Münchener erhalten öffentlichen Trinkbrunnen

Wer bei diesen Temperaturen durstig durch München spazieren geht oder radelt, trifft nicht selten auf schöne und historische Brunnen die zum Erfrischen einladen. Insgesamt 186 wasserspendende Bauwerke zieren das Stadtbild der bayrischen Metropole. Auch wenn man es nicht jedem gleich ansieht, aber aus 125 der öffentlichen Erfrischungsanlagen soll sogar Trinkwasserqualität fließen. Die verbleibenden Brunnen führen das Wasser nur im Kreislauf, weshalb ein Schild mit der Aufschrift „kein Trinkwasser“ vor dem Trinken warnt. Aber auch die anderen eignen sich aufgrund ihrer baulichen Gegebenheiten zur nicht zum Trinkgenuss. Nur an jedem Dritten ist der Wasserauslass oder der Wasserstrahl überhaupt erreichbar. Da müsste man schon Klimmzüge machen oder in das Becken steigen, um zu trinken. Auch hygienische Gründe und die Wartungskosten sprechen aus Sicht der Stadt dagegen, die Zahl der öffentlichen Trinkwasser-Brunnen zu erhöhen.

Trinkbrunnen 'Atlantida', Fa. Santa & Cole (Q: Stadt München)

Trinkbrunnen ‚Atlantida‘, Fa. Santa & Cole (Q: Stadt München)

Das soll sich jetzt ändern. Die Stadt will einen richtigen Trinkwasserspender errichten. Sein Aussehen soll mögliche Zweifel, ob es sich um Trinkwasser handelt, gar nicht erst aufkommen lassen. Eine richtige Zapfstelle soll es werden. Und das soll erst der Anfang sein. Auslöser für diese Initiative sind Anträge im Stadtrat. Unter dem Titel „Trinkwasserbrunnen für Münchner Plätze und Fußgängerzonen“ stellte die Stadtratsfraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN/RL schon am 02.07.2014 den Antrag, dem folgte ein Antrag auf einen „Modellversuch Trinkbrunnen“ der Stadtratsfraktion Freiheitsrechte, Transparenz und Bürgerbeteiligung vom 17.10.2014. Beide Anträge wurden Ende Juli vom Stadtrat angenommen. Somit wird ein Trinkbrunnen als Pilotprojekt umgesetzt. Wo der Brunnen aufgestellt werden soll, ist noch in Abstimmung – entweder am Rindermarkt oder auf dem Marienhof gleich hinter dem Münchner Rathaus. Wer sich für die Stadtratsanträge und die Beschlussvorlage interessiert, wird hier fündig klick hier!.

Aber: Öffentliche Trinkbrunnen kosten Geld. Zwei Millionen Euro kostet der Unterhalt der 187 Brunnen jährlich – plus Sanierungskosten. Aber auch der neue Brunnen wird kein Schnäppchen. Empfohlen wird von der Stadtverwaltung ein von den Designern Enric Batlle und Joan Roig entwickeltes Trinkbrunnenmodell (‚Atlantida‘, Fa. Santa & Cole) vorgeschlagen, welches sich beispielsweise auch vor dem Guggenheim Museum in Bilbao befindet. Für die zweijährige Phase des Modellversuchs sollen hierfür insgesamt 40.000 Euro zur Verfügung gestellt werden.

Trinkbrunnen in Hamburg (Foto: Gendries)

Trinkbrunnen in Hamburg (Foto: Gendries)

Wer geglaubt hatte, dass die Stadtwerke München (SWM) als Tochterunternehmen den Haushalt entlastet und wie andere Stadtwerke in Deutschland die Bürger unterstützt, der sieht sich getäuscht. So eindeutig ist die Absage in einer Stellungnahme der SWM : „Falls innerhalb der Landeshauptstadt München die Bereitschaft besteht, weitere Trinkwasserbrunnen zu errichten, wäre an diesem Zuständigkeitsprinzip festzuhalten. Das Baureferat müsste gemäß den Hygienevorschriften Brunnen für Trinkwasser errichten, die SWM würden nach Beauftragung durch das Baureferat den Trinkwasseranschluss herstellen und die Wassermenge dem Baureferat in Rechnung stellen.“ Basta! Mag man rufen.

Bemerkenswert, wie schwer sich diese wohlhabende Touristenmetropole mit einer in anderen Regionen selbstverständlichen Leistung tut. Obwohl sich die Münchener eines der bundesweit besten Leitungswasser rühmen, weil sie es aus den Voralpen beziehen, bleibt den Durstigen auf Straßen und Plätzen nichts anderes übrig, als sich Flaschenwasser zu kaufen oder das Geld bei einem Gastwirt zu lassen. In anderen Städten gehören öffentliche Trinkbrunnen wie selbstverständlich zum Stadtbild. Zudem gibt es diese zumeist unter der Regie des örtlichen Versorgers, so in Berlin, Hamburg, Stuttgart, Mülheim/Ruhr und Nürnberg. In Augsburg werden 16 historische und vier eigens errichtete Brunnen mit Trinkwasser versorgt. Um die Wasserqualität zu garantieren, werden regelmäßig Proben genommen. Jeder Brunnen muss dort wöchentlich auf „Sauberkeit und Unversehrtheit“ kontrolliert werden. Ausführender sind dort die Stadtwerke Augsburg. Auch die RWW als Wasserversorger im Ruhrgebiet spendet den Bürgern mit öffentlichen Trinkbrunnen Wasser. Wer sich für Standorte interessiert, der wird mit Hilfe einer eigenen App fündig – siehe hier Trinkwasser-unterwegs

Eine Liste der Münchener Brunnen und ihre Geschichte findet man auf München Wiki
LebensraumWasser zur Bürgerbefragung zu Trinkbrunnen in Deutschland klick hier!

Quellenhinweis: Das Beitragsfoto zeigt das Brunnenbuberl oder als Anlage auch Gasteigerbrunnen genannt. Bei seiner Aufstellung am 22. September 1895 stand es hinter dem großen Kiosk am Stachus in einer der damaligen Grünanlagen entlang der Sonnenstraße. Heute hat es seinen Platz am Westende der Neuhauser Straße. Das Foto stammt von Alois Sturm (verwendet unter der Lizenz GNU Free Dokumentation License 1.2)

 

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