Ist Wasser sparen in Deutschland unsinnig? Wo macht Wasser sparen Sinn?

Das Wasser sparen in Deutschland
Ist es eine Umwelt-Verschwörungstheorie oder ist etwas dran: In Deutschland Wasser zu sparen, soll nicht nur blödsinnig sein, sondern mitverantwortlich dafür, dass Wasser immer teurer wird. Denn die vorhandenen Wasserversorgungssysteme lassen sich ebensowenig dem verringerten Verbrauch entsprechend verkleinern, wie ein Großteil der Kosten. Wasserwerke und Rohrnetze sind überwiegend aus Stahl und Beton. Ein Rückbau verursacht sogar erst einmal zusätzliche Kosten. Zudem müssen die Netze, wenn weniger Wasser durch sie hindurchfließt, mit ansonsten ungenutzt bleibendem Trinkwasser gespült werden. Andernfalls können sich in dem stagnierendem Wasser gesundheitsgefährdende Keime bilden. Es geht immerhin um ein Lebensmittel. Auch das Schmutzwasser steht in den Kanälen, und mit ihm all das, was es eigentlich zu den Entsorgungsanlagen transportieren soll. Je langsamer es fließt, desto mehr erfreuen sich Ratten und andere Krankheitserreger. Daher müssen auch die Kanäle mit Trinkwasser gespült werden.

Die ökonomischen Folgen sind einfach: wenn die Kosten nicht verringert werden können, müssen sie auf immer weniger Menge verteilt werden. Das führt zu steigenden Wasserpreisen und Abwassergebühren. Wasser sparen macht somit das Wasser nutzen teurer.

Der richtige Weg liegt wie häufig in der Mitte: also nicht Sparen, bis auch der letzte Tropfen nicht mehr aus der Leitung stammt und diese im Notfall nicht mehr genutzt werden kann, sondern einfach unverkrampfter Wasser nutzen. Denn mittlerweile verbreitet sich die Einsicht, dass weniger Wasser nicht weniger Kosten bedeutet.

Wasser sparen dort, wo es Sinn macht
Schließlich gibt es noch ganz andere Möglichkeiten Wasser zu sparen und damit gleichzeitig aus den wasserarmen Gegenden nicht noch mehr Wasser importieren. Indem wir darauf achten wieviel Wasser in den Produkten steckt, die wir kaufen und verzehren oder gebrauchen, und woher sie stammen. Hierbei handelt es sich um den “virtuellen” Wasserverbrauch und den Wasserfussabdruck, also Wasser das wir hier verbrauchen, aber aus anderen Regionen oder Ländern stammt. Nicht immer sind diese so komfortabel mit Wasserressourcen ausstattet wie es hierzulande der Fall ist.

Mit Tomaten aus Spanien, täglichem Fleischverzehr oder dem Kauf eines Baumwoll-T-Shirts “verbrauchen” wir nämlich bis zu 4.000 Liter täglich. Diese Wassermengen werden benötigt, um ein T-Shirt zu produzieren, von der Bewässerung der Baumwolle bis zur Reinigung des fertigen Kleidungsstücks. Gerade weil dieses Wasser aber für uns “unsichtbar” bleibt, wäre es wichtig, sich darüber einmal Gedanken zu machen und sich die Frage zu stellen, ob wir mit mehr Aufmerksamkeit und kritischem Konsumverhalten nicht mehr für Umwelt und Menschen erreichen können, als mit bedingungslosem Wasser sparen im eigenen Haushalt. Fragen wir also, ob wir Tomaten auch im Winter kaufen müssen, wenn sie beispielsweise aus Regionen mit Wasserknappheit stammen. Fragen wir, ob wir am Valentinstag Blumen kaufen müssen, die aus Nigeria oder Äthiopien stammen, wo ehedem schon Wasserknappheit herrscht. Zuhause Wasser sparen, aber durch Konsum Wasser von dort importieren wo es knapp ist, kann auf Dauer kein gutes Gewissen verschaffen.

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