Unser Trinkwasser erhält Prädikat „Spitzenqualität“ vom Umweltbundesamt

Das haben wir zwar schon längst gewusst, trotzdem hören wir es immer wieder gerne: Unser deutsches Trinkwasser ist von exzellenter Qualität, wird häufiger untersucht als Flaschenwasser und von den Wasserversorgern zudem zu einem unschlagbar günstigen Preis frei Haus geliefert. Das ist zusammengefasst das Ergebnis des aktuellen Berichts zur Trinkwasserqualität vom Umweltbundesamt (UBA). „Grenzwertüberschreitungen sind nach wie vor absolute Einzelfälle. Selbst der Problemstoff Nitrat, der im Grundwasser teilweise in hohen Konzentrationen auftritt – insbesondere dort, wo intensive Landwirtschaft betrieben wird – überschreitet im Trinkwasser seit mehreren Jahren nicht mehr den Grenzwert. Auch bei fast allen mikrobiologischen und chemischen Qualitätsanforderungen halten mindestens 99 Prozent der überwachten Proben die strengen rechtlichen Vorgaben ein. Grundlage sind die Meldungen der Bundesländer an das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und das UBA“, erklärt die Behörde auf Ihrer Website.

Und weil es so schön ist, das Ergebnis im O-Ton aus der Pressemitteilung des UBA, deren Präsidentin Maria Krautzberger erklärt: „Das Trinkwasser in Deutschland kann man ohne Bedenken trinken – insbesondere aus größeren Wasserversorgung ist es flächendeckend sogar von exzellenter Qualität. Außerdem wird es anders als Flaschenwasser sehr häufig kontrolliert – zum Teil gar täglich. Trinkwasser aus dem Hahn ist auch billiger: Ein Zweipersonenhaushalt zahlt in Deutschland im Mittel pro Person für die Verwendung von täglich 121 Litern Trinkwasser 27 Cent pro Tag. Ein einziger Liter Mineralwasser kostet in der Regel deutlich mehr.“

Das UBA hat im aktuellen Bericht für die Jahre 2011 bis 2013 die Ergebnisse der Untersuchungen aus allen größeren Wasserversorgungen veröffentlicht – diese versorgen rund 90 Prozent der Bevölkerung in Deutschland. Kleiner Wermutstropfen: ob dieses Ergebnis auch für die kleinen Wasserwerke gilt, kann dem Bericht leider nicht entnommen werden. Nicht immer sind deren Ergebnisse der Qualitätskontrollen im Internet zu finden, wie Lebensraumwasser in Kürze aufzeigen wird..

Frisches TrinkWasser
Frisches TrinkWasser

UBA befasst sich auch mit dem aktuellen Dauerbrenner „Nitrat“: „Für Nitrat, das aus Kunstdünger und Gülle ins Grundwasser gelangen kann, bestätigen die neuen Daten den zuvor schon beobachteten rückläufigen Trend: Überschritten im Jahr 1999 noch 1,1 Prozent der überwachten Proben die Grenzwerte, liegt der Anteil seit 2009 bei nahezu null Prozent. Allerdings erlauben diese Daten zu Nitratgehalten im Trinkwasser keinen Rückschluss auf den Nitratgehalt im Grundwasser oder in Gewässern: Dort steigt die Nitratkonzentration durch die Düngeaktivitäten in der Landwirtschaft häufig sogar weiter an. Das Trinkwasser selbst ist fast allerorten unbelastet – nur ein Promilleteil der Trinkwasser-Proben aus den größeren Wasserversorgungen liegt in Deutschland über dem Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat/Liter. Für die Einhaltung des Grenzwertes sorgen die Wasserversorger: Einige verdünnen zu stark belastetes Grundwasser mit unbelastetem Wasser und stellen so die Trinkwasserqualität sicher. UBA-Präsidentin Maria Krautzberger sieht beim Nitrat vor allem die Landwirtschaft in der Pflicht: „Wir müssen unser Grundwasser besser schützen – und dazu vor allem die Nitrateinträge aus der Landwirtschaft senken. Immer mehr Wasserversorger befürchten nämlich, dass in ihrer Nähe bald nicht mehr genügend unbelastetes Grundwasser für die Trinkwassergewinnung bleibt. Dann müssten diese Wasserversorger das Nitrat technisch aus dem Grundwasser entfernen oder von weit herholen. Im Extremfall könnte das pro Kubikmeter Wasser (das sind 1.000 Liter) rund einen Euro mehr für uns Verbraucherinnen und Verbraucher auf der Wasserrechnung bedeuten. Ein Zweipersonenhaushalt mit 80 Kubikmeter zahlt dann nicht wie bislang durchschnittlich 95 Euro pro Jahr, sondern eher 140 Euro.“

