Was sich bei den Wasserzählern seit 1. November 2016 geändert hat und was Versorger tun können

Wasserkunden, die sich demnächst über neue Bezeichnungen auf Wasserzählern oder in den Rechnungen wundern, können beruhigt sein, denn mit den Änderungen hat alles seine Richtigkeit. Nachfolgend wird kurz erklärt, warum das so ist und was sich genau ändert.

Europäische Messgräterichtlinie harmonisiert Zählerbezeichnungen

Seit November 2016 dürfen nach Ablauf einer zehnjährigen Übergangsfrist nur noch Kaltwasserzähler eingebaut werden, die den Vorgaben einer EU-Richtlinie entsprechen. Die Änderung der Zählerbezeichnungen war notwendig geworden, weil die EU mit der so genannten Messgeräterichtlinie („Measurement Instruments Direktive“ – kurz MID) europaweit einheitlich geregelt hat, wie Messgeräte hergestellt und als regelkonform erklärt werden. Vieles davon betrifft in erster Linie den Hersteller, die Kunden merken von den Änderungen nur wenig, aber sie müssen sich an neue Bezeichnungen gewöhnen. Die Durchflussmenge der Zähler bleibt gleich und auch die Preise bleiben unberührt. Aber seit Beginn des Monats dürfen Zähler mit den alten Bezeichnungen nicht mehr neu eingebaut werden.

Was ändert sich an den Bezeichnungen?

Am gebräuchlichsten ist bisher der Zähler Qn 2,5. Das „n“ steht für „Nenndurchfluss“ und die dahinter stehenden Ziffern geben an, wie viel Wasser in einer Stunde durch den Zähler fliessen kann (Kubikmeter/Stunde); wobei der kurzzeitige Maximaldurchfluss Max auch noch deutlich darüber liegen könnte. Die Bezeichnung Qn wird nun ersetzt durch Q3, was „Dauerdurchfluss“ bedeutet (siehe Tabelle 1). Der Qn 2,5 ist gewissermaßen der Standardwasserzähler. Er kann nach dem maßgeblichen Regelwerk in Wohngebäuden von bis zu 30 Wohneinheiten eingebaut werden, daher ist er am weitesten verbreitet.

Neue und alte Zählerbezeichungen

Tabelle 1: Neue und alte Wasserzähler-Bezeichungen

Aus der bisherigen Bezeichnung Qn 2,5 wird die neue Bezeichnung Q3=4m³/h. Auch die anderen Zähler werden mit neuen Bezeichnungen versehen, so wird der Qn 6 zum Q3=10m³/h (siehe Tabelle 2) oder je nach Dauerdurchflussmenge auch z. B. Q3=6,3m³/h. Der neue Zähler ist aber nicht größer als der bisherige, der Dauerdurchfluss bildet nur eine größere Menge, als der Nenndurchfluss ab. Der Zähler Q3=4m³/h soll aber aufgrund der „engeren“ MID-Prüfvorgaben für die Hersteller in der Lage sein, kleinere Durchflussmengen genauer zu erfassen.

Die alten und die neuen Bezeichnungen für Wasserzähler

Tabelle 2: Vergleich der Bezeichnungen für unterschiedliche Größen

Wo findet man die neuen Bezeichnungen?

Die neuen Bezeichnungen findet man überall dort, wo die Zählergrößen angegeben und zum Beispiel für die Preisberechnung von Bedeutung sind.

Das sind zunächst einmal die Zähler selbst. Was früher die Nenngröße war (Abbildung unten – Zähler links), ist zukünftig der Dauerdurchfluss (Zähler rechts).

Überleitung alte Zählerbezeichnung - neue Zählerbezeichnung

Überleitung alte Zählerbezeichnung – neue Zählerbezeichnung (Grafik Zenner mit Ergänzung Gendries)

 

 

 

 

 

 

 

Auch in den Preisblättern oder Tarifen der Wasserversorger müssen die Bezeichnungen zu finden sein, wenn die Größe des Zählers als Bemessungsgrundlage z.B. für den Grundpreis eine Rolle spielt oder ein Preis für den Zähler erhoben wird.

PRAXISTIPP: Wasserversorger sollten ihre Preisinformationen anpassen 
Es erscheint besonders kundenfreundlich und transparent, wenn bis auf weiteres mindestens beide Bezeichnungen in den Preisblättern angeführt werden. Die Wasserversorger könnten Missverständnisse bei den Wasserkunden vermeiden, in dem sie sich an dem Vorschlag in der Tabelle 3 orientieren. Das erleichtert den Kunden den Überblick, wenn die neuen Bezeichnungen auf den neu eingebauten Zählern stehen und ggf. auch in den Trinkwasserrechnungen schon enthalten sind. Vereinzelt geben Versorger beide Werte an (z.B. Stadtwerke Porta Westfalica). Auch sollten Versorger auf die Änderungen bei den Zählerbezeichnungen beispielsweise in den FAQ oder in den Kundeninformationen hinweisen. Gerade beim Thema Wasserzähler scheint ein besonderes Maß an Sensibilität angebracht.

Tabelle 3 - Beispiel für Preisblatt mit Überleitung

Tabelle 3 – Beispiel für Preisblatt mit Überleitung auf neue Zählerbezeichnungen

Der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) erklärt hierzu auf Anfrage: „Preisblätter und Gebührensatzungen müssen demnach an die neuen Zählerbezeichnungen angepasst werden, soweit der Grundpreis / die Grundgebühr nach der Zählergröße bemessen wird.  Nach unseren Erkenntnissen aus den VKU-Mitgliedsunternehmen haben zahlreiche Wasserversorger der unterschiedlichsten Unternehmensgrößen und –formen diese Anpassungen bereits vollzogen.“ Ähnlich auch der BDEW, der trotz der nur schrittweisen Einführung der neuen Zähler eine Anpassung der Preisblätter mit der vorgeschlagenen Überleitung aus Transparenzgründen für sinnvoll erachtet.

Es gibt noch viel mehr Änderungen, die aber für die Kunden weniger wichtig sind 

Die Konformitätserklärung ersetzt die bisherige Eichung. Ob ein Hersteller die Anforderungen erfüllt, und ob die Messgeräte, die er in Verkehr bringt den Anforderungen der MID entsprechen, wird von „Benannten Stellen“ (z.B. Physikalisch-Technische Bundesanstalt – PTB) zu Beginn des Herstellungsprozesses und in der Folge im Rahmen von Überwachungen kontrolliert. Danach liegt die Verantwortung zur Einhaltung der Vorschrift beim Hersteller. Die Richtlinie macht keine Vorgaben bezüglich der Eichgültigkeit. Das bedeutet, dass in Deutschland auch weiterhin Kaltwasserzähler nach 6 Jahren ausgewechselt werden müssen, oder die Eichgültigkeit mittels Stichprobenverfahren verlängert werden kann.

Die Änderungen, gehen aber noch weit über das oben Geschilderte hinaus. Wer sich für das Thema interessiert, wird u.a. hier beim IKHS-Fachjournal und bei den Zählerherstellern ALLMESS oder Zenner fündig.

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