Wie gelingt der Wasserwirtschaft die digitale Transformation, ohne ihre Sicherheit zu gefährden? Wo sind ihre Grenzen bei der KI-Evolution? Fragen, bei der auch Künstliche Intelligenz nicht weiterhelfen kann. Professor Dr. Christoph Donner, Vorstandsvorsitzender des RUHRVERBAND, machte sich dazu seine persönlichen Gedanken.
Die Wasserwirtschaft befindet sich in einer Zwickmühle. Sie will effizienter, nachhaltiger und innovativer werden. Gleichzeitig unterliegt sie als essentielle Daseinsvorsorge und somit kritischer Infrastruktur (KRITIS) all jenen Beschränkungen, die sie unter anderem vor Cyberattacken und anderen Risiken bewahren sollen. Das ist ein entscheidender Grund dafür, dass sich die Bevölkerung und die Wirtschaftsunternehmen auf die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in Deutschland verlassen können. Mit dem Fortschreiten der digitalen Transformation der Wasserwirtschaft ist die Bereitstellung dieser kritischen Dienstleistungen zunehmend abhängig von Datenflüssen und hochkomplexen, stark vernetzten und mit Informationstechnologien durchzogenen Infrastruktureinrichtungen.
Die Künstliche Intelligenz spielt dabei eine zunehmend wichtigere Rolle. Sie unterstützt Unternehmen dabei, Prozesse effizienter zu gestalten, sei es im Betrieb der technischen Anlagen, im Personalmanagement oder in administrativen sowie kommunikativen Prozessen. Anderseits wachsen damit auch die Risiken, und infolgedessen die Anforderungen an die Unternehmensverantwortlichen und Mitarbeiter.
Eine persönliche Perspektive beim Umgang mit KI
Was aber bedeutet dies konkret? Welche Herausforderungen muss die Unternehmensführung in der Wasserwirtschaft bewältigen? Das fasste Professor Dr. Christoph Donner, Vorstandsvorsitzender des RUHRVERBAND, den ich seit vielen Jahren kenne und schätze, mit eigenen Worten zusammen und offenbarte darin seine persönliche Zwickmühle.
„Ich würde mich selbst als einen technikbegeisterten und innovationsfreudigen Manager im Wasserbereich bezeichnen. Doch welche Evolutionsgeschwindigkeit weist die KI-Szene derzeit auf! Wenn wir auch nur einen Bruchteil dieses Tempos beispielsweise im Assetmanagement oder in der Verfahrenstechnik hätten: wo würden wir heute in kürzester Zeit stehen?
Wir sind in unserer Branche keine Start-ups, sondern solide Technologieunternehmen. Umso herausfordernder ist es, das Tempo der KI-Evolution zu verstehen und aktiv zu begleiten. Nicht nur die BSI-Rahmenbedingungen, sondern vor allem der verantwortungsvolle Umgang mit sensiblen Daten lassen es nicht zu, „einfach mal etwas auszuprobieren“. In dieser Hinsicht sind wir eher Schwimm-Anfänger, die versuchen, theoretisch schwimmen zu lernen, ohne im Wasser zu sein.

(Foto: Ruhrverband)
Ein aktuelles Beispiel für diese rasante Entwicklung ist Open Claw. Die Software basiert auf Künstlicher Intelligenz, die Computer selbstständig fernsteuern kann, also auf sogenannten KI-Agenten (Bots) – ein verfügbares KI-Agentensystem. KI beantwortet hier nicht mehr nur Fragen, sie erledigt Aufgaben und übernimmt erstmals komplette Arbeitsschritte: Sie prüft Inhalte, stellt autonom Rückfragen, trifft Entscheidungen innerhalb definierter Rahmenbedingungen, ohne dass jeder Schritt manuell angestoßen werden muss.
Unsere Aufgabe verändert sich dadurch grundlegend. Wir definieren künftig primär Ziele und Rahmenbedingungen. Ausführung, Variation und Geschwindigkeit werden indes zunehmend von der KI übernommen. Das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine verschiebt sich deutlich, Plattformen wie „Rent-a-Human“ drehen diese Logik bereits provokant um.
Wie gehe ich als Manager verantwortungsvoll damit um? Meine Strategie:
- Die rasante KI-Evolution weiter begleiten und die Grundzüge verstehen. Gleichzeitig müssen wir im Unternehmen fähige KollegInnen haben, die, vernetzt mit externen Fachexperten, Entwicklungen screenen und bewerten.
- Sichere Teillösungen nach sorgfältiger Prüfung zeitversetzt implementieren. Wohlwissend, dass wir dabei eine deutlich langsamere, aber kontrollierte Unternehmensevolution durchlaufen werden.
- Wie nehmen wir den Großteil der KollegInnen mit und welche Prozesse und Aufgaben verändern wir? (Change Management)
- Immer klar vor Augen behalten: Wir als Management sind verantwortlich für alles Handeln in unserem Unternehmen. KI kann agieren, aber wir haften.
- Die KI-Evolution ist Teil unseres Daseins mit Chancen und Risiken. Die Fähigkeit, damit umzugehen, im Unternehmen aufzubauen, muss ein zentrales Ziel sein.
Heute Abend streichele ich meine alte Schreibmaschine, meinen ersten Blackberry und schaue mir ein Bild meines C64 an. Dann rufe ich meine Töchter an und sage ihnen, in was für einer faszinierenden Welt sie gerade leben. Und dass sich ihr Leben vermutlich schneller verändern wird, als es meines früher getan hat.„
Der Ruhrverband sorgt mit seinem Flussgebietsmanagement für eine nachhaltige Wasserversorgung und Abwasserreinigung im Einzugsgebiet der Ruhr. Ohne Gewinnerzielungsabsicht stehen Mensch und Umwelt im Fokus – bei gleichzeitig wirtschaftlicher Effizienz. So wird die Wasserversorgung von 4,6 Millionen Menschen sowie die Abwasserreinigung für 60 Städte und Kommunen einschließlich großer Teile der Metropolregion Ruhrgebiet sichergestellt.
Quellen und Weiterführendes
- Hackerangriff auf das größte US-Wasserunternehmen American Water, Lebensraumwasser, 8.10.2024
- Branchenbild der deutschen Wasserwirtschaft 2025, BDEW, VKU, DWA, DVGW, ATT, DBVW
- OpenClaw im Selbstversuch: Erste Schritte mit dem Super-KI-Agenten, Heise online, 6.2.2026



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