Wasserspender und der „Wert des Wassers“ in deutschen Schulen

Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, stellt heute die von ihrem Ministerium bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Auftrag gegebene Studie zu Kosten- und Preisstrukturen in der Schulverpflegung (KuPS) vor. Gemeinsam mit ihrem Kollegen, Bundesgesundheitsminister, Jens Spahn, wirbt Klöckner dafür, DGE-Qualitätsstandards für Schulessen flächendeckend in allen Schulen zu verankern. Damit könnten sich Eltern und Schulen freuen, weil zu diesen Standards auch das Wasser trinken gehört.

Bundesministerin Julia Klöckner

In den DGE-Qualitätsstandards, auf die sich die Minister beziehen, steht „Trinkwasser steht den Schülern während des Schulalltags immer kostenfrei zur Verfügung. Dies gilt auch für die Zeit des Unterrichts. Die Bereitstellung kann beispielsweise durch Trinkwasserspender, die Installation von Brunnen oder die Einrichtung von Trinkecken in den Klassenräumen erfolgen“ (Siehe 12). Machen wir den Faktencheck! Laut Nationalem Qualitätszentrum für Ernährung in Kita und Schule, übrigens ebenfalls zum Bundesernährungsministerium gehörend, sind heute in nur einem Drittel der 33.500 deutschen Schulen Wasserspender oder Trinkbrunnen – wie von den DGE-Qualitätsstandards empfohlen – vorhanden. Demnach müssen an 22.000 deutschen Schulen die Schülerinnen und Schüler ihre Getränke mitbringen oder in der Schule kaufen. Wenn die Minister sich jetzt für die Einhaltung der Standards stark machen, dann könnten sie doch mit den Wasserspendern in Schulen beginnen. Dass Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Schülern vom ausreichenden Trinken abhängen, ist mittlerweile klar. Und trotzdem kann es nicht oft genug erwähnt werden.  

Der einfachste Weg ist das Leitungswasser aus dem Wasserhahn. Die Refill-Kampagne aus dem englischen Bristol verzeichnet auch in Deutschland immer mehr Erfolge. Mit der Trinkflasche an das Waschbecken  und einfach nachfüllen. Aber wenn im Sommer das Wasser kühl und erfrischend sein soll und Kohlensäure im Wasserhahn vermisst wird, könnte der Wasserspender helfen – auch in der Schule, denn die Kids sind nicht immer so vernünftig, dass sie auch trinken, wenn das Wasser nicht erfrischt. Denn „cool“ hat nicht immer nur etwas mit der Temperatur zu tun.

Erfahrungen mit dem Wasserspender gehen über das Durstlöschen hinaus 

Und es geht auch nicht nur um Gesundheit und den Umweltschutz. Das Trinken an der Quelle kann auch wichtige Erfahrungen für die Kids bedeuten. Wer einmal gesehen hat, mit welcher Disziplin die Schülerinnen und Schüler vor ihrem Brunnen stehen und warten bis sie mit ihrer Flasche an der Reihe sind, wird den Wert schnell erkennen. Das Wasser fliesst nur dann, wenn der Wasserspender intakt bleibt – sonst versiegt die Quelle. Ja, und die Kinder sehen, wie ihr Getränk aus der Quelle läuft, es stammt nicht aus der Dose oder Tüte. Damit wird auch wieder ein Bezug zum „Brunnen“ hergestellt, so wie es frühere Generationen erleben mussten – oder Schulkinder in Entwicklungsländern. In 25 Ländern, so die Vereinten Nationen, wenden Kinder 4 Millionen Stunden für die tägliche Versorgung mit Trinkwasser auf. Diesen bleibt wegen des täglichen Weges zum Wasserholen der Weg zur schulischen Bildung verwehrt.

Nachahmer gesucht: Pädagogisch ganzheitliche Projekte mit Vorbildcharakter 

Wie wichtig die Einbettung des Wasserspenders in ein pädagogisches Konzept sein kann, schildert mir auf Anfrage Annemarie Rohde, Landfrau aus Hohenlokstedt, am Beispiel der Friedrich-Ebert-Schule im schleswig-holsteinischen Elmshorn. Dort haben Schulleitung, Schulverein und die Stadtwerke einen Wasserspender aufgestellt. Annemarie Rohde, die im Rahmen des EU-Programms „Gesund macht schlau“ an Grundschulen erklärt, wie wichtig gesunde Ernährung und das Trinken von ausreichend Wasser sind, schildert begeistert, was das Elmshorner Modell so besonders macht, nämlich die pädagogische Einbettung. „Es ist schön zu sehen“, erklärt mir die engagierte Landfrau Rohde, „wie ganzheitlich die Schule in Elmshorn mit dem Wassertrinken umgeht.“ Die Lehrer stellen sich in die Reihe, um zu warten bis sie dran sind, es gibt eigene Unterrichtseinheiten, die sich mit dem Trinken befassen, im Unterricht darf getrunken werden und in Klassenarbeiten gibt es kurze Trinkpausen, damit die Kids fit bleiben – um nur einige Beispiele zu nennen. „In dieser Ausführlichkeit findet man das Thema selten in einer Schule verankert“, unterstreicht sie das Engagement des Schulleiters. Die Frage, ob es dafür weitere Beispiel in Schleswig-Holstein gibt, musste sich nach kurze Nachdenken verneinen …. „vielleicht eine noch“.

„Wert des Wassers“ ist vielschichtig – Politik ist gefordert

Hier könnte das kollektive Nachdenken und Handeln der Verantwortlichen ansetzen. Die Politik in Bildung, Ernährung und Umwelt könnten den „Wert des Wassers“ aus gesundheitlicher, ökologischer und pädagogischer Sicht in den Schulen erkennen und entsprechend handeln. Die Schulen bieten eine ausgezeichnete Gelegenheit, pädagogisch fundierte Einflussnahme auf die Entwicklung der Kinder mit gesunder Ernährung und der Bewusstseinsbildung zu verbinden. Die Politik sollte auch Schulleiter und Fördervereine nicht alleine lassen. Es darf nicht an den Finanzmitteln scheitern. Schon heute sind Stadtwerke und Wasserversorger die Finanzierungspartner. Hier ist eine Chance für andere Sponsoren. Lokale Betriebe können hier Gutes tun. „Co-Sponsoring“, teilen Sie sich die Unterstützung der Schulen. Auch das pädagogische Konzept sollte stimmig sein. Lehrer und Schulleiter sollten nicht jedesmal vor Vorne beginnen müssen. Benötigt werden Netzwerke, wie die Vernetzungsstellen für Schulverpflegungen in NRW und Baden-Württemberg. Darin müssten beste Beispiele und Erfahrungen aber auch ganzheitlich pädagogische Konzepte ausgetauscht werden. Davon gibt es sicher einige mehr. Sie sind womöglich nur nicht bekannt. Vielleicht können da auch die Wasserversorger unterstützen – oder deren Branchenverbände wie der BDEW oder der VKU.

Weiterführendes

Fotos: Canstock (C), Gendries, CDU Rheinland-Pfalz

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