Mandeln oder Lachs? – Verteilungskämpfe um Wasser in Kalifornien

Die chinesische Nachfrage nach Mandeln könnte den Lachsen in den Flüssen Kaliforniens das Überleben kosten. Tausende erwachsener Königslachse (Chinook) brauchen für ihren Lebensraum im nordkalifornischen Klamath River jenes Wasser, das auch die Mandelfarmer für die Bewässerung ihrer hochpreisigen und insbesondere in China so begehrten Früchte brauchen – und Dank zugeteilter Wasserrechte auch erhalten. Die Landwirte pumpen das Wasser aus dem Fluss ab, dessen Wasserpegel damit kontinuierlich fällt. Damit entziehen sie den in dem Fluss heimischen Königslachsen ihren Lebensraum. In dem Maße wie die Menge sinkt, steigt auch ihre Temperatur, und dies ist eine weitere Bedrohung für die Fischpopulation. Die Lachse fallen bei Temperaturen von mehr als 21 Grad Celsius Krankheiten zum Opfer, die zumeist tödlich enden. Über 1.000 tote Fische haben die Naturschützer von The Salt nach eigenen Angaben innerhalb weniger Wochen gezählt. 2002 waren es zehntausende Fische, die der Wasserknappheit zum Opfer gefallen sind.

Junger Chinook Lachs

Junger Chinook Lachs

Um dies zu verhindern wird jetzt vorgeschlagen, Frischwasser aus dem Trinity See in den Klamath zu leiten. Doch schon regt sich dagegen massiver Widerstand, denn die Wasserrechte an dem See sind anderen Nutzern zugeteilt. Diese werden angesichts der Knappheit kaum auf ihre Rechte verzichten und weiter „ihr“ Wasser entnehmen. Denn das Wasser des Klamath River wird auch von anderen Nutzern wie den Wasserversorgern und der Industrie dringend benötigt. Der Klamath speist über einen künstlich angelegten Tunnel den Sacramento River, eine der Lebensadern im Norden Kaliforniens. Seit dem 20. August wird mehr als viermal so viel Wasser abgezogen, als in dem Quellfluss – und damit den Lachsen – verbleibt. Den Lachsen scheint damit die Verliererrolle zugedacht. Sie gehen im wahrsten Sinne des Wortes leer aus.

Mandelbäume

Mandelbäume

Die Statistiker streiten sich über den Wasserbedarf der kalifornischen Landwirtschaft: zwischen 50 und 80 Prozent sollen es sein. Dabei zählen Mandeln mittlerweile zu den bedeutendsten Agrarprodukten und somit Wasserverbraucher. Da sich innerhalb von weniger als zehn Jahren die Mandel-Produktion auf mittlerweile nahezu eine Million Tonnen verdoppelt hat, wirkt deren Anbau angesichts des Wasserbedarfs wie ein „trockener Schwamm“. 80 Prozent der Mandelernte werden exportiert. Größter Abnehmer ist China. Naturschützer beklagen, dass die Unversehrtheit der Umwelt und die Gerechtigkeit bei der Verteilung des knappen Wassers wegen kommerzieller Interessen der Agrarlobby und letztendlich zugunsten chinesischer Verbraucher auf der Strecke bleibt.

Das Beispiel in Kalifornien zeigt eine Entwicklung auf, die auch in anderen Regionen der Welt befürchtet werden muss. Wegen des Klimawandels wird das Risiko regionaler Wasserknappheit steigen. Dabei werden es nicht immer wehrlose Lachse sich mit der Unterlegenheit abfinden müssen. Dort wo mächtige Interessengruppen aufeinander stoßen, werden auch Konflikte nicht auszuschließen sein. Institutionen, die Wasserrechte qualifiziert und gerecht verteilen, sind in Zukunft wichtiger denn je. Ob diese Voraussetzung in Kalifornien vorhanden ist, darf Dank dieses Beispiels bezweifelt werden.

Klamath River

Klamath River

2 Gedanken zu “Mandeln oder Lachs? – Verteilungskämpfe um Wasser in Kalifornien

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