Bundesregierung antwortet: 24 Fragen zum Wasserverbrauch und zu Wasserpreisen in Deutschland

Deutschland ist reich an Wasservorräten. Ob das aber auch so bleiben wird und wie sich der Bedarf verändern lässt, wollten die GRÜNEN im Bundestag wissen und haben eine Kleine Anfrage gestellt. Mit ihrer Beantwortung hat die Bundesregierung jetzt auf 24 Fragen jene Fakten und Einschätzungen geliefert, wie es mit der Wasserversorgung, der Nachfrage und den Wasserpreisen in Zukunft in Deutschland weiter gehen könnte. Auf einige davon geht der nachfolgende Beitrag ein.

Wasserdargebot ist insgesamt ausreichend, aber es könnte Engpässe geben

Größte Auswirkungen auf die Wasserressourcen und deren Nutzung hat bekanntlich der Klimawandel. Er werde Starkregenereignisse und Hitzeperioden mit sich bringen, prognostizieren die Klimaforscher. Dies werde sich auf das Grundwasserdargebot regional unterschiedlich auswirken, erklärt die Bundesregierung in ihrer Antwort. Aufgrund zunehmender Winterniederschläge könnten in Regionen mit sehr durchlässigem Boden trotz gleichbleibendem oder abnehmendem Sommerniederschlag bei einer erhöhten Verdunstung im Sommer mit einem tendenziell größeren Grundwasserdargebot gerechnet werden. Von dauerhaft sinkenden Grundwasserspiegeln seien insbesondere Regionen betroffen, in denen eine (saisonal) geringe Grundwasserneubildung bei vergleichsweise kleinen Grundwasservorkommen stattfinde (siehe Grafik).

In den „roten Regionen“ könnte es eng werden mit dem Wasser

Die sind unterhalb des Anstiegs der Inflationsrate geblieben. Wie sie sich bis 2050 entwickeln werden, kann die Bundesregierung nicht beantworten.  

Die GRÜNEN interessieren sich auch für die Lenkung des Wasserverbrauchs und haben daher nach der Höhe und den Eingriffsmöglichkeiten bei den Wasserpreisen gefragt. Laut Statistisches Bundesamt liegen die Kosten für Privathaushalte für die Trinkwasserlieferung im Bundesdurchschnitt bei 1,69 Euro pro Kubikmeter und einer Grundgebühr für die Versorgungsleistung in Höhe von 70,98 Euro pro Jahr (2013). Daraus errechnen die Statistiker für einen als Durchschnittsverbrauch eines Zwei-Personen-Haushalts in Höhe von 80 Kubikmetern jährliche Gesamtkosten von 206,18 Euro (vgl. Destatis). Von 2005 bis 2013 hätten sich die Kosten für den Beispiel-Haushalt um 11 Prozent, damit bleiben sie unter dem Anstieg der Inflationsrate.

Auf die Frage, ob die Ressourcenkosten über die Entgelte ausreichend gedeckt seien, offenbart die Antwort Klärungsbedarf. Es gäbe weder auf europäischer noch auf nationaler Ebene bisher ausreichend valide Zahlen, die eine Bezifferung der durch die Wasserentnahmen verursachten externen Umweltkosten ermöglichen würden. Vielmehr hätten die Diskussionen um das Kostendeckungsgebot des Artikels 9 der Wasserrahmenrichtlinie gezeigt, dass dafür nicht einmal eine konsensfähige Methodik vorliegt. Dieses Unwissen offenbart die Bundesregierung.

Die Frage, wie sich die Wasserpreise bis zum Jahr 2050 entwickeln werden, bleibt dagegen verständlicherweise unbeantwortet. „Eine Prognose dazu kann die Bundesregierung nicht treffen. Die Preisentwicklung für die Bereitstellung von Trinkwasser und die Abwasserentsorgung war in den vergangenen Jahren (2005-2013) moderat, das heißt sie lag noch unter der Inflationsrate.“

So könnte  es meines Erachtens auch weitergehen, aber wie beispielsweise Studien zur Nitratbeseitigung gezeigt haben, müsste dann mehr für den präventiven Gewässerschutz getan werden, sonst wären die Wasserkunden die Leidtragenden. Zudem offenbaren die landesweiten Benchmarkingprojekte auch Nachholbedarf bei den Netzinvestitionen. Daran ändert auch die im europäischen Vergleich geringe Wasserverlustrate nichts. Steigende Investitionen läßt auch die Digitalisierung der Wasserwirtschaft erwarten. Damit könnten absehbar auch die Wasserpreise steigen.

