Wichtige Frage: Was tun gegen die Belastungen unseres Trinkwassers? – Klarheit brauchen wir nicht nur für das Lebensmittel Nummer 1, sondern auch für die Zusammenhänge. Der WDR lud mich daher am 8. Januar 2026 in die Sendung „Neugier genügt – Redezeit“ zu einem 25-minütigen Interview mit Julia Schöning ins Kölner Studio ein.
Der WDR wollte den Schadstoffen und ihrer Herkunft auf die Spur kommen und hatte mich deshalb eingeladen, den Hörern zu erklären, wieso Schadstoffe überhaupt ins Wasser gelangen und was Politik und Trinkwasserversorger dagegen tun. Gefragt war wohl weniger die Expertise aus dem Labor, als vielmehr die der Kommunikation. Da fühlte ich mich gut aufgehoben, quasi in meinem Element.
Da mir Transparenz wichtig ist, findet ihr am Ende dieses Blogbeitrags die von von mir verwendeten Quellen.
Hier geht es zum WDR5 „Redezeit“-Beitrag vom 8. Januar


PFAS leben länger als gedacht
Die auch als Ewigkeitschemikalien bekannten PFAS sind aktuell ich den Schlagzeilen. Wegen ihrer chemischen Zusammensetzung und weil sie sich in der Umwelt anreichern, gelten sie als gesundheitsgefährdend. Deshalb gelten ab dem 12. Januar 2026 strenge Grenzwerte für unser Trinkwasser.
Da für alle mehr als 10.000 PFAS-Substanzen Grenzwerte unrealistisch sind, hat sich der Gesetzgeber auf 20 beschränkt und diese zu einem Grenzwert zusammengefasst. Für diese sogenannten PFAS-20 gilt nunmehr ein Grenzwert von 100 Nanogramm je Liter Trinkwasser. Dieses Verhältnis entspricht bildlich gesprochen einem Staubkorn in einem Einfamilienhaus.
Sollte Trinkwasser nicht absolut schadstofffrei sein? Ja, das könnte wünschenswert sein, ist aber nicht realisierbar. Die Grenzwerte orientieren sich deshalb an dem gesundheitlichen Vorsorgeprinzip.
Ein Grenzwert im Trinkwasser bedeutet daher: Diese Menge kann ein Mensch lebenslang täglich aufnehmen, ohne dass nach heutigem Wissen ein Gesundheitsrisiko besteht.
Wasserpreise könnten sich verdoppeln
Die Schadstoffe müssen an der Quelle reduziert und besser noch ganz vermieden werden. Andernfalls werden die Wasserwerke immer aufwändigere und teurere Aufbereitungstechnologien einsetzen müssen, um die Grenzwerte einhalten zu können. Damit könnten die Wasserpreise stark ansteigen. Im badischen-württembergischen Rastatt waren vor mehr als zehn Jahren PFAS im Grundwasser entdeckt worden. Um das Trinkwasser zu schützen, wurden neue Technologien eingesetzt. Die Trinkwasserpreise haben sich seit 2015 verdoppelt. Das könnte vielen Wasserkunden drohen, wenn die PFAS-Werte im Grundwasser ansteigen.
PFAS sind überall in der Umwelt und daher auch in Lebensmitteln
Alle reden über PFAS im Trinkwasser. Wir kaufen Textilien, die PFAS vor eindringendes Wasser schützen. Eigentlich nicht überraschend, dass diese Chemikalien auch Nebenwirkungen haben. Die Folgen zeigen sich jetzt in der Natur. Das betrifft aber nicht nur das Wasser. Denn auch die Böden und die Luft sind belastet. Das wirkt sich auf die Nahrungsmittel aus. Eine Studie des Uniklinikum Bonn im Auftrag des BDEW stellte sogar eine vielfach höhere Belastung von Nahrungsmitteln mit PFAS fest, als im Trinkwasser. Allerdings wird das Trinkwasser auf Einhaltung der Grenzwerte für PFAS streng überwacht. bei Nahrungsmitteln gibt es derartigen Regelungen und Überwachungen nicht.
Politik muss handeln
Aber PFAS sind nicht die einzigen Stoffe, die unsere Trinkwasserqualität bedrohen. Deshalb sollten wir alarmiert sein. Nicht alles, was in den chemischen Laboren entwickelt wird und unserem Komfort dient, bleibt folgenlos. Die Politik bleibt aufgefordert, der Industrie nicht nur auf die Finger zu schauen, sondern sie mit Verboten auch zu regulieren und wo es nicht mehr anders geht, wie beim Abwasser, im Rahmen der Herstellerhaftung an den Kosten zu beteiligen. Das gilt übrigens auch für die Landwirtschaft. Denn in den eingesetzten Pestiziden sind ebenfalls PFAS enthalten, nämlich Trifluoressigsäure (TFA). Auch wird die Politik ansetzen müssen, denn kürzer könnte der Weg eines Schadstoffes in die Nahrungsmittel nicht sein.
