Wasser in Zahlen

Vorbemerkung

„Wasser in Zahlen“ ist eine Rubrik, die Wasser und Statistik verbindet.  Entscheidungen und Einschätzungen bei Wasser erfordern statistische Grundlagen. Auch das Verstehen von Prozessen, gleich ob technisch oder ökologisch, wird durch Zahlen erleichtert. Zahlen beschreiben Beziehungen und veranschaulichen Ergebnisse. „Wasser in Zahlen“ ist eine wachsende Rubrik. Sie greift aktuelle Zahlen und Statistiken auf und bemüht sich um Erläuterung der dahinter liegenden Zusammenhänge, ggf. versucht sie eine Richtigstellung und bietet gleichzeitig Raum für zusätzliche Interpretation. Denn die Zahl hat immer recht. Nüchtern betrachtet, drückt sie eine Größe, eine Menge oder einen Wert aus. Und wer mit Zahlen argumentiert, tut dies im Schein der Objektivität. Dies gilt auch für Lebensraumwasser.com. Aber trotz aller Bemühungen zur Objektivität, weil empirisch erhoben oder mit komplexen Berechnungen als Kennzahl ermittelt, sind Zahlen auch hier nicht frei von Fehlern. Sollten diese also auftreten, dann wird zunächst um Entschuldigung und um einen Hinweis an lebensraumwasser@online.de gebeten.

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Wasserwirtschaft

121 Liter

…  beträgt der durchschnittliche tägliche Wasserverbrauch einer Person im privaten Haushalt und im Garten unter Berücksichtigung des noch näher bestimmbaren Anteils des sog. Kleingewerbes am Wasserverbrauch. Im Jahre 1990 waren es noch 147 Liter. In manchen Regionen liegen diese Verbrauchswerte schon unter 100 Litern, so in Sachsen mit 88 oder in der Stadt Zwickau mit 74 Litern täglich. Die Sparsamkeit der Schwaben erkennt man auch am Wasserverbrauch, denn nur 115 Liter sind es in Baden-Württemberg. Im Vergleich dazu verbrauchen die Australier durchschnittlich 208 Liter täglich, in Mali sind es dagegen nur 4 Liter. (Quelle BDEW, Australian Bureau of Statistics)

2,3 Milliarden

… Euro betrug im Jahre 2011 das Investitionsvolumen deutscher Wasserversorger in die Versorgungssysteme. Im Zeitraum von 1990 bis 2011 haben die Unternehmen insgesamt rd. 53,1 Milliarden Euro investiert. Gerade zu Beginn der 90er Jahre flossen nach dem Ende der DDR erhebliche Mittel in die Instandsetzung und in den Aufbau der Anlagen in den Neuen Bundesländern. Schwerpunkte stellten mit 57 Prozent die Leitungsnetze dar. (Quelle BDEW)

6.065 Wasserversorgungsunternehmen

…  gibt es laut Statistischem Bundesamt in Deutschland. Allein im Flächenstaat Bayern sind 2.299 Versorger tätig. In Nordrhein-Westfalen werden  nur 435 Versorger gezählt. In den Niederlanden sind viel weniger für die Wasserversorgung zuständig: 10 Regionalversorger für 16 Millionen Menschen. In ganz England sind es dagegen nur 24 Wasserver- und Abwasserentsorger. Diese geringe Anzahl an Versorgern in den europäischen Nachbarstaaten ist einer Reihe von Zusammenschlüssen auf regionalen Ebenen zu verdanken. In England waren nach dem 2. Weltkrieg über 1.000 Unternehmen für Trinkwasser und 1.400 für Abwasser zuständig.  Die meisten lagen – wie in Deutschland heute – in kommunaler Zuständigkeit. Nur sehr wenige waren Private. In den 50er Jahren wurden die vielen kleinen Versorger zu wenigen großen zusammen gefasst, um bei den Kosten so genannte Größenvorteile (Skaleneffekte) zu erzielen und die Finanzkraft der Unternehmen insbesondere für den ländlichen Raum zu stärken.
(Quellen: DESTATIS, VEWIN_NL,, England)

21 Prozent 

Unternehmensformen in der öffentlichen Trinkwasserversorgung

Unternehmensformen in der öffentlichen Trinkwasserversorgung

… beträgt der Anteil gemischt-wirtschaftlicher Wasserversorgungsunternehmen im Bundesverband der deutschen Energie- und Wasserwirtschaft BDEW gemessen an der Wasserabgabe. Damit ist diese Rechtsform in der öffentlich-rechtliche Körperschaften (zumeist Kommunen) und Private unter einem gemeinsamen Dach zusammenarbeiten, die häufigste in der Wasserversorgung. Diese Kooperation wird auch als Publik-Private Partnership (PPP) oder öffentlich-private Partnerschaft (ÖPP) bezeichnet.