Der Wasserverbrauch wird weiter zurück gehen, die Vorhalteleistungen der Versorger aber bleiben.

Die GRÜNEN wollten auch wissen, wohin sich der Wasserverbrauch entwickeln werde. Für die industrielle Wassernutzung geht die Bundesregierung in ihrer Antwort davon aus, dass in den nächsten Jahren das produktionsintegrierte Abwasserrecycling weiter flächendeckend umgesetzt wird. Hierzu werden zahlreiche öffentliche Förderprogramme angeboten. Auch effizientere Kühlsysteme könnten den Wasserbedarf und die Wärmelast der Gewässer reduzieren. Daher sei im Prinzip von einem sinkenden Wasserbedarf der Industrie in Deutschland auszugehen.

Dieser Verbrauchsrückgang wird zwar nicht ausschliesslich bei den Wasserversorgern, er wird sie aber auch nicht verschonen. Während die Kraftwerke ihr Kühlwasser aus öffentlichen Gewässern beziehen und viele Großindustrielle Produktionsstätten über eigene Brunnen verfügen, sind es die klein- und mittelständischen Betriebe, die ihren Wasserbedarf durch die lokalen Versorger decken. Wenn sie weniger verbrauchen, trifft es den örtlichen Wasserversorger. Weiter erklärt die Antwort: „Inwieweit ggf. Schwankungen durch die wirtschaftliche Entwicklung auftreten und den industriellen Wasserbedarf beeinflussen, müsse gesondert abgeschätzt werden.“ Wenn die Betriebe ihren Verbrauch reduzieren, müsste der Versorger reagieren. Zwar wäre es Kaffeesatzleserei, hierzu eine Prognose zu treffen, aber wenn die Unternehmen wegen steigenden Kosten bei der Abwassereinleitung ihre Wirtschaftlichkeit im Griff halten müssen oder sie als Vorlieferanten den Kundenforderungen nachkommen müssen, weil diese ihre Wasserbilanz in den Produkten verbessern wollen, dann ist ein Nachfragerückgang zu erwarten. Immer mehr Konzerne reduzieren ihren Wassereinsatz in den Produkten und fordern dies auch von ihren Vorlieferanten. Problem für viele Versorger wird die Absicherung des möglichen Ersatz-Bedarfs sein. Denn nur weil ein Kunde seinen Verbrauch reduziert, wollen oder können viele Versorger ihre Vorhalteleistung nicht reduzieren. Die Brunnen zur Eigenversorgung könnten ja ausfallen oder der eine Wasseraufbereitungsanlage auf dem Werksgelände ausfallen, dann ist der Versorger die Rettung. Aber wer das bezahlt, muss auch gefragt werden können.

Zur Frage nach den Senkungspotenzialen beim gewerblich-industriellen Wasserverbrauch erklärt die Bundesregierung: „Die umgesetzten Projekte zeigen, dass eine Senkung des Wasserverbrauchs in der Industrie mit geeigneten Maßnahmen möglich und sinnvoll ist. Das Einsparpotential hängt von der Industriebranche ab und kann nicht pauschal benannt werden.“

Die Bundesregierung geht auch davon aus, dass die Wassernutzung in privaten Haushalten aufgrund der Modernisierung der Haushaltsgeräte weiter zurückgehen wird. Inwieweit allerdings Verhaltensänderungen der Nutzer und Nutzerinnen insbesondere in den Sommermonaten bei steigenden Temperaturen (z. B. Anstieg des Wasserbedarfs durch häufigeres Duschen, Wasser für Pools und Gartenbewässerung etc.) sich auf den Wasserbedarf auswirken, sei nicht bekannt. Die Annahmen zur Bevölkerungsentwicklung des Statistischen Bundesamtes liessen einen weiter sinkenden Wasserbedarf in den Privathaushalten allein durch die sinkenden Einwohnerzahlen bis zum Jahr 2060 erwarten. Heute liegt der Verbrauch von Privathaushalten und Gewerbe bei umgerechnet 121 Liter je Einwohner täglich. Ob dieser schon seit vier Jahren weitgehend unveränderte Wert so bleiben wird, muss sich erst noch zeigen.

Umfassende Informationsquelle über Wasser

Diese Antwort ist eine umfassende Quelle über den Vorrat und die Entwicklung der Wasserressourcen sowie den Wasserbedarf in den verschiedenen Sektoren, wozu neben den Privathaushalten und dem gewerblichen Sektor auch die Landwirtschaft zählt. Ein aussagekräftiges Dokument für jeden, der sich mit der Wasserversorgung in Deutschland vertraut machen will.

Quellen

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