„Den deutschen Gewässern könnte es besser gehen“, berichtet die Bundesregierung der EU-Kommission

Alle deutschen Gewässer müssen bis 2027 in gutem Zustand sein, das fordert die EU. Da bleibt viel zu tun. Denn derzeit erfüllen nur 8 Prozent diese Vorgabe. Die meisten Gewässer sind in unbefriedigendem oder gar schlechtem Zustand. Die meisten Oberflächengewässer in Deutschland sind in mindestens unbefriedigendem ökologischem Zustand. Schuld daran ist maßgeblich die Landwirtschaft. Die Wasserentnahmen durch Wasserversorger und Agrarbetriebe ist überwiegend nachhaltig. Das geht aus dem Bericht „Die Wasserrahmenrichtlinie – Deutschlands Gewässer 2015“ des Bundesumweltministeriums an die EU-Kommission hervor. Damit beschreibt sie den Zustand, die Zielerreichung gemäß Wasserrahmenrichtlinie und Maßnahmen zur Erweichung der Zielvorgaben der EU beim Wasser in Deutschland. Demnach sind rund 34 Prozent der Gewässer in einem „unbefriedigenden“, 19 Prozent sogar in einem „schlechten“ Zustand. Bei 36 Prozent sei die Qualität „mäßig“, knapp 8 Prozent werden als „gut“ und nur 0,3 Prozent als „sehr gut“ bewertet (siehe Grafik). Die häufigsten Ursachen für das Verfehlen des „guten ökologischen Zustands“ sind veränderte Gewässerstrukturen – und damit fehlende Habitate – und eine zu hohe Nährstoffbelastung der Fließgewässer.

bildschirmfoto-2016-11-01-um-18-47-58Im Rahmen der EU-Wasserrahmenrichtlinie müssen alle deutschen Gewässer bis spätestens 2027 in gutem Zustand sein. Die Mitgliedstaaten sollen alle sechs Jahre die Entwicklung in einem Bericht dokumentieren. Nach Einschätzung des Berichts „Deutschlands Gewässer 2015“ sind von allen zehn Flusssystemen in Deutschland die Donau und ihre Zuflüsse im besten Zustand. 20 Prozent der Donau und ihrer Nebenflüsse wie Isar oder Inn werden als sehr gut oder gut bewertet. Dahinter folgen die Flussgebiete von Maas, Rhein und Eider. Am Rhein und seinen Zuflüssen sind zwölf Prozent der Flächen in einem mindestens guten Zustand. Am schlechtesten schneiden die Flusssysteme von Ems (Niedersachsen) und Schlei/Trave (überwiegend Schleswig-Holstein) ab, gefolgt von Oder und Weser. An der Ems sind lediglich 1 Prozent der Flächen in mindestens gutem Zustand, im Schlei/Trave-Raum sieht es nur wenig besser aus.

Insgesamt, so betont der Bericht jedoch, habe sich der Zustand der Gewässer in Deutschland in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. So gebe es etwa im Rhein wieder viele durchgängige Gewässerabschnitte für Wanderfische wie etwa Lachse. Insgesamt gelte es aber, die Landwirtschaft umweltfreundlicher zu machen und den Eintrag von Plastik und Schadstoffen wie etwa Quecksilber und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) zu verringern.

Umweltministerin Barbara Hendricks mahnt Presseberichten zufolge weitere Maßnahmen zum Schutz von Gewässern an. „Jahrhundertelange Belastungen können wir nicht mal eben in kurzer Zeit beseitigen“, sagte sie. Strengere Regeln für die Düngung seien nötig. Der ökologische Zustand von Gewässern hängt vor allem von deren biologischer Vielfalt und den enthaltenen Schadstoffen ab.

Landwirtschaft trägt maßgeblich zur Gewässerbelastung und zum Verfehlen des Nachhaltigkeitsziels bei

Die deutsche Landwirtschaft erzeugt neben den Agrar-Produkten jährlich im Durchschnitt auch einen Überschuss von rund 100 Kilogramm Stickstoff pro Hektar. Im Jahr 2009 wurde mit 84 Kilogramm pro Hektar das für 2010 gesteckte Nachhaltigkeitsziel von 80 Kilogramm Stickstoff pro Hektar nahezu erreicht. Seitdem steigen die Stickstoff-Überschüsse jedoch wieder an. Damit wurde das gesteckte Ziel verfehlt. Dazu haben, erklärt der Bericht, vermutlich der vielfältige Umbruch von Dauergrünland zum nachfolgenden Biomasseanbau (häufig Mais) beigetragen. Wie hoch der Anteil der Landwirtschaft an dem Zustand der Gewässer ist, dokumentieren die nachfolgenden Fakten:

  • Von den Stickstoffeinträgen in die Oberflächengewässer stammen fast 80 Prozent aus der Landwirtschaft.
  • Beim Phosphor stammt etwa die Hälfte der Einträge aus dem Agrarbereich, wogegen die Kläranlagen in Folge der Phosphoreliminierung ihren Beitrag deutlich gesenkt haben.
  • Vor allem der ungleich verteilte Viehbesatz, der regional einen hohen Anfall an organischen Düngern und Nährstoffanreicherung in den Böden zur Folge hat, die mangelnde Einhaltung und Überprüfung der geltenden Düngeverordnung und auch die hohe Nährstoffverwendung in einigen Kulturen, wie dem Gemüseanbau, sind dem Bericht zufolge gravierende Gründe für Nährstoffbelastungen von Gewässern aus landwirtschaftlichen Quellen.

