Bei der Abschätzung von Hochwasserrisiken hilft ein fast perfektes Internetportal

Der Global Risk Report des Weltwirtschaftsforums hat auch in Deutschland ein nachahmenswertes Beispiel für erfolgreiche Risikobewältigung aufgezeigt (siehe LebensraumWasser). Das Informationssystem ZÜRS (Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen) hilft als geografisches Informationssystem der deutschen Versicherungswirtschaft das Naturereignis Hochwasser risikogerecht zu kalkulieren. Zumindest in einigen Bundesländern ist die Anwendung nicht nur auf die Versicherungswirtschaft beschränkt, auch Mietern, Hausbesitzern und Unternehmern ist das Portal zugänglich. Jetzt empfiehlt der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft dieses System auf alle Bundesländer auszudehnen. Lebensraumwasser schliesst sich dieser Empfehlung an.

Internetportal  informiert über Naturrisiken 

Auf Kompass Naturgefahren (weitere Info dazu klick hier!) des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft GDV können sich auch Hauseigentümer und andere Interessierte darüber informieren, wie stark ihr Gebäude durch Hochwasser gefährdet ist. Aber nicht nur das, es lässt sich auch erfahren, welche Risiken aus den anderen Naturgefahren wie Starkregen, Sturm, Blitzschlag und Erdbeben für das Objekt besteht. Die Eingabe von Standortangaben leitet direkt auf die Risikoseite und zeigt, wieweit das Objekt bestimmten Gefahren ausgesetzt ist. Die Entwicklung geht auf die Hochwasserkatastrophe im Jahre 2002 zurück. Der Schaden betrug über neun Milliarden Euro. Allein in Sachsen beschädigte die Flut etwa 25.000 Häuser. Hochwasser bedeutet für Gebäude ein extremes Gefährdungspotenzial, gerade, wenn sie in Flussnähe liegen. Wie hoch das Risiko ist, zeigt das Internetportal  Geobasisdaten der Vermessungsverwaltung, Hochwasserdaten der Umweltverwaltung und Risikodaten der Versicherungswirtschaft wurden für den Kompass Naturgefahren verknüpft und gestatten dem Nutzer, das vom Hochwasser und anderen Naturereignissen ausgehende Gefährdungspotential objektbezogen einzuschätzen. Der Kompass soll Risikobewusstsein schaffen und die Eigenvorsorge fördern. Anhand einer objektbezogenen Gefährdungsanalyse können Interessierte prüfen, ob ein bestimmtes Gebäude durch Naturgefahren betroffen sein könnte. Bei vorhandener Gefährdung kann der Nutzer weitere Informationen erhalten mit dem Ziel, Vorsorge zu treffen. 

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Nordrhein-Westfalen fehlt
Leider hat das Portal Kompass Naturgefahren einen gravierenden Nachteil: es sind nicht die Daten aller Bundesländer zugänglich. Denn bislang können nur Interessierte aus Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin zugreifen (siehe Abbildung). Wie mittlerweile festzustellen ist, befinden sich auch die Seiten von Bayern und Baden-Württemberg sich schon in der Entwicklung. Als Westfale hatte ich deshalb im Sommer 2014 nachgefragt, ob dieses Warnsystem auch auf Nordrhein-Westfalen ausgedehnt werden soll. Die Antwort des GDV war freundlich, schnell, aber bewegte sich im typisch deutschen Umfeld: “Die Erweiterung auf andere Bundesländer ist in unserem föderalen System von der Bereitschaft der Länder abhängig, sich auf einer solchen Informationsplattform zu engagieren. Aus Nordrhein-Westfalen sind uns diesbezüglich noch keine Signale bekannt, sich an ZÜRS public (so hieß das Portal bis vor Kurzem Anm. d. Red.) zu beteiligen.” Und dabei ist es nicht so, dass NRW nicht auch eine Lösung hätte. “Auf der Seite des Umweltministeriums in NRW ‘Lebendige Gewässer'”, so wurde meine Anfrage vom GDV zumindest teilweise beantwortet, “finden Sie viele Informationen zu Hochwassergefahrenkarten in NRW. Das sind die aktuellsten amtlichen Einschätzungen der Hochwassergefährdung in Ihrem Bundesland. Folgen Sie einfach dem Link: klick hier!. Wenn man genau das macht, muss am feststellen, dass dem Nutzer in NRW leider einiges vorenthalten bleibt, denn wirklich hilfreich ist es für die Risikoeinschätzung von Gebäudeeigentümern nicht. Viel zu unübersichtlich und statisch ist dieses System. Zudem beschränkt es sich nur auf Hochwasser und lässt eine Lokalisierung der Objekte nur eingeschränkt zu.

Für Best Practice ist eine Erweiterung nötig – und möglich
Also ist für die anderen Bundesländer eine bessere und somit bundeseinheitliche Lösung gefragt! Daher wäre es hilfreich und im Sinne eines Best-Practce-Transfers, wenn sich diese dem Kompass Naturgefahren anschließen würden. LebensraumWasser hat jetzt beim Umweltministerium in NRW angefragt, ob und wann sich das Bundesland dem Portal anschliesst. Der GDV hat jedenfalls alle Länder eingeladen, sich dem Kompass Naturgefahren anzuschliessen (klick hier). Dann wäre Deutschland wirklich Best Practice auch für die Naturrisiken in der Welt.
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