Mitreden bei der NRW-Landeswasserstrategie bis zum 8. Februar 2026
In NRW kann man übrigens noch bis 8. Februar an der Entwicklung der Landeswasserstrategie mitwirken. Die Bürgerschaft ist eingeladen, ihre Vorstellungen von der Zukunft des Wassers und der Wasserwirtschaft in NRW beizutragen. Hier geht es direkt zum Bürgerbeiligungsportal der H₂O-NRW Zukunftsstrategie Wasser. Mitmachen lohnt sich für die Natur und für uns!
Tipps für das PFAS-freie Einkaufen
Die Verbraucher können selber etwas gegen die Belastung tun. Das Gebot der Stunde lautet Vermeidung. Das beginnt bei der Einkaufsplanung und endet an der Ladenkasse. Nachfolgend ein paar Tipps wo PFAS zu finden sind:
- Kochgeschirr: Antihaftbeschichtete Pfannen und Töpfe.
- Textilien & Kleidung: Outdoor-Kleidung, Sportbekleidung, Zelte, Teppiche, Polstermöbel, Kinderwagen.
- Lebensmittelverpackungen: Backpapier, Fast-Food-Verpackungen, Pizzakartons, Popcorntüten, Kaffeebecher.
- Kosmetik: Wasserfeste Mascara, Lippenstifte, Foundations, Sonnenschutzmittel.
- Reinigung & Pflege: Imprägniersprays für Schuhe und Textilien, Autopflegemittel.
- Weitere Produkte: Zahnseide (Gleitbeschichtung), Elektronik, Farben, Wachse (z.B. für Skier), Feuerlöschschäume.
Einiges davon wird demnächst verboten sein, aber trotzdem gilt es aufmerksam zu sein. Die folgenden Hilfestellungen unterstützen uns dabei:
- Apps: Der BUND bietet die ToxFox-App an, um Hersteller anzufragen.
- Aufschriften: Achten Sie auf Begriffe wie PTFE, PFC, Fluorpolymer, Fluorkarbon, Fluorelastomer – nur selten wird man PFAS finden.
- Siegel: Produkte mit dem Textil-Siegel GOTS oder Öko-Tex 100 Made in Green sind PFAS-frei.
- Alternativen: Für viele Produkte gibt es Alternativen (z.B. fluorfreie Feuerlöscher).
- Händler fragen: Fachgeschäfte führen häufig PFAS-freie Alternativen.
Quellennachweis zu meinen Aussagen im Interview
Ich habe in dem Radiobeitrag viele Fakten angeführt und möchte an dieser Stelle die Quellen angeben, damit ihr euch selber ein Bild machen könnt.
Das Interview gibt es auch als Podcast überall dort wo es Podcasts gibt z.B. auf Spotify
- Was sind PFAS? – Das Umweltbundesamt liefert umfassende Informationen zu den Schadstoffen
- PFAS Dilemma – eine überaus informative Website zum Nutzen und den Risiken von PFAS
- Wie entstehen Grenzwerte? Vorsorge gegenüber Gesundheitsgefahren am Beispiel Trinkwasser, Bundesinstitut für Risikobewertung
- Wissenswertes zur Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) als Rechtsgrundlage für die Nachrüstung von Kläranlagen mit der 4. Reinigungsstufe (Umweltbundesamt)
- PFAS-Analyseergebnisse der RheinEnergie, (Abruf 5.1.2026)
- PFAS Kundeninformation des RWW mit Analyseergebnisse (Abruf 5.1.2026)
- BUND-Trinkwassertest PFAS, Nachweis von PFAS in den NRW-Stichproben
- PFAS im Wasser! Was ist zu tun? Handlungsempfehlung für Wasserversorger des BDEW
- Gutachten zu PFAS und Gesundheit des Hygieneinstituts des Uniklinikums Bonn mit Vergleich PFAS in Trinkwasser und in Lebensmitteln (Abruf 5.1.2026)
- PFAS: Industrieversicherer schaffen Klarheit über Risiken von „Ewigkeitschemikalien“, GDV – Gesamtverband der deutschen Versicherer (September 2025)
Schadstoffe im Wasser – PFAS und andere auf LebensraumWasser
- PFAS: Neues aus der Wissenschaft gegen die „Ewigkeitschemikalie“ – Vorstellung von Technologien zur Entfernung von PFAS aus dem Wasser mit den Hotspots in Deutschland, 2025
- Vom Skiwachs in die Gewässer. PFAS in der Schweizer Bergwelt, 2025
- PFAS-Labor im Taschenformat hilft bei der Schnellerkennung, 2025
- Wird die gewässergefährdende „Ewigkeitschemikalie“ PFAS europaweit verboten? Wie Politik und Industrie um ein PFAS-Verbot ringen, 2023
- Kleingewässerverschmutzung durch Pestizide stärker als angenommen, 2023
- „Verursacherprinzip scheitert“, rügt der Europäische Rechnungshof, 2021
- Pflanzenschutzmittel schädigen die Ökosysteme Gewässerböden, 2020
- NRW legt Entwurf für Landeswasserstrategie vor und lädt Bürger zur Mitwirkung ein, LebensraumWasser. 2025
War übrigens interessant mal hinter die Kulissen des WDR zu schauen. Dank dafür an Chris „Goldi“ Goldbeck.
Beitragsfoto: meine Idee und die Umsetzung von ChatGPT



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