Würden die Wasserzähler länger leben, könnten die Mietnebenkosten sinken

Wer denkt schon an seinen Wasserzähler und ahnt, welche Kosten damit verbunden sind? Viele Milliarden Euro zahlen deutsche Mieter und Hausbesitzer für die Messgeräte. Die Beträge könnten deutlich geringer sein, wenn die Zähler nicht so oft gewechselt würden, hat eine Studie errechnet. 500 Millionen Euro könnten Mieter an Nebenkosten sparen, wenn die so genannten Eichfristen verlängert würden. Dabei dürften auch die Einsparungen bei den Wasserversorgern eine wichtige Rolle spielen, denn auch diese sollten die Nutzungsdauern ihrer Hauswasserzähler verlängern.

Der Deutsche Mieterbund, Haus & Grund und einige andere Immobilienverbänden haben einen „Vorschlag zur Vermeidung unangemessen hoher Kosten durch Änderungen des Mess- und Eichrechts für Wasserzähler“ erarbeiten lassen. Damit werden die aus technischer Sicht verfrühten Auswechselungen der Zähler in deutschen Wohnungen kritisiert. Unter dem Titel „Wasser sinnvoll zählen – und weniger zahlen“ hat das Hamburg Institut die Berechnungen angestellt, was den Mietern und Hausbesitzern die kurzen Wechselintervalle kosten und gespart werden könnte. In dieselbe Richtung hatte unlängst das Bundeskartellamt bei seiner Sektoranalyse der Zählerdienstleister argumentiert.

An den Wasserzählern kann man nicht sparen, wohl aber an ihrer Nutzungsdauer

Jedes Haus mit einem Anschluss an das öffentliche Trinkwassernetz verfügt über einen Hauswasserzähler. Darüber rechnet der Versorger seine Wasserlieferung mit dem Gebäudeeigentümer ab. In Mehrfamilienhäusern kommen noch die Wohnungswasserzähler dazu. Sie sind in den meisten Bundesländern gesetzlich verpflichtend und dienen der Aufteilung Wasser- und Abwasserkosten zwischen den einzelnen Mietparteien. Das deutsche Eichrecht verlangt, dass die Wasserzähler vor dem Einbau geeicht werden. Kaltwasserzähler sind nach sechs Jahren auszutauschen, Warmwasserzähler nach fünf Jahren. Die Autoren der Studie haben festgestellt, dass in der Praxis Wohnungswasserzähler kalt und warm oft gemeinsam nach bereits fünf Jahren getauscht würden, um die Anfahrten zu optimieren. Der Haushalt zahle dafür jeweils 75 Euro, weitere 45 Euro Kosten entstünden durch Wartezeiten des Mieters. Dadurch entstünden, so rechnet das Institut vor, jedes Jahr Kosten in Höhe von rund einer Milliarde Euro. Dieser Aufwand sei angesichts der Folgen möglicher Fehlmessungen unverhältnismäßig. 500 Millionen Euro liessen sich bei den Zählern sparen, wenn die Fristen verlängert würden. Die Studienautoren verweisen auf einen konservativen Ansatz bei ihrer Rechnung. Das scheint gerechtfertigt. Wenn man nämlich annimmt, dass für die Wechselprozesse der Hauswasserzähler ca. 50 Euro angesetzt werden können, dann lassen sich bei einer Verdopplung der Nutzungsdauern der rd. 20 Millionen Hauswasserzähler weitere 500 Millionen Euro in einem Wechselzyklus sparen

Es gibt schon heute Verlängerungsmöglichkeiten für die Nutzungsdauer der Zähler. Wenn mit Hilfe von Stichproben nachgewiesen wird, dass die Zähler noch messgenau arbeiten. dann kann ein Zähler für drei Jahre erneut zugelassen werden. Für die Details ist die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) zuständig. Die Studienautoren verweisen auf eine gegenwärtig stattfindende Diskussion über eine Neuformulierung der Vorgaben.