 

33 Prozent Teilnahmequote

… weisen die Benchmarkingprojekte der deutschen Wasserwirtschaft auf. Teilnehmende Wasserversorger an Benchmarking-Projekten zielen darauf ab, ihre Wirtschaftlichkeit, ihre Effizienz, die Nachhaltigkeit und ihre Kundenorientierung zu verbessern. Verbraucher und Wasserkunden sollten ihre Versorger fragen, ob sie auch an einem der Landesprojekte teilnehmen. Quelle: BDEW (siehe auch: http://www.roedl-benchmarking.de/nrw/asp/aktuelles/ergebnisse12.asp)

Verbesserungen in Folge von Benchmarking

Benchmarking

 

 

 

32,8 Mrd. Kubikmeter Wasser 

… entnahmen öffentliche Wasserversorger, die private Haushalte und kleine Gewerbebetriebe mit Trinkwasser versorgen, Industrieunternehmen und Energieversorger für ihr Kühl- und Prozesswasser sowie Landwirte zur Beregnung im Jahr 2010 dem gesamten Wasserdargebot in Deutschland. (Q: Umweltbundesamt)

17,4 Prozent beträgt der Wassernutzungsindex

Wassernutzungsindex (Q: Umweltbundesamt 2012)

Wassernutzungsindex (Q: Umweltbundesamt 2012)

…  in Deutschland (2010). Damit ist der Anteil des Gesamtwasserbedarf im Verhältnis zum Wasserdargebot gemeint. Damit wird auch entschieden, ob ein Land unter Wassertest leidet. Die Grenze dafür liegt bei 20 Prozent. Übersteigen die Wasserentnahmen 20 Prozent des verfügbaren Wasserdargebotes, ist dies ein Zeichen von Wasserstress. Beim Wasserdargebot in Deutschland in Höhe von 188 Milliarden Kubikmetern liegt der Wassernutzungs-Index seit 2004 unter dieser kritischen Marke. Damit darf Deutschland als wasserreiches Land bezeichnet werden.
(Q: Umweltbundesamt)

12,4 Milliarden Liter Mineralwasser

…  wurden 2014 in Deutschland produziert. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes überwog mit einem Anteil von 55 % nach wie vor das „klassische“ Sprudelwasser mit einem hohen Kohlensäuregehalt von mehr als 4,5 g CO2 je Liter. (Q: DESTATIS, 15.7.2015)

9,8 Milliarden Kubikmeter Abwasser

…  behandelten die 9 307 öffentlichen Kläranlagen im Jahre 2013. Das Abwasser bestand überwiegend aus Schmutzwasser von Haushalten und Betrieben (5,0 Milliarden Kubikmeter beziehungsweise 51,1 %) und zu gut einem Viertel aus Niederschlagswasser (2,6 Milliarden Kubikmeter beziehungsweise 26,1 %). Niederschlagswasser erreicht nur in Gebieten mit Mischwasserkanalisation die Kläranlagen. Weitere 2,2 Milliarden Kubikmeter (22,8 %) des behandelten Abwassers war Fremdwasser. Fremdwasser tritt ungewollt, zum Beispiel durch undichte Kanalsysteme, in die Kanalisation ein und verursacht zusätzliche Kosten durch Belastungen der Kanäle und Kläranlagen. Besonders viel Fremdwasser wurde in Hessen verzeichnet. Mehr als ein Drittel (34,8 %) des dort behandelten Abwassers war Fremdwasser. In Baden-Württemberg (29,9 %) und im Saarland (29,8 %) waren die Fremdwasseranteile ebenfalls überdurchschnittlich hoch. Gut zwei Drittel (67,6 %) aller Kläranlagen verfügen neben biologischen Verfahren über zusätzliche Ausbaustufen zur Abwasserbehandlung wie zum Beispiel Stickstoff- oder Phosphorentfernung. Nur knapp jede dritte Kläranlage (31,6 %) reinigte das Abwasser über eine biologische Behandlung ohne weitere Ausbaustufen. (Quelle: DESTATIS)

180.000 Eigenwasserversorgungen

….gibt es neben den öffentlichen, zentral betriebenen Wasserversorgungsanlagen in Deutschland. Diese hauptsächlich im ländlichen Raum gelegenen auch „Hausbrunnen“ genannten Anlagen werden vom Hauseigentümer betrieben. In sehr dünn besiedelten Gebieten ist es aus technischen, hygienischen und finanziellen Gründen oft besser, sich mit Trinkwasser aus Hausbrunnen statt zentral zu versorgen. Von besonderer Bedeutung ist bei diesen Hausbrunnen die regelmäßige Kontrolle der Wasserqualität, da hierfür nicht der Wasserversorger zuständig ist.

Ökologie

860 Liter je Quadratmeter Niederschlag

…  fallen in Deutschland jährlich, das bedeutet einen „Wasser-Teppich“ in Höhe von durchschnittlich 86 Zentimetern. In Teilen von Sachsen-Anhalt und Brandenburg sind es weniger als 60 Zentimeter, an den Alpen sind es zwei Meter. Etwa Zweidrittel der Durchschnittsmenge, also rund 50 Zentimeter davon verdunsten wieder. Etwa 5 Zentimeter Niederschlag werden von Haushalten, der Agrarwirtschaft und der Industrie verwendet.

