Hilft Wiederverwendung von Wasser im Kampf gegen Wasserknappheit ?

Der Kampf gegen die Wasserknappheit in Europa soll mit Wiederverwendung von Wasser erfolgen. Dieses Ziel verfolgt die EU Kommission. Dafür startet sie erneut eine Online-Konsultation. Also sind wieder alle Bürger aufgerufen.

Man stelle sich einmal vor, wir nutzen Wasser einfach mehrmals. Überrascht? Das ist eigentlich ein ganz normaler Weg! Das Abwasser unserer Haushalte geht in eine nahe gelegene Kläranlage, wird gereinigt und gelangt dann in einen Bach oder Fluss. Daraus wird es von den Wasserwerken entnommen, aufwändig gereinigt und nach seinem Weg durch die Leitungsnetze kommt es als Trinkwasser aus dem Wasserhahn. Wer sich den Rhein oder die Ruhr anschaut, stellt fest, dass Wasser mehrfach verwendet wird. Aber das was die EU jetzt vorhat, ist deutlich komplexer.

Starten wir mit dem Bedarf: Wer kennt sie nicht, die Wasserfontänen auf den Feldern in den sonnigen und eigentlich wasserknappen Urlaubsregionen? Immer wieder fragt man sich, ob das sein muss. Spätestens wenn die Dusche abends im Hotelzimmer nur tröpfelt und man auf dem Trockenen sitzt, beneidet man das Gras des Golfplatzes oder die Tomaten auf dem Feld. Die haben das Wasser, was man jetzt vermisst. Ob es keine Lösung gibt, folgt als nächste Frage. Hierfür gibt die EU jetzt eine Antwort: Wiederverwendung von Wasser. Die Tomaten und der Golfplatz bekommen Gebraucht-Wasser, die Dusche freut sich über Frischwasser – und wir uns mit ihr.

IMG_0418

Die Fakten: Fachleute sind sich einig, in der EU gibt es ein erhebliches Potenzial und noch mehr Bedarf für Projekte zur Wiederverwendung von Wasser. Die Belastungen aufgrund des Klimawandels dürften das Interesse an solchen Lösungen steigern, sowohl was die Verringerung der Auswirkungen der Abwasserentsorgung anbelangt als auch in Bezug auf sporadische Dürreprobleme. Und obwohl die Knappheit nicht erst durch den Klimawandel sichtbar wird, sondern auch schon heute Verteilungsstreitigkeiten um Wasser zum Beispiel zwischen Landwirten und der Industrie im Gange sind oder einfach zu wenig Wasser zur Verfügung steht wie an Sommertagen in Südeuropa, wird Wiederverwendung von Wasser immer noch stiefmütterlich behandelt.Die Beanspruchung der europäischen Süßwasserressourcen nimmt stetig zu. Dabei besteht in zeitlicher und geographischer Hinsicht ein Besorgnis erregendes Missverhältnis zwischen dem Bedarf an Süßwasser und seiner Verfügbarkeit. In ariden Regionen mit geringem Niederschlag und hoher Bevölkerungsdichte, aber auch in Regionen mit gemäßigtem Klima und mit intensiver Landwirtschaft, viel Tourismus und starker Industrietätigkeit ist Wasserknappheit ein verbreitetes Problem. Der globale Klimawandel verschärft diese Problematik bereits heute, und den Prognosen zufolge sind mittel- bis langfristig erhebliche und weitreichende Auswirkungen zu erwarten.

Mal gerade 2,4 Prozent der 247 Milliarden Kubikmeter genutzten Wassers, also 700 Millionen Kubikmeter, werden wiederverwendet. Das soll nach dem Willen der EU mehr werden. Dafür will sie regulatorische Rahmenbedingungen schaffen und die Freiwilligkeit „unterstützen“. Schwerpunkt der Nutzung bereits gebrauchtem, aber ausreichend gereinigtem Wassers ist die Agrarwirtschaft. Schon heute wird dort mit 75 Prozent der größte Anteil eingesetzt. Der Privatbereich liegt mit 6 Prozent fast unter der Wahrnehmungsschwelle. In Deutschland stehen 182 Milliarden Kubikmeter jährlich zur Verfügung, aber nur rund 26 Prozent werden genutzt. Davon stellt mit knapp 16 Prozent die Energiewirtschaft den größten Verbraucher, 6 Prozent benötigt die Industrie, 3 Prozent fließen durch Waschmaschinen, Duschen usw. in die Haushalte, aber nur weniger als 1 Prozent nutzt die Landwirtschaft. Dabei können wir auf eine ganze Reihe erfolgreicher Projekte verweisen. So wird vielerorten Regenwasser getrennt erfasst und unterstützt durch den ökonomischen Anreiz einer Niederschlagswassergebühr im Garten genutzt. Aber auch Kreislaufverfahren für Nutzwasser in der Industrie bspw. in der Metallverarbeitung oder aber auch für uns alle sichtbar bei Autowaschanlagen oder Wäschereien. Ohne Wasseraufbereitung ließen sich diese Betriebe ökonomisch gar nicht halten.

