„Internet der Dinge“ beim Leitungswasser (Rückblick auf die IFA 2015)

Die Unterhaltungsmesse IFA war wieder einmal ein Besuchermagnet. Angezogen von neuen Smartphones, Fernsehern und anderen Kommunikationstechnologien strömten die Interessierten nach Berlin. Hat diese Messe auch einen Bezug zum Wasser? Warum dieser Beitrag? „Smart Home“ lautet das Stichwort. Das vernetzte Zuhause, das auch bei Wasser zu wirken beginnt. Sei es der Wasserverbrauch intelligenter Waschmaschinen oder die Leckagewächter, die mit dem Bewohner kommunizieren. Dieser Beitrag beschreibt, wie auch der häusliche „LebensraumWasser“ vom „Internet der Dinge“ oder „Digitalisierung 4.0“ erfasst wird.

Ressourcenschutz und Schadensprävention bei Smart Home
Eigentlich überraschend wie lange es gedauert hat, bis die Technologie-Anbieter Leckagen in den häuslichen Rohrleitungen und deren Folgeschäden in Wohngebäuden wahrgenommen haben. Mit den Smart Home-Anwendungen rund um die Heizung und die Gebäudesicherheit entsteht, auch ein Warnsystem für Leckagen in der Hausinstallation oder andere „ungewollte Wassereignisse“. Sei es durch schadhafte Trinkwasserleitungen oder durch Überschwemmungen in Folge von Starkregenereignissen, im Haus gehört Wasser in die Leitung oder in das Waschbecken. Läuft es auf den Boden, dann soll Smarte „Hauswächter“ aktiv werden. Soviel zu den Ankündigungen. Was bieten diese nun? Machen wir einen Rundgang. Zunächst einmal ist die Anzahl der Smart-Home-Anbieter mit Leckage-Sensoren vergleichsweise übersichtlich. Wenn, dann ist es nur eine Ergänzung des bestehenden Produktportfolios.

Devolo-Wassermelder (Foto: Gendries)

Devolo-Wassermelder (Foto: Gendries)

Aber es gibt sie: Unternehmen wie DEVOLO oder die als Schreibmaschinen-Hersteller bekannte OLYMPIA bieten Stecker-ähnliche Sensoren an, die über Boden hängen und ausgelöst durch eine plötzlich auftretende Wasserlache Alarm schlagen sollen. Die Nachfrage nach diesen Applikationen, so erklären die Unternehmensvertreter bescheiden, ist im Vergleich zu Fenstersicherungen oder anderen Alarmen eher gering. Dabei geht es auch weniger um Schäden an den Rohrleitungen, als vielmehr um die Starkregenereignisse, die in manchen Regionen nicht an der Kellerdecke halt machen, sondern das Haus von unten fluten. Das System Home Control von Devolo (Starter-Kits ab ca. 200 Euro) nutzt die Stromleitungen und Funk zur Kommunikation verschiedener Alarmgeräte untereinander.  

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TFA Wassersensor       (Foto: Gendries)

Ähnlich funktioniert auch das Weather Hub genannte Angebot des Herstellers TFA, der ansonsten in erster Linie Wettersensoren herstellt. Auch hier übertragen die installierten Sensoren für Feuchtigkeit, Wind, Wasser und Sicherheit die Daten per Funk über ein Gateway-Modul und das Internet direkt an einen Server. Dort können sämtliche Informationen aus Ihrem Haus weltweit über Ihr Smartphone abgerufen werden.

Wie groß die Kluft zwischen Werbung und Angebot noch ist, zeigt die Telekom. Zwar wird bei der QIVICON Home Base – der Steuerungszentrale für die Smart-Home-Komponenten – bei der Grundausstattung die Funktionalität „Wassermelder“ aufgeführt, das Gerät dafür sucht man unter den vielen angebotenen Zwischensteckern, Heizungssteuerungen und so weiter allerdings noch vergebens. Insoweit bleibt es bei der Ankündigung hier auch etwas für die häusliche Wassersicherheit bieten zu wollen. Einzig das Angebot von RWE und SYR füllt diese Lücke, in dem es den Zufluss der häuslichen Leitung in dem Moment stoppt, wo das System Undichtigkeiten darin erkennt. Aber auch diese Lösung konnte auf der Messe zunächst nur mit Hilfe eines Prototypen vorgestellt werden.