Nachhaltigkeit bedeutet, nicht mehr Grundwasser zu entnehmen, als sich neu bildet

Deutschland ist kein „Wasserknappheitsland“. Dennoch vermelden jeden Sommer verkünden Zeitungsschlagzeilen regionale Engpässe. In knapp 5 Prozent der Grundwasserkörper wurden Belastungen durch Wasserentnahmen gemeldet. Das entspricht 54 von insgesamt knapp 1.180 Grundwasserkörpern in Deutschland. Um einen „guten mengenmäßigen Zustand“ im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie sicherzustellen, darf die entnommene Wassermenge die Grundwasserneubildung nicht überschreiten. Die zulässigen Entnahmen sollten deutlich geringer sein als die Neubildungsrate. Würde man die Wassermenge entnehmen, die zufließt, käme es durch den unvermeidbaren Senkung des Grundwasserspiegels und zu einer Minderung der Wassermenge, die in Oberflächengewässer und Feuchtgebiete strömt. Insgesamt gibt es in Deutschland nur wenige Grundwasserkörper, die übermäßig genutzt werden. Von allen Grundwasserkörpern verfehlen lediglich 4,3 Prozent den „guten mengenmäßigen Zustand“.

Rhein bei Kaiserswerth (Foto Gendries)

Rhein bei Kaiserswerth (Foto Gendries)

Grundwasserkörper in einem „schlechten mengenmäßigen Zustand“ finden sich in den Flussgebieten Rhein, Elbe, Oder, Maas, Schlei-Trave und Warnow-Peene. Im Flussgebiet Warnow-Peene wurden durch eine umfängliche Wasserbilanzierung sinkende Grundwasserstände identifiziert. In den Flussgebieten Rhein, Maas und Oder ist der „schlechte mengenmäßige Zustand“ häufig eine Folge des Braunkohle-Bergbaus. Hier wurde oft über viele Jahrzehnte der Grundwasserspiegel stark abgesenkt. Selbst nach Beendigung des Bergbaus wird es Jahrzehnte dauern, bis sich der natürliche Grundwasserspiegel wieder eingestellt hat. Hier setzten auch die Maßnahmen an.

Vor allem die Reduzierung der Wasserentnahmen durch den Bergbau und zur Grundwasseranreicherung steht auf der Maßnahmenliste ganz oben. Weniger relevant sind hingegen Maßnahmen zur Reduzierung der Wasserentnahmen für die öffentliche Wasserersorgung und die Landwirtschaft.

Die Verantwortung liegt bei den Verursachern

In den kommenden Jahren stellen sich für den Wasserhaushalt in Deutschland bedeutende Herausforderungen. Dies sind neben der Umsetzung der ambitionierten Bewirtschaftungspläne und Maßnahmenprogramme insbesondere:

  • Die Landwirtschaft umweltfreundlicher gestalten, um die Nährstoff- und Pestizideinträge zu senken.
  • Mikroverunreinigungen wie Pestizide, Quecksilber, polyzyklische aromatischeKohlenwasserstoffe (PAK) und Perforierte Chemikalien (PFC) weiter reduzieren.
  • Plastikeinträge in Binnen- und Heeresgewässer vermeiden.
  • Klimacheck und Anpassungsmaßnahmen in Be­zug auf Gewässertemperatur und Niedrigwasser.
  • Maßnahmen zum Umgang mit Starkregen, Sturzfluten und Hochwasser auf der einen Seite und Trockenheit mit Absenkung des Grundwasserspiegels auf der anderen Seite müssen entwickelt werden.

Bis 2021 sollen insgesamt weit über 100.000 Einzelmaßnahmen in den Bundesländern umgesetzt werden. „Diese immense Aufgabe,“ erklärt Peter Fuhrmann, Vorsitzender der Bund/Länder­Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA), „ kann nur in enger Zusammenarbeit zwischen den Behörden, Nutzern und Maßnahmenträgern erfolgen. Ausreichende finanzielle und personelle Ressourcen bei den zuständigen Stellen in den Ländern, aber auch auf Seiten des Bundes sind hierfür eine Grundvoraussetzung. Kleinere Kommunen können die Aufgaben der Wasserrahmenrichtlinie oft nicht allein meistern und müssen durch zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten oder bei der Planung der Maßnahmen durch die Umweltverwaltung unterstützt werden.“

Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft stellen ein wesentliches Problem dar. Neben den Maßnahmen zur Reduzierung der Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft ist eine Vielzahl von konzeptionellen Maßnahmen geplant. Darunter sind Beratungsmaßnahmen für die Landwirte zu verstehen. Sie umfassen beispielsweise Beratungs- und Schulungsangebote zur gewässerschonenden Flächenbewirtschaftung oder zum effizienten Einsatz von Düngemitteln. Weiterhin werden Kooperationen zwischen Landwirten und Wasserversorgern mit dem Ziel der gewässerschonenden Landbewirtschaftung angeboten, vorwiegend jedoch zur Sicherung der Trinkwasserqualität.

Zu hohe Nährstoffbelastungen im Grundwasser, aber auch in den Oberflächen- und den Küstengewässern führen dazu, dass die Bewirtschaftungsziele oftmals nicht erreicht werden können. Hier wird die Düngeverordnung des Bundes und die Agrarpolitik der EU ansetzen müssen, um die Ziele zu erreichen. Es ist wichtig, dass der Gewässerschutz und die Ziele, die wir damit verfolgen, in der breiten Öffentlichkeit angesprochen werden, um die Akzeptanz für die Umsetzung von Maßnahmen zu erhöhen. Denn ohne die Menschen vor Ort mitzunehmen, wird die Wasserrahmenrichtlinie nicht den gewünschten Erfolg haben können.

Hier geht es zum Bericht klick hier!

Siehe auch auf Lebensraumwasser Nitrate und Wasserpreise

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