„Kommunal 4.0“ und „Wasser 4.0“ sollen digitale Transformation beschleunigen

Bisher wurde Digitalisierung nur selten mit Wasserwirtschaft in Verbindung gebracht. Dafür kommt jetzt umso mehr Bewegung in das Thema. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gab unter „Kommunal 4.0″ in der vergangenen Woche den Startschuss für eine Studie, die untersuchen soll, wie stark die kommunale Wasserwirtschaft in Deutschland bereits digitalisiert ist. Zudem soll eine gemeinsame Daten- und Service-Plattform für Unternehmen geschaffen werden. Das Umweltbundesamt (UBA) hat unter dem Titel „Wasser 4.0“ Ende Juni im Auftrag des Bundesumweltministeriums ein Ausschreibungsverfahren für eine Digitalisierungsanalyse und Netzwerkbildung abgeschlossen. Mit diesen Projekten soll die digitale Transformation in der deutschen Wasserwirtschaft unterstützt und beschleunigt werden.

Digitale Lösungen als Antwort auf den Klimawandel 

Der parlamentarische Staatssekretär Dirk Wiese erklärt beim BMWi-Projektstart: „Stark schwankende Wetterlagen und Niederschlagsmengen stellen die Betriebe der kommunalen Wasserwirtschaft vor große Herausforderungen: Plötzliche Unwetter wie die der vergangenen Wochen erfordern schnelle, flexible und vorausschauende Reaktionen. Dabei ist es wichtig, dass benachbarte Wasserbetriebe koordiniert vorgehen. Digitale Lösungen, die das in Echtzeit ermöglichen würden, werden aber noch zu selten angewendet. Zwar erfassen die einzelnen Betriebe viele Daten, diese sind aber häufig nur intern verfügbar. Hier setzt das vom BMWi geförderte Projekt „Kommunal 4.0“ an, die die Wasserwirtschaft dabei unterstützen soll, die Potenziale der Digitalisierung besser zu nutzen und sich übergreifend zu vernetzen. Wasser- und Abwasseranlagen sollen so zukünftig vorausschauender und kostengünstiger betrieben und geplant werden. Die Folgen von Unwettern sollen so gemildert werden.“

Big Data soll schnelle Reaktionen der Wasserversorger möglich machen

Im Rahmen des Projekts „Kommunal 4.0“ wird eine branchenspezifische digitale Daten- und Service-Plattform entwickelt. Auf ihr sollen die Datenbestände einzelner Wasserbetriebe verknüpft und übergreifend zugänglich gemacht werden. Die Initiatoren erhoffen sich davon eine flexiblere Steuerung der Betriebe. Dies ist insbesondere im Unwetter-Fall geboten. Im Rahmen der jetzt gestarteten Studie werden zunächst die Anforderungen der Wasser- und Abwasserbetriebe an die neue Plattform erfasst. Außerdem wird untersucht, wie stark die Betriebe schon heute digitalisiert sind.

UBA-Projekt zu Verknüpfungen der Systeme in der Wasserwirtschaft „Wasser 4.0“  

Anfang Juli wurde ein Bewerbungsverfahren für ein Forschungsprojekt des Bundesumweltministeriums beendet, das auf den ersten Blick in einigen Facetten Überschneidungen zum BMWi-Projekt vermuten lässt. Das Forschungsvorhaben „Chancen und Herausforderungen der Verknüpfungen der Systeme in der Wasserwirtschaft (Wasser 4.0)“ zielt auf eine  Bestandsaufnahme sowie Darstellung der aktuellen Entwicklungen, der Problemstellungen und Herausforderungen im Bereich der Digitalisierung und Vernetzung der Wasser- und Abwasserwirtschaft (Wasser 4.0) ab. Schwerpunktmäßig sollen die Themen Flussgebietsmanagement und kommunale Infrastruktur (Wasser- und Abwasserbewirtschaftung) betrachtet und analysiert werden. Das umweltpolitische Potenzial und die Relevanz einer digitalisierten Wasserwirtschaft und der zu lösenden Aufgaben sollen dargestellt werden. Die Ergebnisse dieser Analyse sollen in einer Sachstandsdarstellung zusammengefasst werden. Diese soll z.B. die zu erwartenden Umweltentlastungen, Anpassungsmaßnahmen sowie die Risiken (z.B. Umwelt- und digitale Risiken) aufgreifen. Auf Basis der Bestandsaufnahme soll ein Status-Quo-Workshop zum fachlichen Austausch und zur Schaffung eines gemeinsamen Verständnisses über die Problemstellungen und Herausforderungen zur Thematik Wasser 4.0 durchgeführt werden.