Versicherer bringen zusätzliche Bewegung in den Markt
Die Versicherungswirtschaft hat das Problem der Wasserschäden in Wohngebäuden schon lange im Blick. In der gebundenen Wohngebäude-Versicherung beklagt die Branche schon seit Jahren steigende Leitungswasserschäden. Fast 1,2 Millionen waren es in 2014, Tendenz steigend. Diese Entwicklung muss die Assekuranz auf den Plan rufen. Deshalb gibt es auch vereinzelte Kooperationen zwischen den Herstellern und den Versicherern. So arbeiten die ALLIANZ und der IT-Hersteller PANASONIC zusammen. Erfasste Daten werden als Beweis für die Hausrat-Versicherung genutzt. Schafensregulierungskosten bis 1.500 Euro jährlich, die durch Einbrüche entstehen, werden von der Versicherung gedeckt. Der Dienst kostet knapp 10 Euro monatlich. Auch wenn es perfekt klingt, über die meldung gehen die Systeme nicht hinaus. Wer zu der Zeit gerade im Urlaub oder im Büro ist, wird davon nur wenig Nutzen haben. Wenn die Regenwasserpumpe im Keller ausfällt und das Wasser ansteigt, dürfte es vermutlich zu spät sein. Ebenso wenig wird es helfen, wenn ein defektes Wasserrohr lediglich gemeldet wird und das Wasser aber weiter fliesst. 

Noch sind die Geräte zu teuer – Smart-Home weckt die Experimentierfreude der Kunden
Noch sind die Geräte vergleichsweise teuer und haben ganz sicher einen entscheidenden Nachteil: Man legt sich mit dem Kauf auf ein System fest. Denn praktisch alle Lösungen brauchen eine Steuerzentrale, die erstmal gekauft und eingerichtet werden muss, bevor weitere Geräte per App oder Web-Automatik gesteuert werden können. Es ist praktisch unmöglich, die Produkte anderer Hersteller in ein bestehendes Steuer-Netz einzubauen. Im Schlimmsten aller Fälle ist der Kunde gezwungen, zwei oder mehrere Systeme gleichzeitig zu betreiben. Man muß natürlich als Nutzer bereit sein, eine Lücke zu schließen. Das System liefert die Daten. Irgendwie muss dann natürlich noch jemand in Aktion treten, insoweit können die Systeme auch erst einmal als eine „Spielwiese“ für Technik affine Nutzer verstanden werden.

Ausblick nach dem Rückblick: Entwicklungspotenzial für mehr Sicherheit und Qualität in der Hausinstallation
Insgesamt, so mein Eindruck von der IFA, spielt Wasser in den Smart-Home-Anwendungen bislang eine nur untergeordnete Rolle. Das ist zumindest das (zugegebenermaßen wenig repräsentative) Fazit der IFA. Auch der Blick auf die Websites der Anbieter vermittelt keinen anderen Eindruck. Das wird sich aber sicher ändern. Während das Thema Ressourcenknappheit in anderen Regionen die technologische Entwicklung treibt, dürften auch in Deutschlands Küchen und Kellern Geräte Einzug halten, die mit mehr Intelligenz weniger Wasser verbrauchen. Die Sicherheitssensoren gegen die zunehmenden Kellerüberschwemmungen und unvermeidbaren Rohrleitungsschäden werden zwar immer wichtiger, solange sie dem Anwender aber nur etwas mitteilen, was schon eingetreten ist, sind die Systeme durchaus noch ausbaufähig. Ein Anfang ist jedenfalls gemacht. Die Systeme können aber sicher noch mehr: Bald werden sie auch Stagnationen in den Hausleitungen erkennen oder vor Verkeimungen warnen können. Bio- oder Hygiene-Sensoren haben das Entwicklungsstadium schon lange verlassen, eine Integration in die Smart-Home-Anwendungen würde Sinn machen und wäre technisch möglich. Auch muss der Überwachungsraum nicht an der Kellerwand enden. Auch der Hausanschluss, die Achillesferse beim Leckagemonitoring der Wasserversorger, könnte in die Überwachung durch den Kunden einbezogen werden. Warten wir es einmal ab, spätestens bei der nächsten IFA dürfte es Neuigkeiten geben.

Ein Gedanke zu “„Internet der Dinge“ beim Leitungswasser (Rückblick auf die IFA 2015)

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