Zurück zur EU: Sie hat untersuchen lassen, wo die Umsetzungshemnisse liegen. Dabei kommt eine Studie im Auftrag der EU Kommission, was nicht weiter überraschen kann, zu der Erkenntnis, dass Wasserrechte zu üppig verteilt sind und das Frisch-Wasser in manchen Regionen einfach zu billig ist. Der Preis kann seine Lenkungs- und Anreizwirkung nicht entfalten. Warum soll ein Landwirt, der das Recht hat, Wasser kostenlos den Quellen auf seinem Land zu entnehmen, an einer Wiederverwendung von bereits genutztem Wasser interessiert sein. Dass er damit die Quellen ausschöpft, anderen Verwendern wie der öffentlichen Versorgung das Wasser entzieht und das aus gigantischen Wassersprengern verteilte Lebenselixier in kürzester Zeit verdunstet und für die Dauer eines Wimpernschlages die Luftfeuchtigkeit graduell steigen lässt, scheint noch kein wirklicher Anlass zum Handeln gewesen zu sein. Erst wenn er für Wasser bezahlen muss, wird er sich Alternativen überlegen. Wiederverwendung ist nur eine davon, Effizienzsteigerung eine weitere. Vielleicht verzichtet er einfach und verkauft die Rechte an andere Nutzer in der Nähe, die auch bereit sind dafür zu bezahlen. So etwas findet zur Zeit in Kalifornien statt. Zurück zum Preis: Wasserpreise sind zumeist nicht kostendeckend. Wer hohe Wasserpreise in Deutschland beklagt, der wird feststellen, hier zahlt man nicht nur für Frischwasser, sondern auch für Abwasser. Das schafft Anreize zum Sparen und Wiederverwenden. Auch das findet in manchen Regionen nicht statt. Dort wo Abwasser kostenlos oder billig entsorgt werden darf, kann natürlich kein ökonomischer Anreiz entstehen, dieses für ganz bestimmte Zwecke ungereinigt einzusetzen oder aufzubereiten und dann als Frischwasser-Ersatz zu nutzen. In vielen Regionen dieser Welt könnte man gar nicht leben, würde man das Wasser nicht wiederverwenden. Es muss ja nicht immer „New Water“ wie in Singapur sein.

Kommen wir zurück in die Urlaubsgebiete: Die Wasserprobleme in Spanien und andernorts könnten also durch „wahre“ Preise für eingesetztes Frischwasser und eine Neuverteilung von Nutzungsrechten an Quellen gelöst werden. Dann würde Anreize entstehen, mit Frischwasser anders umzugehen. Dieses wäre viel zu teuer, um es auf den Feldern zu verteilen oder den Golfrasen zu bewässern. Wasser braucht seinen echten Wert. Knappheit muss bewertet und internalisiert, d.h. in die Wasserpreise eingerechnet werden. Wasserzugang darf kein Recht auf Verschwendung sein. Es muss zudem Regeln geben, die Bestandsrechte in Frage stellen und Verwaltungen, die bereit sind dies auch durchzusetzen, und daran wird es hoffentlich nicht mangeln. Oder doch? Es klingt viel versprechend, dass sich die EU-Kommission dieses Themas annehmen will. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie und das dazugehörige Instrumentarium könnten ein schlagkräftiges Regelwerk darstellen. Mit der Beteiligung an der Konsultation, die erfreulicherweise auch in deutscher Sprache ist, können wir einen ersten Beitrag leisten.

Hier geht es zur Befragung: http://ec.europa.eu/yourvoice/ipm/forms/dispatch?form=WATERREUSE&lang=de

Wer sich für das gesamte Thema interessiert, dem sei dieses Hintergrundpapier der EU Kommission zur Lektüre empfohlen. Zur Autorenschaft ist der Hinweis angebracht, dass das Papier aus der Feder des Beratungsunternehmens Deloitte stammt. http://ec.europa.eu/environment/water/blueprint/pdf/water_reuse/Background_Public%20cons%20_Water%20Reuse_de.pdf

In Kurzform gibt es Fakten und Ziele auch in dieser Präsentation von Henriette Faergemann aus der EU Kommission
http://www.greenweek2014.eu/docs/presentations/parallel-side-sessions-6/6-2/henriette_faergemann_6.2.pdf

1 Trackback / Pingback

  1. Warum das Leben eines Joghurtbechers beispielhaft für das Wasserrecycling sein kann | LebensraumWasser

Was meinen Sie dazu?

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.