BVB-Fußballprofi setzt sich für Trinkwasser-Projekte ein

Neven Subotić, Fußballprofi beim BVB setzt sich für Trinkwasser-Projekte ein. In einem Interview erklärt er gemeinsam mit Joachim Stücke, dem ehemaligen Vorstand des Armaturenhersteller Hansa, wie der Kampf für sauberes Trinkwasser aussieht. Beide erklären, was sie antreibt und warum sie sich bei der Trinkwasserhygiene  von der Politik mehr erwarten. Das Interview wurde von dem Verein Partner für Wasser (PfW) geführt.

Berlin, 22. September 2017 – Egal ob in Europa oder Afrika, wir alle brauchen es und zwar jeden Tag: Sauberes Trinkwasser. Nicht nur in den ärmsten Regionen der Welt, wo über 660 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser haben, ist Trinkwasserhygiene ein Problem. Auch in Deutschland machen Legionellen-Funde und andere Vorfälle von Trinkwasserverunreinigung und Hygienemängel Schlagzeilen. Besonders gefährlich kann dies in Krankenhäusern, Pflegeheimen und anderen Einrichtungen der öffentlichen Daseinsvorsorge werden.

PfW: Bei einem Fußballspieler denkt man nicht gleich an das Thema Trinkwasserhygiene. Was hat Sie Herr Subotić bewogen, sich mit dem Thema zu beschäftigen und sogar eine Stiftung dafür zu gründen?

Subotić: Das Fundament für ein gesundes Leben basiert auf sauberem Wasser. Das ist uns allen bewusst, doch selten wird es hinterfragt, insbesondere in unseren Umständen, wo der Wasserhahn gefühlt unendlich günstiges und sauberes Wasser innerhalb von Millisekunden ins Glas befördert. Nachdem ich mich jahrelang für lokale gemeinnützige Projekte eingesetzt habe, wuchs bei mir die Perspektive kontinuierlich über den lokalen Rahmen hinaus. Auch reiche Länder haben Probleme, doch da ich mich in erster Linie als Bürger der Welt begreife, finde ich es aus einer globalen Perspektive richtig, diejenigen Probleme zu lösen, die die Menschen in den ärmsten Regionen betreffen. Aus dieser Überzeugung wuchs der Wunsch, selbst eine Stiftung zu gründen und mich mit dieser für die Sicherung der Lebensgrundlagen einzusetzen.

Neven Subotić

PfW: Herr Stücke, dem Wasser, das bei uns in Deutschland wie selbstverständliche aus der Leitung kommt, wird bescheinigt das am strengsten kontrollierte Lebensmittel zu sein. Wo liegen denn dann die Probleme?

Stücke: Zum Glück ist das so! Die Trinkwasserqualität in Deutschland ist tatsächlich hervorragend bis sie am eigenen Hausanschluss ankommt. Hier wird es verzwickt, denn die Installation von Trinkwasseranlagen birgt viele Risiken, welche die vormals hohe Qualität des Wassers mindern. Wir reden hier besonders von Risiken, wie Keime, die sich bei unzureichender Erwärmung oder in so genannten „Stichleitungen“ bilden und die schlimme gesundheitliche Folgen haben können.

Bei den Projekten der Subotic-Stiftung stehe Kinder im Vordergrund

PfW: Herr Subotic, Sie engagieren Sich mit Ihrer Stiftung häufig in Gegenden, wo noch gar keine Wasserleitungen existieren. Wonach entscheiden Sie, wo und welche Projekte Sie fördern?

Subotić: Wir gehen systematisch vor und beachten dabei mehrere Faktoren: Von den Kapazitäten und dem Potential der Gemeinde oder jeweiligen Schule, den hydrogeologischen Bedingungen vor Ort, bis hin zu den regionalen und nationalen Frameworks, die entscheidend sind für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Das bedeutet, dass die Entscheidung, “wo Projekte gefördert” werden, von der Anzahl der Menschen vor Ort abhängig ist, ob sie bereits gut organisiert sind, ob sie den Wunsch geäußert haben, einen Brunnen zu bekommen, ob sie bereit sind das Projekt zu unterstützen. Auf der anderen Seite wird von Hydrogeologen nach Möglichkeiten geschaut, ob es tatsächlich möglich ist zu bohren bzw. ob Grundwasser in der Gegend verfügbar ist und nachhaltig regeneriert wird. “Welche Projekte gefördert” werden, hängt ebenfalls von einigen Faktoren ab, die im Vorfeld geprüft werden. Für uns ist es wichtig, strategische Punkte zu finden, deren Potentiale als Sprungbretter dienen, so wie beispielsweise Schulen in den ländlichen Regionen, die als Katalysator für die Entwicklung von Kindern dienen.

