Die Schwachen schützen! Handlungsbedarf bei Trinkwasserinstallationen in Krankenhäusern

Egal wofür in Krankenhäusern und Altenheimen das Leitungswasser verwendet wird, beste Qualität und einwandfreie hygienische Bedingungen in der Gebäudeinstallation sind unverzichtbar. Ob zum Trinken, in der Pflege, zur Reinigung und Desinfektion oder als Dusch- oder Badewasser, die Bewohner dieser Einrichtungen sind auf die beste Trinkwasserqualität angewiesen. Während die Wasserversorger mit ihrer Qualitätssicherung für einwandfreies Wasser sorgen und die regelmäßig kontrollieren, gibt es Bereiche, die sich ihrer routinemäßigen Kontrolle entziehen: die Trinkwasserinstallation in den Gebäuden. Das betrifft auch – und vielleicht insbesondere – Krankenhäuser und Altenheime. Dort sind die Betreiber zuständig – und die stehen nicht selten unter Kostendruck, was ganz sicher nicht zu Lasten der Bewohner der Einrichtungen gehen sollte.

Waschbecken im Altenheim

In diesen so genannten sensiblen Einrichtungen kann es problematisch werden, wenn sich die im Naturprodukt Trinkwasser enthaltenen Mikroorganismen in den weit verzweigten Leitungsnetzen der Einrichtungen vermehren. „Beeinträchtigungen der mikrobiologischen Qualität des Wassers entstehen in der Regel nachträglich in der Trinkwasserverteilung im Krankenhaus. Hier gibt es diverse Schwachstellen wie z. B. die Trinkwassererwärmungsanlagen“, konnte man in der Zeitschrift Management & Krankenhaus schon 2011 nachlesen. „Auch lange Verweilzeiten des Wassers kann Probleme auslösen.“

Anders als in normalen Gebäuden kommen in Krankenhäusern und Altenheimen viele immungeschwächte Personen mit Leitungswasser in Kontakt. In ihrem Zustand stellen sie eine Risikogruppe bei verkeimten Wasser dar. Zwar erfasst die Trinkwasserverordnung diese Einrichtungen mit besonderen Prüfpflichten für die Trinkwasserqualität, aber der Handlungsbedarf geht offenkundig darüber hinaus, wie Fachleute unisono erklären. Besondere Vorsicht ist auch angerauscht, schliesslich liefern die Rohre und Armaturen Überlebenswichtiges.

Befragung von Krankenhausbetreibern belegt Handlungsbedarf 

Dieser Frage gingen die „Partner für Wasser“ nach. Die PfW, u.a. die Unternehmen Hansa, Uponor und Grünberg bringen Jahrzehntelange Erfahrungen im Trinkwassersektor mit. Sie kennen die Unzulänglichkeiten in der häufig vernachlässigten Gebäudeinstallation und wollen daher für mehr Hygiene und Sicherheit im Umgang mit Trinkwasser in den sensiblen Einrichtungen sorgen. PfW waren dann auch die Auftraggeber der Studie „Trinkwasser-Hygiene im Health Care Bereich“. Im Herbst 2016 wurden 309 Krankenhäuser und Alten-bzw. Pflegeheime zum Zustand und Handlungsbedarf bei ihren Trinkwasserhausinstallation befragt. Dass tatsächlich etwas passieren sollten, mögen die folgenden Ergebnisse der Befragung belegen:

  • Nur etwa jede vierte Anlage wurde in den letzten 5 Jahren saniert oder zumindest teilsaniert, in den letzten 10 Jahren nur etwa ein Drittel der Anlagen.
  • Knapp 45 % gaben an, die Wartungs- und Reinigungsintervalle strikt einzuhalten (was machen die anderen 55%?)
  • Jede fünfte Einrichtung unternahm keinerlei Maßnahmen zur Risikovorsorge.
  • Nur jede dritte Anlage wurde einem externen Audit unterzogen.
  • In 102 Einrichtungen (also mehr als jeder vierten) wurden Probleme mit Legionellen oder E.coli u.a. berichtet.

Diese Rückmeldungen der Teilnehmer an der Befragung belegen, wie es im Abschlussbericht des beauftragten Marktforschungsinstituts IESK heißt, “in eindrucksvoller Form den Handlungsbedarf in dem sensiblen Bereich der Trinkwasserversorgung dieser kritischen Einrichtungen.“ Diese Schlussfolgerung wirft nahezu zwangsläufig die Frage auf, wie es bei jenen Betreibern von Krankenhäusern und Alten- bzw. Seniorenheimen aussieht, die nicht an der ersten Befragung von 1.500 Einrichtungen dieser Art in Deutschland teilgenommen hatten. Es ist ganz sicher an der Zeit, dass dem Thema Qualitätssicherung in der Gebäudeinstallation eine größere Aufmerksamkeit geschenkt wird, damit wir auch in Zukunft das Leitungswasser unbeschwert geniessen können.

„Partner für Wasser“ klären bei Trinkwasser im Healthcare-Sektor auf

Am 6. November beginnt das Expertennetzwerk Partner für Wasser (PfW) e.V. in Berlin mit einer Vortragsreihe unter dem Titel „Trinkwasserhygiene-Dialog Healthcare 2018“. Damit wollen sie die Sensibilisierung und Aufklärung bei der Trinkwasserinstallation in sensiblen Einrichtungen vorantreiben und in die öffentliche Diskussion bringen. Dr. Dietmar Peterson, Leiter der Qualitätssicherung der Berliner Wasserbetriebe beschreibt in seinem Vortrag „Trinkwasserhygiene ist kein Zufallsprodukt: Regeln und Know-how sind unerlässlich und müssen konsequent umgesetzt werden“, die Anforderungen an eine qualitativ hochwertige Trinkwasserversorgung. Auch wenn dies zunächst als die Sichtweise eines Kommunalversorgers verstanden werden könnte, so müssen sich auch Betreiber von Hausinstallationen in Gebäuden bewusst sein, dass sie diese Anforderungen ebenfalls einhalten müssen. Die Trinkwasserverordnung gilt nämlich im gleichen Maße auch für den Betreiber von Trinkwasserinstallationen in Gebäuden (Vermieter aufgepasst! …. auch in Wohngebäuden). Den Aspekt der Haftung wird Andreas Labicki, Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht bei ZIRNGIBL, Rechtsanwälte Partnerschaft mbB, mit seinem Vortrag „Achtung Haftungsfalle: Wo lauern Gefahren beim Betrieb von Trinkwasseranlagen?“ skizzieren. Wer Berlin nicht schafft, hat am 13.11.2018 Gelegenheit, den Health Care Dialog in Stuttgart zu besuchen. Für April 2019 ist dann noch eine weitere Veranstaltung in Mülheim an der Ruhr geplant.

Weiterführendes

  • Risiken in der Hausinstallation: Beim Leitungswasser kommt es auch auf den letzten Meter an! (LebensraumWasser)
  • Dürfen häusliche Trinkwasserinstallationen stiefmütterlich behandelt werden? (LebensraumWasser)
  • „Trinkwasseranlagen – Mehr als nur turnusmäßige Legionellenprüfung“
    BundesBau-Blatt
  • „Wer macht was beim Trinkwasser“ – Zuständigkeiten beim Trinkwasser (NRW-Umweltministerium)
  • Sehr aufschlussreich die Informationen der Stadt Hannover zu Trinkwasser
  • „Untersuchungspflichten bei öffentlich bereitgestelltem Trinkwasser“ (Triwala)

Foto: Gendries

 

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