Umfrage zeigt, wie es um die Trinkwasserhygiene in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen bestellt ist

Die Qualität unseres Trinkwassers ist bestens; muss auch so sein, immerhin handelt es sich um ein Lebensmittel. Das garantieren Versorger und Behörden. Aber was passiert, wenn das Wasser die öffentliche Trinkwasserleitung verläßt und die Hausinstallation durchfließt? Wenn die nicht genauso gut kontrolliert und gewartet wird wie die öffentlichen Leitungen, dann könnte das Wasser seine gute Qualität einbüßen. Schon in Wohnhäusern ist die Beschaffenheit der Leitungsrohre und Armaturen wie Wasserhähne u.a. von großer Bedeutung, in sensiblen Einrichtungen wie Krankenhäusern und Alten-/Pflegeeinrichtungen kann die Einhaltung der Hygienestandards beim Trinkwasser aber überlebenswichtig sein. Diesem Thema hat sich der Anfang des Jahres gegründete Verein Partner für Wasser e.V., gewidmet. Er will sich für die Trinkwasserqualität in sensiblen Einrichtungen einsetzen. Seine Aktivitäten hat er jetzt mit einer Umfrage zur Trinkwasserhygiene in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen gestartet. Der Umgang mit kranken und alten Menschen erfordert besondere Maßstäbe und stellt höchste Ansprüche an Qualität und Sicherheit – auch des Trinkwassers. Daher wollen die Partner für Wasser, die Unternehmen Grünbeck, Uponor und Hansa, ihr Know-how einbringen, um etwaige Unzulänglichkeiten abzustellen.

Am 19.10.2016 wurden in Berlin die Ergebnisse der vom Institut für empirische Sozialkommunikation (I.E.S.K.) in Düsseldorf durchgeführten Umfrage zur Beschaffenheit von Trinkwasseranlagen in Krankenhäusern und Pflegeheimen vorgestellt. Neben den spannenden Ergebnissen war schon die Antwortquote ein Erfolg. Über 20 Prozent (309) der bundesweit kontaktierten Betreiber von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen haben sich an der Umfrage beteiligt.

Zweidrittel der Einrichtungen hatten Leckagen. Besonders anfällig die alten Anlagen

Über 70 Prozent hatten schon Leckagen in ihrer Trinkwasseranlage. Auffällig dabei, dass die Leckagen, also Undichtigkeiten der Kalt- oder Warmwasserführenden Rohrleitungen, mit steigendem Alter der teilweise bis zu 100 Jahre alten Einrichtungen zunahm. So hatten 90 Prozent der Kliniken mit einem Alter von jenseits der 50 Jahre bereits Leckagen. Wiederum zwei Drittel führen im Zusammenhang mit Leckagen das fehler- oder schadhafte Material an, das verbaut wurde. Ein wenig verwunderlich ist auch, dass 30 Prozent der Trinkwasserinstallationen sind zwischen 25 und 100 Jahre alt und demnach nicht saniert worden sind.

Befragung TRINKWASSER HYGIENE im Health-Care-Bereich

Befragung TRINKWASSER HYGIENE im Health-Care-Bereich

„Wir sind zunächst froh, dass unsere Umfrage auf relativ große Offenheit stieß“, sagt der Studien- und Institutsleiter, Dr. Uwe Pöhls. Das sei ein Zeichen für Know-how-Bedarf und Transparenz. „Der Umgang mit der Trinkwasserinstallation und mögliche Probleme im Betrieb sind kein Tabuthema mehr“, so Pöhls.

Die Ergebnisse belegten auch qualitative Auffälligkeiten. Durchschnittlich jede dritte Einrichtung hatte in den vergangenen zehn Jahren schon einmal ein Qualitätsproblem mit dem Trinkwasser u.a. E.Coli, Legionellen und ähnliches, bei den Krankenhäusern war es sogar jede zweite Einrichtung. Wobei Legionellen bei jeder dritten aufgetreten war. Und auch hier spielte das Alter der Einrichtung wieder eine entscheidende Rolle.

Der PfW-Vorsitzende Joachim Stücke, der die Erhebung in Auftrag gegeben hat, fühlt sich bestätigt: „Die Partner für Wasser sind im Frühjahr angetreten, um im Health-Care-Sektor stärker für die Trinkwasserhygiene zu sensibilisieren. Die Auswertung der Umfrageergebnisse zeigt, dass die Hygiene ich beim Trinkwasser viel mehr Aufmerksamkeit verdient, weil er maßgeblichen Einfluss auf die Gesundheit der Patienten hat.“

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Trinkwasser und Gesundheit – Infrastrukturen auf höchstem Niveau

Die hohen Standards der Versorgung lassen sich an der flächendeckenden Verfügbarkeit von Ärzten, Fachärzten, Krankenhäusern oder z.B. auch von Einrichtungen für die Versorgung von alten Menschen ablesen. Kaum ein anderes Land verfügt über solch ein engmaschiges und hochqualitatives medizinisches Versorgungssystem. Allerdings steht dieser Teil des Gesundheitssystems seit mindestens 20 Jahren auch unter dem Einfluss von zahlreichen sehr weit greifenden Interventionen auf den Ebenen von Bund, Ländern und Gemeinden. Die demografische Entwicklung und die steigenden Kosten für immer bessere Versorgung wurden schon mehrfach „Kostendämpfungsversuchen“ unterworfen. Mit unterschiedlichem Erfolg. Manche Auswirkungen treten sehr offen zu Tage. In so manchem älteren Klinikum stößt man auf hochspezialisierte Zukunftstechnologien aber auch auf Gebäuden aus der Kaiserzeit. Dies stellt berechtigterweise die Frage, ob die Infrastruktur unseren hohen Anforderungen auch unter diesen Rahmenbedingungen Stand halten kann. Mit dem am 1.1.2016 in Kraft getretenen „Gesetz zur Reform der Strukturen der Krankenhausversorgung“ sollen die Qualitätsaspekte größeres Gewicht erhalten und die stationären Versorgungsstrukturen verbessert werden. Damit sind strukturelle und finanzielle Voraussetzungen geschaffen worden, um die Unzulänglichkeiten in Krankenhäusern und Pflegeheimen abzubauen. Die Befragungsergebnisse sollten Anlass geben, sich den Handlungserfordernissen zu widmen. Jetzt sollen die Ergebnisse mit Verantwortlichen aus Politik und sensiblen Einrichtungen diskutiert werden, um für die Zukunft die Trinkwasserqualität zu sichern. Eins ist den Partnern und den Experten, die sie unterstützen, wichtig: es soll sensibel sensibilisiert werden.

Partner für Wasser

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