Die Geschichte der Luxus-Flaschenwasser – Bling H2O

Was darf eine Flasche Wasser kosten? Welche Qualitäten muss das Wasser haben, damit es nicht nur genießbar ist, sondern als Genuss wahrgenommen wird? Gibt es Wasser für Gourmets oder sind dies nur Spinner? Alles Fragen, die vor einigen Jahren noch keine Aufmerksamkeit erzeugt hätten. Heute dagegen scheiden sich an derartigen Fragen die Geister. Soviel steht fest: Flaschenwasser wird nicht nur als Genussmittel getrunken, man zeigt mit einer exotischen Flasche Wasser auch, dass man es geschafft hat. Einige Kritiker meinen sogar, Dekadenz habe eine neue Symbolik gefunden. Was früher der Champagner war, ist heute das exotische Flaschenwasser. Wer im Discounter seine Flasche Wasser für 25 Eurocent kauft, der kann sich nicht vorstellen, dass es Zeitgenossen gibt, die für ein Wässerchen das tausendfache zahlen.

Wasserabfüller haben den „Luxus-Wasser-Trinker“ entdeckt. In der Edel-Gastronomie finden sich immer mehr exotische Wasser-Marken im Angebot. Sie finden ihre zahlungskräftigen Abnehmer aus den unterschiedlichsten Gründen. Ein Wasser-Somelier in Berlin hat es mir mal so erklärt: „Mit einer Magnum-Flasche Champagner erzeugst als Partygast keine Aufmerksamkeit mehr, aber komm mal mit einer Flasche Edelwasser, das sichert dir höchste Aufmerksamkeit.“

Ach ja, „Somelier“! Wer bei diesem Begriff nur an Wein denkt, der hat einen Trend verschlafen. Natürlich gibt es auch Wasser-Someliers, Leute also, die uns bei den Geschmacksnoten des Wassers beraten. Einen dieser neuen Zunft kann man dank seiner Facebook-Seite sogar über die Schulter schauen.

Die Antwort auf die Frage, ob es eine Obergrenze für einen Wasserpreis gibt, lässt sich daher nur schwer beantworten. Es erzeugt aber schon fragendes Kopfschütteln, wenn man hört dass es Genießer gibt, die 200 und mehr Euro für eine einzige Flasche Wasser auszugeben bereit sind. aber das zeigen die folgenden Geschichten der edlen Wässerchen.

Bling H2O
Fangen wir mit diesem Wasser an. Eines der derzeit aufwändigst verpackten Wasser der Welt heißt Bling H2O. Dieses Flaschenwasser trinken die Feinen und Reichen – und solche die sich dafür halten oder dazu gehören wollen. Mit der Flasche wird gezeigt, dass man der High-Society angehört. In Hollywood ist auch Wasser ein Indikator für den Society-Status, daher schuf Kevin G. Boyd, Hollywood Autor und Produzent BlingH2O. Seinen Siegeszug konnte das Wasser antreten, weil es lange Zeit exklusiv von Stars und Sternchen in Hollywood und Manhattan getrunken wurde. Zu den BlingH2o-Fans zählen Jamie Foxx, Ray Lewis, Gabrielle Union, Paris Hilton usw. Wenn diese Stars und Sternchen diese Flasche kaufen, dann wollen sie gesehen werden und die Presse soll darüber berichten. Gerne hätten es alle Nachahmer genauso…..

Das Edelwässerchen wid in einer exklusiven Milchglas-Flasche angeboten, die mit Swarovski-Kristallen geschmückt ist. Denn, auf die Verpackung kommt es an – auch bei Wasser. In der Edelgastronomie zahlt man bis zu 90 € für eine Flasche, im Handel bekommt man es für unter 50 € in der Dreiviertelliterflasche. Damit sich die „wirklichen“ Stars abgrenzen können, gibt es sogar eine handgefertigte Flasche mit Diamanten, Rubinen etc., die Flasche für weit mehr als 2.000 $.
Fineliquids

Woher kommt die Marke und was soll den Preis rechtfertigen. Hier lohnt ein Blick zu den Verhaltensökonomen, also jenen Wirtschaftswissenschaftlern, die uns erklären warum wir etwas tun. Die Bezeichnung „Bling“ wurde nämlich den Wirtschaftswissenschaften entliehen. Als „Bling“-Effekt wird der Konsum solcher Marken und Produkte bezeichnet, die deshalb von Prominenten bevorzugt werden, weil sie so teuer sind. Je höher der Preis desto attraktiver, weil exklusiver die Marke. Die Wachstumskritiker Robert & Edward Sidelsky, diesen Effekt erklären, vermuten sogar, dass die Nachfrage nach derartigen Marken deutlich zurückgehen würde, wenn der Preis sinkt. In ihrem Wirtschaftsbestseller Wieviel ist Genug beschreiben sie die Verhaltenstheorie mit einer kleinen Geschichte: Treffen sich zwei neureiche Russen. „Wieviel hat Deine Krawatte gekostet“, fragt der eine. „Eintausend Dollar“, erwidert der andere. „Tja, Pech gehabt“, sagt der erste. „mein hat zweitausend gekostet.“ – „Geltungskonsum“ lautet der Fachbegriff der Ökonomen. Man stelle sich mal vor, es geht hier eigentlich um nicht mehr und nicht weniger als Wasser.

Ach ja, das Wasser. Der materielle Wert von BlingH2O stammt aus dem Örtchen Dandrige im US-Staat Tennessee. Das Wasser kommt aus denselben Quellen, die für die öffentliche Trinkwasserversorgung der fast 4.000 Einwohner des Ortes sprudeln. Ob die Menschen dort wissen, welchen Wert das Wasser hat, das sie täglich zum Waschen und zum Toilette spülen verwenden?

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