PfW: Warum, Herr Stücke, konzentrieren sich die Partner für Wasser ausgerechnet auf Trinkwasserhygiene im Healthcare-Bereich und in der Daseinsvorsorge und nicht in anderen Bereichen?

Stücke: Eine ausgezeichnete Trinkwasserqualität in diesen Einrichtungen ist aus mehreren Gründen besonders wichtig. Zum einen handelt es sich um gemeinschaftliche Einrichtung, bei denen die Verantwortungsstrukturen nicht immer klar sind. Beim eigenen Zuhause sehen Hausbesitzer automatisch genauer hin, was verbessert werden muss. Krankenhäuser, Pflegeheime oder Schulen haben aber oft mit vielen Baustellen zu kämpfen, weshalb Probleme, die quasi unsichtbar in einer Leitung lauern, weniger Aufmerksamkeit erfahren, obwohl sie eigentlich prioritär behandelt werden müssen. Zum anderen haben wir es in diesen Einrichtungen vorwiegend mit Menschen zu tun, deren Immunsystem schon schwach ist, oder die offene Wunden haben und die deshalb besonders anfällig für Keime und Bakterien sind, die durch mangelnde Trinkwasserhygiene übertragen werden.

Joachim Stücke

PfW: Und was tun Sie als Verband konkret dagegen?

Stücke: Der Verband fungiert wie eine Vernetzungsplattform. Wir vereinen Experten entlang des gesamten Wasserkreislaufs, um gemeinsam die Betreiber der Einrichtungen für das Thema Trinkwasserhygiene zu sensibilisieren. Oft wissen die Betreiber gar nicht, welche Gefahren wo lauern. Keiner hat einen Röntgenblick und kann in Rohleitungs- oder Pumpensysteme von außen reinschauen. Konkret haben wir bereits eine umfangreiche Studie mit dem Institut für empirische Sozial- und Kommunikationsforschung zu Trinkwasseranlagen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen durchgeführt. Als nächstes ist dies für Kindertagesstätten und Schulen vorgesehen. Schon dieser Austausch erhöht die Aufmerksamkeit der Beteiligten.

PfW: Welche Rolle spielt das Thema „Bewusstsein für Trinkwasserhygiene schaffen“ für Ihre Arbeit, Herr Subotić? Hat Ihre Stiftung mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen, wie die Partner für Wasser?

Subotić: Die größte Herausforderung ist es tatsächlich einen integrativen Weg zu finden, um verschiedene Akteure zusammenzubringen, um Kräfte zu bündeln und um Redundanzen oder eventuell sogar nicht intendierten Folgen entgegenzuwirken. Auch dies ist eine Bedingung für unsere Zusammenarbeit, da wir nur da sind, wo Strukturen und Prozesse auf Grundlage der besten aktuellen Methoden stets optimiert werden können.


PfW: Zum Schluss, meine Herren, eine Frage an Sie beide: Wenn Sie im Hinblick auf die bevorstehende Bundestagswahl bei allen Parteien einen Wunsch frei hätten. Wie würde der lauten?

Stücke: Bitte sensibilisieren und motivieren Sie die Betreiber, dass Teile des Budgets nachweislich und regelmäßig auch für die Instandhaltung der Infrastruktur im Trinkwassernetz investiert wird.

Subotić: Es gibt wenige Bürger, die der Politik noch wirklich vertrauen. Wir benötigen ein Umdenken und das wird zwangsläufig nicht durch große Worte, denen keine Taten folgen, gelingen, sondern nur durch mehr Transparenz, einer Fokussierung auf die Probleme, die den normalen Bürger im Alltag tatsächlich betreffen, und Bildung.

Was meinen Sie dazu?