Da die Themen Digitalisierung und Vernetzung in der Wasser- und Abwasserwirtschaft aus Sicht des UBA bisher nur unzureichend als gemeinsame Aufgabe und Herausforderung behandelt werden, soll im zweiten Teil des Workshops mit den Teilnehmenden über die Etablierung eines zukünftigen Netzwerks Wasser 4.0 diskutiert werden.

Digitalisierung der zwei Geschwindigkeiten in Deutschland?
Es sind gerade die strukturellen Besonderheiten der deutschen Wasserwirtschaft, die eine einheitliche Entwicklung in der Digitalisierung so schwierig gestalten werden. Den insgesamt weit über 10.000 kleinen und mittelgroßen Wasser- und Abwasserunternehmen fehlt es nach bisherigen Erkenntnissen an den notwendigen finanziellen und kapazitativen Ressourcen sowie dem Zugang zum Know-how, um die Herausforderungen im Zusammenhang mit der Digitalisierung und Wasser 4.0 zu bewältigen. Vertreter kommunaler Spitzenverbände fürchten sogar schon eine Digitalisierung der zwei Geschwindigkeiten in Deutschland. Während die großen Versorger zumal in Stadtwerken von ihren Größenvorteilen profitieren bzw. das Know-how aus der Energiewirtschaft nutzen können, bleiben die kleinen und mittelständischen Wasserver- und Abwasserentsorger zumeist auf sich gestellt. Für sie sind die von den Bundesministerien geförderten Projekte sehr wichtig.

Die mit „Wasser 4.0“ angestrebte Plattform klingt nach einer Cloud-Lösung, deren Daten die Unternehmen nicht nur einspielen, sondern auch nutzen sollten. Das setzt in den Unternehmen auch die Fähigkeiten voraus, sich des gebotenen Instrumentariums zu bedienen. Das ist sehr für die Wasserwirtschaft möglicherweise optimistisch gedacht. Das Beratungsunternehmen KPMG kommt in einer Studie zur Anwendung digitaler Daten in deutschen Unternehmen zu folgendem Ergebnis: „In drei von vier Unternehmen verfügen die Mitarbeiter nicht über die notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse, um das Geschäft auf Basis von Datenanalysen voranzutreiben.“ Da es sich hierbei um Unternehmen mit bereits digitalen Geschäftsmodellen handelt, dürfte bei der Wasserwirtschaft von einem noch größerem Kompetenzdefizit ausgegangen werden. Befragte von KPMG sehen das größte Potenzial, um mit Hilfe von Datenanalysen einen Mehrwert für das eigene Unternehmen zu schaffen, in den Bereichen Personal, Kunden und Prozesse. Hier bietet sich in Folge dessen mit der Digitalisierung eine Möglichkeit an, den Kunden in die Fokussierung aufzunehmen. Insoweit können aber auch gerade die Forschungsvorhaben der Ministerien dazu geeignet sein, die erforderlichen Anstösse zu geben und Rahmenbedingungen zu setzen.

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Wo Befragte größte Potenzial sehen, um mit Hilfe von Datenanalysen einen Mehrwert für das eigene Unternehmen zu schaffen (Q.: KPMG, 2017)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Informationen: 

Quellenhinweis:

  • Beitragsgrafik Digital Transformation Machine | by bryanmmathers (wapisasa)
  • TagCloud KPMG, 2017

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