Wie die Kalifornier lernen müssen, mit dem Wassermangel umzugehen

Was haben die wohlhabenden Kalifornier und mit den Menschen in vielen Regionen Afrikas gemein? Es ist die Wasserknappheit. Auch wenn Amerikaner sich fast alle für ihren Lebensstandard und die wirtschaftliche Entwicklung benötigten Rohstoffe beschaffen können, bei der nur regional verfügbaren Ressource Wasser geht es ihnen nicht besser, als den Menschen in Zentralafrika. Einen Unterschied gibt es dann doch: Während in Mali der Tagesverbrauch bei 4 bis 10 Litern pro Person liegt, betrug der tägliche Pro-Kopf-Verbrauch in Kalifornien im vergangenen November rund 340 Liter. Daher werden die Kalifornier jetzt zum Wassersparen gezwungen – erstmals in der Geschichte des US-Bundesstaats. Das dürfte zutreffend als Luxusproblem bezeichnet werden. Jerry Brown, der Gouverneur des US-Staates mit einer Wirtschaftskraft, die stärker als die mancher Nation ist, hat Städte und Gemeinden angewiesen, ihren Wasserverbrauch binnen eines Jahres um volle 25 Prozent zu senken. Doch selbst dann bleibt die Verschwendung enorm. Wasser war in dem US-Bundesstaat noch nie ein Alltagsgut, das im Überfluss vom Himmel regnet. Die gegenwärtig herrschende, historisch einzigartige Dürre gefährdet in einigen Regionen das Überleben der Landwirtschaft und die Energieversorgung. Wasser war immer eine umkämpfte Ressource und nicht zuletzt Statussymbol. Wer einen Swimmingpool im Garten hat, einen sattgrünen Rasen vor der Tür, sein Auto mehrmals pro Woche auf der Straße wäscht und seine Freizeit auf einem der großzügig bewässerten Golfplätze verbringt, der hat es geschafft. Daher ist das ‚Wasserverschwendungsverbot‚ eine Maßnahme, die den Lebensstil der wohlstandsverwöhnten Kalifornier hart trifft. Schon jetzt kommt es in manchen Gemeinden zu Wasserdiebstahl, anderswo lassen Hausbesitzer ihre Rasenflächen grün lackieren. Kakteen werden wegen ihres geringen Wasserbedarfs jetzt in Massen gekauft. Nicht nur in der Stadt Sacramento wird Wasser für die Gartenbewässerung rationiert. Während das Rasensprengen an einigen Tagen gänzlich verboten ist, kommt es sonst auf die Hausnummer an, wann das so genannte ‚Outdoor-Use‘ erlaubt ist. Natürlich wird der Gouverneur jetzt mit Kritik überschüttet. Nicht ganz zu unrecht, wenn man bedenkt, dass Golfplätze keine konkreten Einsparziele erhalten, sondern nur ‚weniger‘ Wasser verbrauchen sollen.

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Natürlich verbrauchen die Kalifornier nicht nur mehr als die Malier. Der durchschnittliche Deutsche benötigt vom öffentlichen Versorger – Gewerbe und Industrie mit eingerechnet – etwa 122 Liter pro Tag, obwohl Wasser hierzulande keineswegs Mangelware ist. Auch in Mittelmeerländern wie Italien oder Spanien brauchen Privathaushalte deutlich weniger Wasser als in Kalifornien. Insoweit besteht in dem Sonnenstaat auch im Vergleich zum Süden Europas noch viel Einsparpotenzial.

Jetzt werden viele wohlstandsverwöhnte Kalifornier lernen müssen, wie sie mit dem Ressourcenmangel umgehen. Dabei setzt man auch auf neue Bewässerungsmethoden wie Tröpfenbewasserung, Aufklärungsinformationen und Verhaltenssteuerung über höhere Wasserpreise, soziale Kontrollen und Wasserspargemeinschaften und so weiter. Mit dem Erreichen der Einsparziele von 25 Prozent liegen sie dann immer noch bis zu 100 Prozent über den Wasserverbrauchswerten der Europäer. Ob die „Enthaltsamkeit“ bei Wasser dazu führen wird, dass ein nachhaltiger Umgang auch bei anderen Rohstoffen stattfindet, darf zumindest gehofft werden. Denn gerade Kalifornien wird als der ökologische Musterstaat der USA angesehen. Und dennoch: Wasser ist Teil des Wohlstandbildes und das gehört zum „American Way of Life“. Vermutlich wird die Zurückhaltung bei Wasser mit dem ersten Regen weggespült…

Weiter Fakten: LA TIMES und Süddeutsche Zeitung

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