Schon heute würden die Stichprobenverfahren den gängigen Wasserzähler (Qn 1,5 – 2,5) die geforderten Messgenauigkeiten bis zu 20 Jahren bescheinigen. Auch aus Ressourcensicht scheint eine Verlängerung Sinn zu machen, denn in der Praxis werden jährlich wahrscheinlich mehr als acht Millionen voll funktionstüchtige Wasserzähler bzw. deren Messkapseln ersetzt und entsorgt.

Bei einem Vergleich der durchschnittlichen Nutzungsdauern von Wasserzählern zeige sich, so die Studie, dass in Deutschland die Zähler durchschnittlich schon nach 7,7 Jahren ausgetauscht werden, während sie in Skandinavien 12,6 Jahre, in Frankreich 18,2 Jahre und in Spanien und Portugal sogar 22,9 Jahre installiert bleiben, ehe der Austausch anstehe. „Bei einer Verlängerung der Nutzungsdauer von Wasserzählern auf ein Niveau wie in Frankreich oder Nordamerika könnten Kosten in Höhe von deutlich über 500 Millionen eingespart werden“. Nutzungsdauern von Wasserzählern (Q.: WELMEC) Nutzungsdauern von Wasserzählern (Q.: WELMEC)[/caption]

Wasserversorger dürften sich über verlängerte Fristen freuen

Die Wasserversorger dürften der möglichen Änderung der eichrechtlichen Bestimmungen mit Interesse entgegensehen. Sie könnten mit einer Verdopplung der Nutzungsdauern im nennenswerten Umfang Kosten sparen. Innerhalb der Branche wird schon seit längerem über längere Eichfristen diskutiert.

Auch die technologische Entwicklung bei den Wasserzählern käme einen Schritt weiter.  In England und in Spanien kommen zunehmend „intelligente“ Wasserzähler auf Basis von Ultraschalltechnik und Funkübertragung zum Einsatz. Diese können auch kleinste Durchflüsse messen und somit Leckagen nicht nur feststellen, sondern auch melden. Derartige Zähler sind sehr im Vergleich zu den herkömmlichen Zählern deutlich teurer. Sie seien aber generell langlebig und wartungsarm – ein Austausch wird eigentlich erst nach rund 12 Jahren fällig, wenn die Batterie leer ist. Ihr Einsatz rechne sich, so viele Versorger, erst mit einer deutlich längeren Nutzungsdauer. Dann aber zahlen sie sich aus, zumal auch die jährlich Ablesung der Zählerdaten entfallen könne. Damit wäre doch die Verlängerung der Eichfristen ein ökonomischer Hebel für digitale Wasserzähler.

15 Jahre als Eichfrist könnten sich auszahlen 

Angesichts der technischen Möglichkeiten, der Fristen in anderen europäischen Staaten und der ökonomischen Einsparpotenziale schlägt das Hamburg Institut vor, die Eichfristen gesetzlich auf mindestens 15 Jahre zu verlängern. Schon sind die ersten Kommunalpolitiker aktiv geworden und fordern Anpassungen. So wird die Stadt Overath mit einem Bürgerantrag aufgefordert, sich für eine Änderung des Eichgesetzes einzusetzen, damit die Wasserzähler künftig seltener gewechselt werden müssen und so die Portemonnaies der Bürger geschont werden.

Weitergehende Informationen

  • Hier geht es zur Studie „Wasser sinnvoll zählen – und weniger zahlen“, Hamburg Institut
  • Immobilien-Zeitung „Verbände fordern längere Eichfristen für Wasserzähler“
  • Kölner Stadtanzeiger, Bürgerantrag Overath
  • Intelligente Zähler

Ein Gedanke zu “Würden die Wasserzähler länger leben, könnten die Mietnebenkosten sinken

  1. Pingback: Teure Wasserzählerwechsel sorgen für hohe Wasserpreise und Mietnebenkosten | LebensraumWasser Der Wasser-Blog

Was meinen Sie dazu?