Den Klimawandel mit Schneekanonen bekämpfen – mit Folgen für den Ressourcen- und Naturschutz

Für viele Skibegeisterte geht es jetzt wieder in die bayrischen Alpen. Ärgerlich nur, wenn dann zu wenig Schnee liegt oder die weiße Pracht gänzlich ausgeblieben ist. Damit der Spaß nicht vergeht und die Touristen wiederkommen, setzen die Pistenbetreiber Schneekanonen ein. Welcher Winterurlauber denkt schon darüber nach, wie viel Energie, Wasser und natürliche Ressourcen dieser Einsatz fordert?

Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte in ihrer gestrigen Samstagsausgabe eine anschauliche Grafik unter dem Titel „Auf der grünen Wiese – Schneemangel in Bayerns Skigebieten“. Und was dort stand, ist bemerkenswert. Demnach ist im Berchtesgadener Land die zum Ski fahren ausreichende Schneehöhe zwischen 1970 und 2010 um 30 Prozent zurückgegangen. Sogar die Region Zugspitze büßte über 8 Prozent ein. Das hat natürlich Folgen für den Skitourismus: um über 25% sind die Übernachtungen zurück gegangen. Die Lösung: Schneekanonen zur künstlichen Beschneiung. „Ist Schnee da, kommen auch die Touristen“, so die einfache Formel der Pistenbetreiber.

Auf über 600 Hektar, also 6.000 Quadratkilometern, werden die Kanonen in Bayern mittlerweile eingesetzt, das sind rund 13 Prozent der Pistenfläche (in Österreich werden 59% beschneit). Und nun zu den Ressourcen: Für die Erstbeschneiung werden pro Saison 600.000 Kubikmeter Wasser eingesetzt. Mit der Menge könnten 14.000 Personen ganzjährig mit Trinkwasser versorgt werden. Für einen Quadratmeter Fläche, also etwa der Platz, den ein Skifahrer-Paar stehend einnimmt, werden zwischen 100 und 150 Liter Wasser benötigt. Da aber auch Nachbeschneiungen nötig sind, kommen weitere 200 Liter für das Paar hinzu. Damit werden insgesamt 1,8 Millionen Kubikmeter Wasser zu Schnee verwandelt oder verdunsten beim Einsatz. Das entspricht dem Trinkwasserbedarf einer deutschen Kleinstadt – ganzjährig versteht sich. Zwar wird das Wasser nach der Schmelze wieder der Natur zugeführt, aber nur oberflächlich, denn entnommen wurde es zumeist unterirdischen Quellgebieten.

Aber natürlich geht nichts ohne Energie. Denn um das Wasser zu verdüsen, zu versprühen und gegebenenfalls zu kühlen, muss Strom eingesetzt werden. Für einen Kubikmeter Schnee, also rund drei Quadratmeter Skifläche, werden drei bis fünf Kilowattstunden Strom eingesetzt. Somit kommen die Skitouristengebiete in Bayern mit rund 22 Millionen Kilowattstunden auf einen Bedarf, der rund 7.000 Zwei-Personenhaushalte mit Strom versorgen würde.

Glücklicherweise ist in Deutschland der Zusatz von Bakterien zur Eisbildung verboten. In anderen Ländern werden gefriergetrocknete Pseunomaden-Stämme beigemischt. Von Frankreich sind derartige Verbote nicht bekannt. Aber in Deutschland werden  stickstoffbasierte Zusätze verwendet, um bei höheren Temperaturen die Schneeoberfläche zu härten. Die Schneekanonen-Einsätze bleiben auch ungeachtet dessen für die Natur nicht folgenlos. Der Tier- und Pflanzenwelt wird auf der Schneefläche Winter „vorgegaukelt“, während im Umland schon der Frühling naht. Der Lärm, der meistens spätabends oder nachts eingesetzten Geräte, vertreibt nicht selten eigentlich heimisches Wild, das sich danach neue Lebensräume sucht. Allein damit wird deutlich, wie sich die Artenvielfalt verändern kann.

Es wäre jetzt zu einfach, auf einen Rückbau von Schneekanonen zu drängen. Schliesslich leben viele Regionen von den Winterurlaubern. Denn viele Wintergebiete würden leer ausgehen, wenn der Schnee nicht künstlich geschaffen werden könnte. Es stellt sich allerdings schon die Frage, wie nachhaltig diese Maßnahmen sind, denn einen CO2-Fussabdruck oder einen Wasserfussabdruck zu berechnen, wäre sicher machbar, aber was würden die Zahlen bewirken. Und, wenn man Klimaforschern Glauben schenken darf, dann wird die Zahl der Eistage in Bayern stark zurückgehen. Spätestens dann werden wir merken, dass man den Klimawandel nicht mit Schneekanonen bekämpfen kann, sondern ihn begünstigen. Ski heil!

Die Quellen:
Bayrisches Landesamt für Umwelt, 2013
Bund Naturschutz in Bayern e.V.

 

Ein Gedanke zu “Den Klimawandel mit Schneekanonen bekämpfen – mit Folgen für den Ressourcen- und Naturschutz

  1. Danke, Siegfried, für den ausgezeichneten Bericht zum Schneekanonen-Thema. In der Schweiz wurde früher heftig diskutiert über jede Schneekanone. Der Einsatz wurde nur in Ausnahmefällen bewilligt. Heute ist das Standard. Die Schäden sind gross. An gewissen Orten ist das Quellwasser knapp, wird aber trotzdem via Schneekanonen auf die Böden gebracht. Welche Verschwendung!
    Neujahrsgrüsse von Heidi

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