103 Milliarden Kubikmeter virtuelles Wasser

…  hat Deutschland 2010 mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Ernährungsgütern importiert. Diese Menge entspricht ungefähr der doppelten Wassermenge des Bodensees. 95 % der indirekten Wasserimporte waren Importe von grünem Wasser, während 5 % Importe von blauem Wasser darstellten.

500 Todeszonen

… werden heute weltweit in Seewasser und Küstenbereichen gezahlt. 1960 waren es mal gerade 24. (Q: World Ressource Institute wri.org)

7 Millionen Liter Jauche und Gülle

…  traten im Jahr 2014 bei Unfällen neben Silagesickersaft sowie vergleichbare in der Landwirtschaft anfallende Stoffe (JGS) unkontrolliert in die Umwelt aus. Hauptursache bei den JGS-Unfällen in Anlagen war menschliches Fehlverhalten (56 %). Materialmängel wie zum Beispiel Korrosion von metallischen Anlageteilen, Alterung von Anlageteilen aus sonstigen Werkstoffen sowie das Versagen von Schutzeinrichtungen waren in 22 % aller Unfälle Hauptursache (Quelle DESTATIS)

Qualität

10 Mikrogramm je Liter

…  ist der seit dem 1. 12. 2013 geltende Grenzwert für Blei im Trinkwasser. Auf dem Weg vom Wasserzähler zum Wasserhahn kann das Trinkwasser Blei aus den Installationsmaterialien aufnehmen. Das Schwermetall wurde lange Zeit aufgrund seiner guten technischen Materialeigenschaften unter anderem als Werkstoff für Wasserrohre verwendet. Blei löst sich aber zu gesundheitlich bedenklichen Konzentrationen im Wasser und ist als Werkstoff für Trinkwasser-Installationen daher nicht geeignet. Um zu vermeiden, dass es in das Trinkwasser eindringt, sollten alte Bleileitungen schnellst möglich und vollständig durch besser geeignete Materialien ersetzt werden.

70 Prozent

… des Trinkwassers aus Grund- und Quellwasser gewonnen. Zu 13 Prozent wird See-, Talsperren- oder Flusswasser direkt genutzt. Die übrigen 17 Prozent stammen aus Oberflächenwasser, das durch eine Bodenpassage oder Uferfiltration entnommen wird.

 Globale Wasserzahlen

97,5 Prozent

… des globalen Wasserdargebotes sind salziges Meer- oder Brackwasser. Nur 2,5 % der weltweiten Wassermenge in Höhe der geschätzten 1,4 Mrd. Kubikmeter sind Süßwasser. Davon ist jedoch nur weniger als 1 % direkt nutzbar, der überwiegende Teil der Süßwasservorkommen ist in Eis und Gletschern gebunden. (Q: Umweltbundesamt)

2 US-Dollar

… für 100 Liter zahlen die Menschen in Luanda (Angola), wenn sie Wasser von einem LKW aus einer entfernt liegenden Quelle kaufen. Mit 0,40 US-Dollar zahlen sie beim Kauf von einem LKW, der Wasser aus einer nahe gelegenen Quelle heran transportiert. Genau soviel zahlen die Bundesbürger durchschnittlich für ihr Trinkwasser, das sie in der Leitung frei Haus geliefert bekommen.  (Quelle: Wasseratlas, Black/King, Europäische Verlagsanstalt, 2009)

4,6 Milliarden Jahre

… beträgt das Alter des auf der Erde befindlichen Wassers. Nach neuesten Studien war Wasser schon zum Zeitpunkt des Entstehens der Erde vorhanden und ist nicht erst viele Millionen Jahre später durch einen Meteoriteneinschlag eingetragen worden. Quelle National Geographic

50 Prozent

… beträgt in Israel der Anteil des Wassers, das bis 2016 aus Meerwasserentsalzungsanlagen stammen soll. Schon heute werden in dem Land mit den weltweit größten Kapazitäten täglich rund 1,6 Millionen Kubikmeter  Trinkwasser aus dem Meer gewonnen. Damit lassen sich rund 11 Millionen Israelis versorgen, die ca. 142 Liter täglich gebrauchen. Quelle: MIT Technology Review

9 Staaten

… verfügen über 60 Prozent der globalen Frischwasser-Ressourcen: Brasilien, China, Russland, Kanada, Indonesien, USA, Indien, Kolumbien und die Demokratische Republik Kongo. Aber nicht nur global sind die Ressourcen demzufolge  ungleich verteilt, auch in den Staaten gibt es Regionen, die unter Wasserknappheit leiden, wie die Beispiele in Kalifornien und China zeigen.

Wissenswertes rund um das Wasser

63 Milliliter

… beträgt die Volumenzunahme von 5 Litern Wasser, wenn sie von 20 Grad Celsius auf 80 Grad erhitzt werden.

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