Wasser oder Energie? Welche Knappheit ist bedrohlicher?

Wasser sparen und Energie sparen sind in vielen Haushalten an der Tagesordnung. Wer denkt aber schon darüber nach, wie beide Sparziele miteinander verbunden sind? Für den Einstieg hilft die Statistik: Etwa Zweidrittel des häuslichen Wasserverbrauchs sind erwärmt. Das Waschen, das Geschirrspülen und das Duschen benötigen heißes oder erwärmtes Wasser. Dafür wird Energie benötigt. Rund 12 Prozent des häuslichen Energieverbrauchs werden für die Erwärmung von Wasser benötigt. Damit ist Warmwasser ein bedeutender Kostenfaktor für die Privathaushalte. Wenn es um Wasser sparen geht, sollte könnte warme Wasser im Vordergrund stehen. Was bedeutet dies für das Verbrauchsverhalten? „Kalt duschen, aber dafür länger, damit das Leitungswasser nicht in den Rohren stagniert.“ Denn hierzulande sind die Sparanstrengungen beim Wasser zwiespältig.

Warmwasser in Haushalten
Warmwasser in Haushalten

Je weniger Wasser verbraucht wird, desto länger steht es in den Leitungen. Dabei sind an heissen Tagen auch Verkeimungen nicht ausgeschlossen. Ein weiteres Problem: Legionellen! Verbraucher, die des Sparens wegen die Vorlauftemperatur an der Warmwasseraufbereitung reduzieren, um Energie zu sparen, leben riskant. Das Umweltbundesamt warnt deshalb: Im Trinkwasser-Temperaturbereich von 20-55 °C können Legionellen sich auf gesundheitlich bedenkliche Konzentrationen vermehren, wobei lange Aufenthaltszeiten des Wassers von einigen Stunden bis Tagen in Installationsrohren und Wasserspeichern die Vermehrung der Bakterien begünstigen. Dies ist bei Überlegungen, die Betriebstemperatur von Warmwassersystemen zum Zwecke der Energieeinsparung abzusenken, zu berücksichtigen. Deshalb sollte nicht an der falschen Stelle gespart werden. Wer Energie beim Wasserverbrauch sparen will, sollte einem anderen Rat des Umweltbundesamtes folgen: In unsanierten Altbauten, die den größten Anteil der Gebäude in Deutschland ausmachen, befinden sich die Anlagen zur Warmwasserbereitung, oft in schlechtem Zustand. Leitungen und Speicher, die nicht oder unzureichend gedämmt sind oder veraltete Wärmeerzeuger verursachen hohe Energieverbräuche.

Energieverbrauch im Haushalt
Energieverbrauch im Haushalt

Wasserversorgung
Auch die Wasserversorger benötigen für ihre Leistungen Energie. Dabei geht es um Pumpen und Aufbereitungsanlagen. Je nach Topografie und Wasserdargebot werden in Deutschland zwischen 0,5 und 1,5 Kilowattstunden Strom je Kubikmeter Trinkwasser eingesetzt, um die Verbraucher zu beliefern. Laut NRW-Wasserbenchmarking werden durchschnittlich 0,6 Kilowattstunden eingesetzt.

Das ist aber wenig im Vergleich zu Regionen die aus Meerwasserentsalzung zurückgreifen müssen. Dazu gehören nicht nur Afrika und Südamerika, sondern auch Spanien und England. Mit hohem Druck – und damit hohem Energieverbrauch – wird salziges Wasser durch Membrane gedrückt. Je nach Salzkonzentration muss aufgrund des hohen Drucks auch in optimalen Anlagen mit einem Energieaufwand zwischen 2 und 4 Kilowattstunden pro Kubikmeter Trinkwasser gerechnet werden. Der Energiebedarf für diese Wasser ist beträchtlich, zumal auch noch die Pumpenenergie hinzugerechnet werden muss. Bemerkenswert, dass in manchen Regionen mit dem derart aufwendig gewonnenen Trinkwasser Golfplätze bewässert werden (siehe Mallorca-Magazin). Daneben gibt es auch noch thermische Entsalzungsanlagen, die Großkraftwerken gleichkommen, und solare Anlagen. Ohne Frage haben diese Technologien der Wassergewinnung für zahlreiche Regionen existenzielle Bedeutung und sichern die Versorgung von Menschen und Industrien.

Energieerzeugung
„Energie und Wasser“ – Wer denkt da nicht auch an Energiepflanzen die Bewässerung benötigen? Abgesehen davon, dass Agrarprodukte für Nahrungsmittel verdrängt werden, wird das Wasser, das für die Bewässerung benötigt wird, anderen Verwendungsformen entzogen. Damit fehlt es nicht zuletzt den Menschen am Wasserhahn. Das internationale Wasser-Management-Institut (IWMI) veröffentlichte im März 2006 einen Bericht, mit der Warnung, dass ein Biotreibstoff-Boom die Wasserkrise noch verschlimmern könnte. In 2010 wurden laut World Energy Outlook weltweit 583 Milliarden Kubikmeter bzw. 15 Prozent des weltweiten Wasserverbrauchs für die Energieerzeugung eingesetzt. Eine Studie der Internationalen Energie Agentur (IEA) kommt in einem Szenario zu dem Ergebnis, dass Energieerzeugung und Agrar-Energie bis 2035 weltweit einen um 85 Prozent höheren Wasserbedarf erzeugen werden (ohne dass diese Mengen dem Kreislauf zurückgeführt werden).

Wasser bekommt vor dem Hintergrund des steigenden Energiehungers der Nationen eine immer größere Bedeutung für die Sicherheit. Denn die Abhängigkeit der Staaten von der konventionellen Energieversorgung, aber auch von der Wasserkraft, steigt kontinuierlich an. Das wird auch eine zunehmende Bereitschaft nach sich ziehen, Wasser für die Energieversorgung zu sichern. In vielen Staaten der Erde werden die Flüsse für die Energieerzeugung genutzt. Dämme entstehen in zahlreichen Regionen dieser Erde. Bis zum Ende dieses Jahrhunderts, so schätzt die NGO International Rivers, wird jeder zweite Fluss mit einem Damm versehen sein, die Zahl wird auf 50.000 geschätzt. Unvorstellbar, welche Auswirkungen dies auf die Fauna und Flora der betroffenen Regionen haben wird.

Diese wenigen Beispiele belegen, dass der diesjährige Weltwassertag mit seinem Motto „Wasser und Energie“ ein sehr kritisches Thema aufgeworfen hat. Wollen wir nur hoffen, dass uns dieses nicht entgleitet. Sicher kann hierzulande jeder einen kleinen Beitrag leisten, allerdings wird der Energiehunger und Wasserbedarf der Wachstumsregionen dieser Welt, allem voran China, die geopolitische Agenda bestimmen. Denn die Knappheit beider Ressourcen steigt weltweit unaufhörlich, bedrohlich sind beide. Daher wird es vermutlich bald einen Weltwassertag unter dem Motto „Wasser und Energie und Sicherheit“ geben.

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