Das Thema „Blei“ hat die Wasserwirtschaft im Griff. Wenn es Probleme gibt, dann wegen bleihaltiger Leitungen oder Armaturen in den Häusern und Wohnungen selbst. Veraltete Installationen sind meist auch die Ursache, wenn zu viel Kupfer, Nickel und Cadmium im Wasser ist. Wer mit „Geiz ist geil“-Mentalität im Baumarkt Billigarmaturen kauft und sich an der Hausinstallation versucht, wird möglicherweise ein böses Erwachen erleben. In den Billigarmaturen wird nicht selten Material verarbeitet, das die Trinkwasserqualität beeinträchtigt. Wer so handelt spielt mit seiner Gesundheit. Immerhin fliesst durch Leitungen ein Lebensmittel. Die Empfehlung des UBA lautet daher: zertifizierte Leitungen und Armaturen einzubauen.

Das UBA erläutert auch, was wir von der Qualitätssicherung der Wasserversorger erwarten können: Bestleistungen zwar, aber die sind abhängig von der Sauberkeit der Brunnen und Flüsse, aus denen das Wasser entnommen wird. Gemäß UBA regelt die EU-Trinkwasserrichtlinie die Qualitätsanforderungen für die Überwachung von 26 chemischen und zwei mikrobiologischen Parametern, mit denen die gesundheitliche Eignung des Trinkwassers beurteilt wird. Trinkwasser kann weitere Stoffe enthalten, natürlicherweise zum Beispiel Fluorid aus dem natürlichen Gesteinsuntergrund oder aus menschlichen Aktivitäten zum Beispiel Süßstoffe, Komplexbildner aus Geschirrspülmitteln oder Flammschutzmittel – fast immer nur vereinzelt und in sehr geringen Konzentrationen (selten mehr als ein Millionstel Gramm pro Liter). Daher sieht das UBA keinen Nutzen darin, das Trinkwasser in Deutschland flächendeckend und kontinuierlich auch auf die Vielzahl weiterer Stoffe zu testen. Effizienter ist, bei diesen selten und regional unterschiedlich auftretenden Stoffen einzelfallbezogen zu prüfen, ob ein gesundheitliches Risiko besteht und eine dauerhafte Überwachung sinnvoll ist. Dabei berät das Umweltbundesamt die örtlichen Gesundheitsämter, Wasserversorger sowie die Bürgerinnen und Bürger. Über die Trinkwasserqualität vor Ort informieren übrigens die lokalen Wasserversorger – oft auch tagesaktuell im Internet“, erklärt das Umweltbundesamt. Eine derart tagesaktuelle Standard-Information im Internet ist meines Wissens gar nicht möglich. Dass die überwiegende Mehrzahl der Wasserversorger dagegen bei Störfällen informieren und Ansprechpartner für telefonische Anfragen haben, ist natürlich zutreffend. Das ist zumeist auch viel wertvoller für die Kunden, da sie dann auch nachfragen können. Leider ist auch diese Form der Information noch nicht von allen Versorgern zu leisten. Aber damit die Fragen nicht unbeantwortet bleiben, können sich Verbraucher dann an die Gesundheitsämter wenden.

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Quelle Beitragsbilder: canstockphoto

 

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