ein Inhaltsstoff aber wird nicht auf diesen Verpackungen angegeben: Manche Geschirr-Reiniger enthalten Benzotriazol (BTA).

Bei dm findet man zu Ihrem Geschirrspülmittel „denkmit Geschirr Reiniger Multi Power 12“ die Angaben direkt unter „Inhaltsstoffe“ auf den Seiten des Online-Shops. Dieses Mittel enthält laut dm-Internetseite tatsächlich Benzotriazol: https://www.dm.de/denkmit-geschirr-reiniger-multi-power-12-p4010355485458.html (Abrufdatum 21.07.2020)

Online ausgewiesene Inhaltsstoffe einschließlich BENZOTRIAZOLE im Geschirrspülmittel von Drogeriemarkt dm (Abruf: 28.11.2020)

Umweltfreundlichere Maschinenspülmittel ohne Benzotriazole können Sie auch ganz einfach an dem „Blauen Engel“ erkennen, dieser verbietet nämlich die Zugabe dieser Stoffe.

Risiken durch Benzotriazol für Mensch und Natur

Benzotriazol steht im Verdacht das Hormonsystem zu schädigen. In wieweit das tatsächlich der Fall ist, lässt die europäischen Chemikalienbehörde ECHA zurzeit prüfen. Da Benzotriazole in Kläranlagen nur unzureichend entfernt werden, gelangen sie rasch in die Gewässer. Die Messwerte in den Oberflächengewässern Baden-Württembergs liegen laut einer Information des DVGW aus dem Jahr 2014 bei maximal 8 μg/l, die mittleren Konzentrationen liegen bei 0,1 bis 1 μg/l. Auch im Grundwasser wurden bereits Benzotriazole in geringen Konzentrationen nachgewiesen. Benzotzole können aufgrund ihrer Eigenschaften und ihrer Anwendungshäufigkeit als Hinweis auf eine Beeinflussung durch Abwasser herangezogen werden. Toxizitätstests an Wasserorganismen haben Schadwirkungen bei allen Benzotriazolen ergeben; diese traten jedoch erst bei Konzentrationen auf, die weit über den in Oberflächengewässern gemessenen Konzentrationen lagen.

Einen Grenzwert gibt es aktuell nicht für Benzotriazole im Trinkwasser. Vom Umweltbundesamt wurde jedoch für die Summe aus 1H-Benzotriazol und Tolyltriazol ein gesundheitlicher Orientierungswert (GOW) von 3,0 μg/l festgelegt. Laborexperimente haben ergeben, dass Benzotriazole durch eine Wasseraufbereitung mittels Ozon und Aktivkohle vollständig entfernt werden können. Benzotriazole sind daher nicht trinkwasserrelevant. Sie gefährden aber die Gewässer.

Hersteller: „Kein Risiko“ durch Benzotriazol

Der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW) teilt auf Anfrage des ARD-Magazins „W wie Wissen“ der Redaktion mit: „Nach Kenntnis des IKW stellt der Einsatz von Benzotriazol in Maschinengeschirrspülmitteln kein Risiko für die Umwelt oder die menschliche Gesundheit dar.“ Quelle: Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e. V.

Da die Stiftung Warentest auch Spülmittel mit „gut“ oder „sehr gut“ bewertete, die kein Benzotriazol enthalten, ist Benzotriazol für die Spülleistung selbst bei Silberbesteck offensichtlich nicht erforderlich. Davon abgesehen verwenden heute die meisten Menschen im Alltag Besteck aus Edelstahl. Die Verbraucherzentrale NRW rät aus Gesundheits- und Umweltschutzgründen vorsorglich davon ab, Reinigungsmittel mit Benzotriazol zu verwenden.

„W wie Wissen“ konnte keine Studien finden, in denen untersucht wurde, ob Rückstände von Benzotriazol auf dem Geschirr verbleiben, die eventuell über die Nahrung aufgenommen werden könnten. Die Redaktion geht aber davon aus, dass das Spülprogramm dieses von Tellern, Tassen und anderem Geschirr entfernt.

Quellen/Weiterführendes

Foto canstockphoto

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