Öffentliche Trinkbrunnen in London: „Bier statt Wasser“

Auch wenn das Trinkwasser in Deutschland besser sein soll als das Englische, unsere Nachbarn trinken in Restaurants viel häufiger das als tap water bezeichnete Leitungswasser und bedienen sich an einem der vielen öffentlichen Brunnen um ihren Durst zu stillen. Somit finden auch London-Besucher in nahezu allen Parks und in fast jedem öffentlichen Gebäude eine drinking water fountain – und ersparen sich damit den Kauf von Flaschenwasser. Weitgehend unbekannt ist aber die Geschichte, die sich hinter den öffentlichen Trinkbrunnen der englischen Hauptstadt verbirgt.

Vor mehr als 150 Jahren gab es für die unaufhörlich wachsende Bevölkerung viel zu wenig Trinkwasserquellen. Dies war die Chance für Wasserversorger, die privat und unreguliert das Wasser lieferten. In jener Zeit war laut der englischen „Historischen Gesellschaft“ das Wasser in London so verunreinigt, dass „Bier die bessere Alternative“ bot. Die Wasserversorger entnahmen der Themse das ungereinigte Wasser und verkauften es. Die Folge waren zwei Cholera-Epedemien um 1848/49 und 1853/54 mit schweren Erkrankungen und zahlreichen Todesfällen. Daraufhin sah sich der Staat aufgerufen, die Wasserversorgung erstmalig zu regulieren.

Die Philanthropen Samuel Gurney and Edward Wakefield erkannten die Not der Bevölkerung und den mit Wasser zu stillenden Durst der zu den Fabriken pendelnden Arbeiter. Sie initiierten den Aufbau von öffentliche Trinkbrunnen und Viehtränken. Dabei sollte kein Brunnen in Betrieb genommen werden, der nicht über gefiltertes und frisches Wasser verfügt. Für die Organisation und Finanzierung gründeten sie die noch heute tätige Metropolitan Drinking Fountain and Cattle Trough Association. Mit finanzieller Unterstützung öffentlicher Institutionen wurde am 21. April 1859 an der Mauer der St.Sepulchre’s Kirche in London Snow Hill vor einer jubelnden Menge der erste Brunnen in Betrieb genommen (siehe zeitgenössische Illustration). image

Innerhalb kürzester Zeit bedienten sich täglich bis zu 7000 Menschen an dieser Quelle. Nur wenige Zeit stand der noch heute tätige Brunnen wegen des Baus des Bahn-Viadukts Holborn nicht zur Verfügung. Diesem Beispiel folgen innerhalb von 11 Jahren 140 weitere Brunnen und 153 Viehtränken insbesondere für die zu der Zeit noch das Stadtbild bestimmenden Pferdekutschen. In den annähernd 150 Jahren ihres Bestehens kann die Metropolitan Drinking Fountain and Cattle Trough Association auf mittlerweile über 4.000 Trinkbrunnen und annähernd 1.000 Viehtränken verweisen.

Die Association kümmert sich auch heute noch um die Trinkbrunnen in der Londoner Metropole. Zudem unterstützt sie in Afrika den Aufbau ähnlicher Einrichtungen, um auch den Menschen dort den Zugang zu Wasser zu ermöglichen.

Beim nächsten London-Besuch mag man vielleicht beim Kauf einer Flasche Wasser und dem Schlendern durch einen der vielen Parks daran denken, wie schwer es früher einmal war, an frisches Wasser zu gelangen. Wer statt zur Flasche zu greifen, lieber von einem der vielen Brunnen trinken möchte, wird mit Hilfe eines Stadtplans fündig, der mit diesem Link aufgerufen werden kann: http://www.findafountain.org

1 Kommentar

  1. Hallo,

    diesem Beispiel sollte man in Deutschland unbedingt folgen, da wir hier doch eine sehr gute Wasserqualität besitzen die durch ständige Kontrollen gewährleistet wird.
    Öffentliche zugängliche Möglichkeiten Wasser kostenlos zur Verfügung zu stellen ist eine Mega-Tolle Idee.

    ICH BIN DAFÜR !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

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  1. Sauberes Wasser – eine kostspielige Aufgabe | Heidis Mist

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